Sanierung kommt zügig voran

Boden des Ex-Galvanikwerks wird von Gift befreit

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5 000 Quadratmeter ist die Baugrube zwischen Bahngleisen und Odenwaldstraße groß. Noch bis Juni befreit die Hessische Industriemüll GmbH die tieferen Bodenschichten von giftigen Rückständen der Metallveredlung. Die oberen drei Meter hat der neue Besitzer, die Projektentwicklung Früchtenicht GmbH, schon saniert.  

Ober-Roden - Rödermarks schlimmste Industrie-Altlast ist seit Wochen Rödermarks größte Baugrube: Investor Christian Früchtenicht hat 5 000 Quadratmeter des Hitzel & Beck-Geländes drei Meter ausbaggern und den größten Teil des vergifteten Bodens abtransportieren lassen. Von Michael Löw 

Die nächsten sechs Meter nach unten saniert die Hessische Industriemüll-GmbH. Früchtenicht und zwei Partnerunternehmen bauen in der Odenwaldstraße rund 140 Reihenhäuser, Eigentums- und Mietwohnungen. Vom Galvanikwerk Hitzel & Beck in der Odenwaldstraße zeugt nur noch ein riesiger Haufen geshredderten Betons. Es sind die Reste von Büros und Wohnungen, den unbelasteten Gebäuden auf dem Firmengelände. Produktions- und Lagerhallen, unter denen die Hessische Industriemüll GmbH (HIM) fast 1,3 Tonnen Schwermetalle sowie 4,3 Tonnen Lösungsmittel aus der Metallveredlung gemessen hatte, wurden als Sondermüll entsorgt. Auch ein Großteil der ungefähr 30 000 Tonnen Boden, die bislang ausgebaggert wurden, sind Sondermüll.

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Investor Christian Früchtenicht hat die etwa 7 000 Quadratmeter große Industriebrache plus knapp 4 000 Quadratmeter städtisches Gelände gekauft und sich per Vertrag zu einer Sanierung in öffentlich-privater Partnerschaft verpflichtet. Der Babenhäuser Projektentwickler hat seinen Teil getan: Er ließ sämtliche Gebäude abreißen und 5 000 Quadratmeter auf eine Tiefe von drei Metern ausbaggern. Jetzt ist das Land - beziehungsweise die HIM - an der Reihe. Die ist bis Juni quasi Hausherr auf dem Herzstück der Baustelle und befreit die nächsten sechs Meter Erdreich bis runter zum Grundwasser von den giftigen Produktionsrückständen.

Am Nordrand, also dem langjährigen provisorischen Parkplatz, hat Früchtenicht einen Geländestreifen an ein Partnerunternehmen verkauft. Das beginnt schon im April mit dem Bau von 14 Reihenhäusern. Die sind alle schon verkauft, obwohl dort noch nicht einmal die Baugrube ausgehoben ist.

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Den zweiten Abschnitt bebaut und vermarktet Christian Früchtenicht selbst. Er plant 69 Eigentumswohnungen („kein Luxusviertel, aber gehobener Standard“) und rund 1 000 Quadratmeter Läden und Geschäfte. Am Verbindungsweg zwischen Odenwaldstraße und Bahnunterführung soll ein Bäcker mit Café einziehen. Weil der Projektentwickler die Baufläche um 400 Quadratmeter reduziert, gewinnt er unter anderem Platz für Freiluftgastronomie. Die barrierefrei erreichbaren Wohnungen sind zwischen 43 und 120 Quadratmeter groß, der Schnitt liegt bei 80 Quadratmetern. Früchtenicht: „Das ist die typische Drei-Zimmer-Wohnung.“ Er will ab Sommer bauen und eineinhalb Jahre später fertig sein.

Bauabschnitt drei wird wiederum an ein Partnerunternehmen verkauft, das gut 60 Mietwohnungen plant. Eigentümer, Mieter und Kunden sollen ihre Autos in einer Tiefgarage mit 250 Plätzen abstellen. Das Früchtenicht-Projekt namens „Atrium“ wertet Ober-Roden nach Ansicht von Bürgermeister Roland Kern nicht nur auf, weil die giftigste Industrie-Altlast saniert wird und Wohnungen entstehen. Kern lobt die grünen Aspekte von „Atrium“: ein Blockheizkraftwerk, das die Neu-Rödermärker mit günstigem Strom versorgt, 150 Fahrradabstellplätze über und unter der Erde sowie ein Grünflächenanteil von 33 Prozent.

Quelle: op-online.de

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