Wohnzimmertheater in Urberach

Reformation humorvoll erklärt

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Martin Luther wird von seinem Freund Lucas Cranach immer wieder zur Widerrede, aber auch zur eigenen Erkenntnis herausgefordert: Paraderollen für Oliver und Friederike Nedelmann.

Urberach - Pünktlich zum Beginn des Lutherjahrs bringen Friederike und Oliver Nedelmann den Reformator auf die Bühne. „Cranach malt Luther“ ist im Wohnzimmertheater in der Ober-Rodener Straße 5 a zu sehen. Von Christine Ziesecke 

„Es ist mein erstes Stück seit langer Zeit, für das ich wieder mal mein Studium nutzen und so richtig recherchieren und Material sichten konnte“, freut sich der gerade frisch gekürte Rödermärker Ehrenurkunden-Preisträger, der sich für den Faktencheck auch begleitende Hilfe aus Pfarrersfamilien geholt hat. „Eigentlich wollte ich erst ein Stück um Luther und sein Käthchen schreiben, doch ich kam damit nicht voran“, erinnert er sich. Es wurde immer zum Beziehungsstück. So kam er auf die Figur des Luther-Freundes und Malers des wohl bekanntesten Lutherportraits, Lucas Cranach.

Cranach malt Luther – und diskutiert mit ihm in diesen Sitzungen über Gott und die Welt – als Freunde darf es sehr persönlich werden, etwa rund um die leiblichen Unpässlichkeiten des Reformators ebenso wie um seine ganz eigene Wertschätzung von Ehefrau Katharina. Vor allem aber entwickeln sich in diesem ganzen Gespräch die Sorgen und Nöte und die inneren Zwänge, aus denen heraus die später als Reformation öffentlich gewordene Verwerfung des Ablasshandels und vieles mehr entsteht. Wie immer bei Nedelmann ist das mit humorvollen Anleihen aus späterer Zeit wie etwa einem Fernsprecher oder räumlichem Bezug zur südhessischen Region garniert.

Luther alias Oliver Nedelmann als fragender, immer kritischer, grübelnder Geist; Lucas Cranach alias Friederike Nedelmann als quirliger geschäftstüchtiger Künstler, der auch an Stellen nachbohrt, wo Luther längst resigniert hat, und damit zum Motivator wird – und ihm so ehrliche Sachen sagen darf wie etwa das anfängliche „Schau doch nicht so evangelisch! ... na, so humorlos…“

Wer die Reformation und ihre Auslöser bis hin zum hessischen Kurfürsten bislang nie recht verstanden hat, der ist hier richtig. Wer sich die Theorie des Ablasshandels – das Dazwischenfunken des Menschen in die göttliche Vergebung – mal wirklich griffig mit einem Dosentelefon erklären lassen möchte, ist hier ebenfalls richtig. Richtig sind im Wohnzimmertheater ganz sicher Schüler, die hier besser als im Frontalunterricht die Reformation nahe gebracht bekommen, und erst recht Konfirmanden und Firmlinge. Richtig sind zweifelnde Katholiken ebenso wie zu selbstbewusste Evangelische. Sie alle erleben den Menschen wie den Reformator Martin Luther auf ausgesprochen humorvolle, vergnügliche Weise und dennoch ganz eng an den recherchierten und tradierten Fakten. Das ist nicht nur für kirchlich orientierte Zuschauer ein Leckerbissen.

Quelle: op-online.de

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