Deutsch-türkischer Freundschaftsverein

In 25 Jahren zu einer Institution geworden

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Wie könnte der 25. Geburtstag des Freundschaftsvereins besser umrahmt werden als von internationaler Musik?

Ober-Roden - Der Deutsch-Türkische Freundschaftsverein (DTF) ist im 25. Jahr seines Bestehens eine ebenso lebendige wie internationale Gemeinschaft. Das zeigte die Geburtstagsfeier im Foyer der Kulturhalle.

Im Februar 1990 in der Helene-Lange-Schule als „Türkischer Familienbund Rödermark“ gegründet, wollte er vor allem Kindern mit Migrationshintergrund gute Voraussetzungen schaffen. „Wenn wir hier leben wollen, müssen wir unsere Nachkommen gut ausbilden, dass sie in der Bildungsgesellschaft hier überleben können“, erinnert sich Hidir Karademir, Gründungs- und Vorstandsmitglied und nach dem inzwischen verstorbenen Senol Seker und Ahmet Turan Firat auch zeitweilig Vorsitzender des DTF. Der Verein stand vor einem Berg an Aufgaben. Denn er musste den in Rödermark heimisch gewordenen oder neu ankommenden Türken erst vermitteln, dass sie eine neue Sprache lernen, oder ihnen unbekannte Schulsysteme und Regierungsformen erklären.

1996 kam es zur Namensänderung in DTF, doch 2015 stellen sich neue Herausforderungen, wie Hidir Karademir erklärt: „Gerade diskutieren wir über eine erneute Namensänderung.“ Weitere Nationen möchten aufgenommen werden, doch DTF ist für Karademir eine Marke, eine Institution. 1993 wurde in Rödermark erstmals ein Ausländerbeirat gewählt. Ihm gehörten überwiegend Türken an; das Gremium wurde einer der erfolgreichsten Beiräte im Kreis. Bald schon wurde klar, dass es in Rödermark viele Vereine, aber darin kaum Ausländer gibt.

Dieses Potenzial galt es auszuschöpfen, weshalb sich der DTF mit den anderen Vereinen absprach und dank Stiftungsgeldern eine Studie über Ursachen und Auswirkungen der mangelnden Beteiligung von Ausländern in alteingesessenen Vereinen - von Fußballclubs einmal abgesehen - anstieß. Die Ergebnisse stimmten mit einer bundesweiten Studie überein. Hidir Karademir: „Wir haben die Absicht, ein aktiver, interessierter, verantwortlicher Teil dieser Gesellschaft zu sein, wir fühlen uns als Rödermark, als Hessen.“ Nur das Deutsch-Sein, das fällt noch schwer, weil es ein Blutsrecht ist. „Aber unser Ziel ist es, irgendwann zu sagen ‚Wir sind alle Deutsche’. Doch die Einheimischen müssen uns unterstützen und nicht wie einen Fremdkörper behandeln.“

In den vergangenen 25 Jahren schwankte die Mitgliederzahl zwischen 70 und 100; derzeit sind es 90, die sich für gegenseitiges Kennenlernen und für Freundschaft einsetzen, und das sind keineswegs nur Türken. Deutsche Mitglieder bringen vor allem Kindern und Müttern Sprache, Geschichte, Musik und vieles mehr bei; sie haben unter anderem im „SchillerHaus“ Treffpunkte für die Begegnung mit Menschen jeder Generation, jeden Glaubens und jeder Kultur geschaffen. Eine umfangreiche Film- und Fotopräsentation bestätigte das gute Miteinander beim Jubiläum, das noch ganz junge internationale Jugendorchester machte die Harmonie auch hörbar. Für die Zukunft hat Hatice Cavus, seit fünf Jahren Vorsitzende des DTF, eine optimistische Vision: „Was wünschen wir uns? Ich träume von Frieden und Gleichberechtigung. Und davon, dass der DTF in 25 Jahren genau so mitgliederstark wie MTV, TS oder KSV ist. Und davon, dass der DTF ein Vorbild für andere Menschen oder Vereine in Rödermark und in Deutschland sein wird.“

chz

Quelle: op-online.de

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