Änderung nicht in Sicht

Dreieichbahn bleibt Bummelzug

+
Fußgänger können schon seit Monaten mit der Dreieichbahn Schritt halten, wenn sie in den Urberacher Bahnhof ein- und wieder ausfährt.

Urberach - Die Züge der Dreieichbahn fahren vorm Bahnhof immer noch im Schritttempo. Stadt und Bahn suchen seit Wochen vergebens nach einer Lösung. Pendler, Autofahrer und Anwohner verlieren langsam die Geduld. Von Michael Löw 

„Das Schneckentempo und durch die damit verursachten Verspätungen Richtung Frankfurt lassen jeden Anschluss in Dreieich-Buchschlag zu einem Vabanque-Spiel werden lassen“, klagt Günther Meister über das Tempolimit für die Dreieichbahn. Die zuckelt schon seit Jahresbeginn mit maximal zehn Stundenkilometern in den Urberacher Bahnhof hinein und wieder hinaus. Ursache sind Rückstaus von Autofahrern, die trotz rotem Blinklicht von der Ober-Rodener Straße nach links in die Kurt-Schumacher-Straße abbiegen wollen und wegen des Gegenverkehrs auf dem Bahnübergang stehen bleiben. Die Bahn hat eine so genannte Langsamfahrstelle eingerichtet, damit ihre Lokführer rechtzeitig vor solchen Hindernissen bremsen können.

Dass das Tempolimit aus Richtung Ober-Roden schon etwa 300 Meter vor den Schranken beginnt, kann Anwohner Meister ein Stück weit nachvollziehen. Es gilt aber auch in umgekehrter Richtung, und darüber kann er nur den Kopf schütteln: „Der Bahnübergang befindet sich nur 50 Meter hinter dem Bahnsteig. Der Zugführer sieht bereits beim Losfahren, ob sich ein Auto auf den Gleisen befindet.“ Meister hält einen Warnhinweis an dieser Stelle für ausreichend, schließlich seien die Lokführer ausgebildete Fachkräfte. Sinnlos ist das Tempolimit seiner Ansicht nach auch außerhalb des Berufsverkehrs, denn frühmorgens oder abends habe er noch keine Rückstaus auf den Übergang beobachtet.

„Anwohner müssen unter lauten, aber langsamen Zügen leiden, Autofahrer müssen länger vor geschlossenen Schranken warten, was den Rückstau wieder vergrößert und noch mehr Anwohner betrifft, und Zugnutzer müssen weiter bangen, ob sie ihren Anschluss in Buchschlag bekommen“, fasst Günther Meister die Nachteile der Langsamfahrstelle zusammen. Die von der Bahn immer wieder geäußerte Meinung, das habe keine negativen Auswirkungen auf den Fahrplan, klinge jedem regelmäßige Zugnutzer wie Hohn in den Ohren. Meister: „Speziell, wer auf Fernbahnanschlüsse angewiesen ist, kann dieses Risiko praktisch nicht mehr eingehen und muss früher fahren.“ Davon seien täglich Hunderte von Reisenden betroffen.

Bus, Bahn und Tram - Metropolen im Test

Bus, Bahn und Tram -Metropolen im Test

Anwohner Meister hofft, dass die Kommunalpolitiker bei der Bahn Druck zugunsten ihrer Bürger machen. „Die Situation hat sich nicht verbessert, sondern erheblich verschlechtert“, sagte Bürgermeister Roland Kern vorigen Dienstag in seinen Mitteilungen an die Stadtverordnetenversammlung. Der für Verkehrsfragen zuständige Erste Stadtrat Jörg Rotter hatte Anfang Februar einen Ortstermin mit der Bahn angesetzt. Ziel: Das Eisenbahnbundesamt soll das Tempolimit zurücknehmen. Dauerhaft Abhilfe könnte ein mit der Schranke gekoppeltes Rotlicht vor der Einmündung der Kurt-Schumacher-Straße schaffen. Dann müssten Autos, die vom „Dalles“ kommen, an der weißen Haltelinie auch tatsächlich stehen bleiben, Linksabbieger kämen problemlos in die Kurt-Schumacher-Straße. Ein Hinweisschild „Bei Rot hier halten“ vor der Einmündung ist nach Ansicht der Stadt allenfalls eine Zwischenlösung.

Wie's weitergeht, will die Stadt jetzt mit dem Eisenbahnbundesamt verhandeln. Wie ernst das die Sache nimmt, zeigt sein Fehlen beim Ortstermin. Aber immerhin bekam Günther Meister von der Bonner Behörde Antwort auf seine Beschwerde: „Das Eisenbahnbundesamt prüft den Sachverhalt Ihrer Eingabe und wird Sie über das Ergebnis informieren. Hierzu bitte ich Sie um etwas Geduld.“

Holzfällarbeiten an der Dreieichbahn

Holzfällarbeiten an der Dreieichbahn

Quelle: op-online.de

Kommentare