Feuerwehrmann studiert Rettungsingenieurwesen

Großbrand in Ober-Roden wird Forschungsobjekt

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Der Großbrand in der Seligenstädter Straße ist Thema einer Hausarbeit, die Markus Koltermann derzeit an der Technischen Universität schreibt.

Ober-Roden - Ein Großbrand verwüstete im Dezember 2012 drei Reihenhäuser in der Seligenstädter Straße. Ein technischer Defekt hatte die Wärmedämmung entzündet, die Flammen fraßen sich die Fassaden hinauf unter die Dächer. Von Michael Löw 

Markus Koltermann arbeitet den Brand und die Arbeit der Feuerwehr wissenschaftlich auf. Markus Koltermann studiert in Köln Rettungsingenieurwesen. Hinter diesem sperrigen Wort verbirgt sich die Ausbildung zur Führungskraft für Hilfsorganisationen und Feuerwehren. Der 20-Jährige ist seit März 2013 Mitglied in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Roden und möchte das, was er „leidenschaftlich gern als Hobby macht, auch zum Beruf machen“.

Nach dem Abitur 2015 an der Nell-Breuning-Schule - bekanntlich direkt neben der Ober-Röder Wache gelegen - fiel Markus Koltermanns Wahl auf die Technische Hochschule Köln, wo er in sieben Semestern den Abschluss „Bachelor of Engineering“ erwerben kann. In den ersten drei Semestern lernen die Studenten mathematische, natur- und ingenieurwissenschaftliche Grundlagen, ab dem vierten Semester können sie sich auf Rettungs- oder Brandschutzingenieurwesen spezialisieren. Potenzielle Arbeitgeber sind Behörden, nationale und internationale Hilfsorganisationen von den Johannitern bis „Ärzte ohne Grenzen“, Versicherungen, Unternehmensberatungen und Firmen mit dem Schwerpunkt Gefahrenabwehr.

Die Hochschule fordert von den Bewerbern 480 Stunden Vorpraktikum, damit sie aufgenommen werden. Das sind zwölf volle 40-Stunden-Wochen. Für Markus Koltermann war’s eine eher einfache Sache, denn zwei Jahre Einsatzabteilung und Lehrgänge unter anderem als Funker, Atemschutzgeräte-Träger und Truppführer qualifizierten ihn eindeutig als Mann mit Erfahrung. Die will er im fünften Semester, dem 20-wöchigen Praxissemester, noch vertiefen. Kontakte hat er zur Berufsfeuerwehr Frankfurt, in deren Pressestelle er schon als Neuntklässler hospitierte. Reizen würde ihn natürlich auch die Flughafenfeuerwehr. „Dieses Semester ist unheimlich vielfältig. Sogar Auslandspraktika sind möglich“, schwärmt er.

Großbrand: Häuser in Flammen

Zur Zeit schreibt Markus Koltermann eine Hausarbeit, die sich mit dem Großbrand vom 11. Dezember 2012 in der Seligenstädter Straße beschäftigt. Ein nächtliches Feuer zerstörte drei Reihenhäuser, ein viertes konnten die mehr als 100 eingesetzten Feuerwehrleute retten. Elf Menschen, darunter fünf Kinder, verloren ihr Zuhause; der Schaden ging in die Hunderttausende. Immerhin: Niemand wurde verletzt. Auslöser war eine defekte Heizdecke, ergaben die Ermittlungen der Kripo. Die Decke setzte offenbar zuerst Terrassenmöbel in Brand. Von denen griffen die Flammen auf die mit dicken Styroporplatten gedämmte Fassade und von dort auf die Nachbarhäuser über. Der Rest ist bekannt...

Das Ganze passierte zwar vor Markus Koltermanns Zeit in der Einsatzabteilung, blieb aber wegen der Dimensionen und der Nähe zu seiner Wohnung im Gedächtnis haften. Das wichtigste Kriterium war indes ein juristisches: Die Schadensursache steht 100-prozentig fest. Das schützt Student und Hochschule vor Klagen, Unterlassungsforderungen und ähnlichen Rechtsstreitigkeiten. Markus Koltermann beleuchtet in seiner Hausarbeit die Einsatzlage, das Zusammenwirken der insgesamt fünf Feuerwehren untereinander und mit den anderen Hilfsorganisationen sowie die Technik der Brandbekämpfung. Er vergleicht also nachträglich die Praxis mit dem, was er bisher im Studium gelernt hat. Nicht nur Rödermarks Stadtbrandinspektor Herbert Weber wird die Arbeit voller Interesse lesen.

Quelle: op-online.de

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