Stadt verpachtet Badehaus-Sauna

Defizit durch die Rippen schwitzen

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Schwitzen kann Hochleistungssport sein. Michaela Butz, Geschäftsführerin der neuen „Saunaritter GmbH“ (rechts), hielt bei 110 Grad rund sechseinhalb Minuten aus und wurde Weltmeisterin.

Urberach - Eine Schwitz-Weltmeisterin soll die Sauna im Badehaus auf Kurs bringen. Gestern unterzeichnete die Stadt den Pachtvertrag mit den „Saunarittern“, deren Chefin Michaela Butz 2010 in Stralsund den WM-Titel gewann. Von Michael Löw 

Erster Stadtrat Jörg Rotter will mit dieser Lösung das Millionendefizit im Badehaus um 150.000 bis 200.000 Euro senken. Die Kommunalen Betriebe Rödermark (KBR) haben Sauna, Wellnessbereich und Gastronomie des Badehauses zum 1. Oktober für zunächst einmal fünf Jahre verpachtet. Ihr neuer Partner kennt sich mit der Materie bestens aus: Die „Saunaritter“, einst in Ober-Roden und danach in Kleinostheim zuhause, sind eine Gruppe von Extrem-Schwitzern. Sie fühlen sich bei Temperaturen von 110 Grad wohl. Doch soviel Hitze müssen die Besucher des Badehauses ab der nächsten Woche nicht durchgehend befürchten. „Bei uns können die Leute sich bei allen Temperaturen erholen“, versprach Michaela Butz gestern bei der Unterzeichnung des Pachtvertrags. Die Geschäftsführerin des Urberacher Reisebüros „Holiday Land“ ist die Chefin der „Saunaritter“. Sie darf sich seit fünf Jahren mit dem Titel einer Weltmeisterin schmücken: Keine Frau schwitzte damals in Stralsund bei 110 Grad länger als sie: 6 Minuten und 31 Sekunden.

Die neuen Partner der Stadt betreiben die Badehaussauna als Gesellschaft: die „Saunaritter GmbH in Gründung“. Sie zahlen den KBR eine Pacht - ein „ordentlicher Betrag“, sagte Erster Stadtrat Jörg Rotter, ohne allerdings konkrete Zahlen zu nennen -, tragen die Kosten für Strom, Wasser und Versicherung und finanzieren Reparaturen und Investitionen. Schwitzen pro Jahr mehr als 12.500 Besucher im Badehaus, bekommen die KBR einen Bonus. Aufgrund von Personalengpässen und der langen Sanierungspause kamen in den vergangenen beiden Jahren nur rund 12.000 bis 15.000 Gäste, früher waren’s im Schnitt knapp 20.000.

Michaela Butz (2. von rechts) und Erster Stadtrat Jörg Rotter unterzeichneten gestern vor der Kelterscheune den Pachtvertrag für Sauna, Wellnessbereich und Gastronomie im Badehaus. Bürgermeister Roland Kern und Petra Henkel von den Kommunalen Betrieben waren Zeuge.

Die „Saunaritter“ haben weit ehrgeizigere Ziele. Michaela Butz peilt ab 2016/2017 25.000 Besucher an. Diesen Optimismus, den auch Stadtrat Rotter teilt, schöpft sie aus vier Jahren Saunabetrieb im „Vitamar“ in Kleinostheim. Im Badehaus halfen die „Saunaritter“ seit Juli aus. Ihr Konzept „Wir leben Sauna“ bescherte den KBR sogar über den Sommer ein Besucherplus. Die Pächter wollen die im Zuge der Haushaltskonsolidierung gekürzten Öffnungszeiten wieder kräftig ausdehnen. Im Badehaus kann man ab Oktober außer montags täglich schwitzen, pro Stunde verspricht Michaela Butz bis zu drei Aufgüsse mit Naturdüften. Drei festangestellte Mitarbeiter und vier Minijobber machen diesen Service möglich.

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Erster Stadtrat Jörg Rotter will die jährlichen Verluste im Badehaus von 1,1 Millionen Euro durch die Verpachtung um 150.000 bis 200.000 Euro reduzieren. Soviel Miese machte die Sauna seit der Eröffnung des Badehauses Ende Mai 2006 Jahr für Jahr. Gutachter hatten eigentlich prophezeit, dass die Stadt mit Schwitzen gutes Geld verdient. Später lautete die offizielle Sprachregelung zumindest: „Die Sauna trägt sich selbst.“ Rotter ließ im Frühjahr nachrechnen und kam zu einem ernüchternden Ergebnis, das Skeptiker schon lange so befürchtet hatten. Gestern indes blickten Rotter, Bürgermeister Roland Kern und Michaela Butz nach vorne. „In den Gesprächen mit den „Saunarittern“ konnte man immer deren Leidenschaft feststellen. Ich bin davon überzeugt, dass es der GmbH gelingen wird, mit dieser Leidenschaft die Besucherzahlen zu steigern und das Erholungsangebot weiterzuentwickeln“, sagte Stadtrat Rotter.

Quelle: op-online.de

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