Betreuung an der Schule an den Linden

„Der Kreis duckt sich weg“

Urberach - Die Stadt übernimmt ab September die Betreuung an der Urberacher Grundschule und baut auf deren Hof eine 1,275 Millionen Euro teure Mensa. Das Parlament gab am Dienstagabend grünes Licht für einen Antrag der Koalition beziehungsweise eine Magistratsvorlage.

Die FDP vermisst allerdings eine angemessene finanzielle Beteiligung des Kreises. 165 Betreuungsplätze für Urberacher Kinder kann die Stadt nach den Sommerferien in Urberach anbieten. Sie springt für den ehrenamtlichen Förderverein der Schule an den Linden in die Bresche, der im Februar seinen Rückzug angekündigt hatte. Die Finanzierung aus kommunalen Kassen darf nach Ansicht von Reimund Butz (AL) aber nur eine Übergangsphase sein. Bis zum Beginn des Schuljahres 2016/17 greife der „Pakt für den Nachmittag“, mit dem Hessens schwarz-grüne Regierung die Entwicklung zur Ganztagsschule vorantreiben will.

Auch Rödermarks schwarz-grüne Mehrheit fordert eine „dauerhafte Lösung aus einem Guss“. Unter anderem soll der Magistrat prüfen, ob eine gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH) des Kreises die Schulkindbetreuung in Urberach übernimmt und eine Mensa mit Betreuungsmöglichkeit für mindestens 200 Kinder bauen. Die Kreis-gGmbH könne Träger der Betreuung in Urberach sein, müsse es aber nicht. Butz hält auch einen anderen Träger für denkbar - sofern er mindestens die gleichen fachlichen Qualifikationen hat. Der Kreis, so Butz’ Befürchtung, könnte die Kosten der gGmbH über eine höhere Umlage wieder auf die Kommunen abwälzen.

Für die SPD brachte Norbert Schultheis erneut die Arbeiterwohlfahrt als Träger ins Gespräch. Sozialdezernent Jörg Rotter favorisiert die gGmbH, weil dann Raumvergabe und pädagogisches Konzept in einer Hand wären. Trotzdem werde der Magistrat die Frage der Trägerschaft mit Blick auf die Folgekosten ergebnisoffen prüfen. Den Eltern sei die Konstruktion letztlich egal; für sie zähle allein, dass ihre Kinder einen Betreuungsplatz finden.

Lesepaten an Schule an den Linden

Vom Schuljahr 2016/17 sind die Urberacher Kinder in einem 1,275 Millionen Euro teuren Neubau mit Mensa, Speisesaal und zwei Betreuungsräumen daheim. Den muss die Stadt selbst bezahlen, denn der hoch verschuldete Kreis finanziert kein Betreuungsprojekt mehr, solange er noch unter dem Rettungsschirm des Landes steht. Trotzdem hat er bei der neuen Mensa ein Wörtchen mitzureden, denn sie wird ja auf seinem Gelände errichtet. Deshalb musste das Parlament über einen Nutzungsvertrag entscheiden.

„Der Kreis duckt sich bei den Kosten weg“, kritisierte der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger. Als Kreistagsabgeordneter hatte er den Baustopp allerdings mitgetragen. Als Stadtverordneter stört ihn jedoch eine Passage in der Vereinbarung: „Fast satirisch“ mute es an, dass der Kreis über eine Baukostenbeteiligung „bemüht“ sein könne, wenn er „aufgrund seiner Haushaltslage wieder Finanzierungsmittel für investive Maßnahmen einplanen könne“. Übersetzt heiße das nämlich nur: Auf die theoretisch möglichen 425.000 Euro kann die Stadt bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten. (lö)

Quelle: op-online.de

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