Mit Paket-Zusteller auf Tour

Rund 230 Geschenke im Schlitten

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Bis zu 230 Päckchen und Pakete hat Gurjit Multani vor Weihnachten in seinem Transporter. In der Messenhäuser Straße freute sich Hildegard Schulz über die pünktliche Lieferung.

Rödermark - Der Weihnachtsmann fährt keinen Rentierschlitten, sondern einen gelben Iveco-Diesel. Und sein Bart ist nicht weiß und lang, sondern modisch-stoppelig und schwarz. Von Michael Löw 

Doch die Freude, die Gurjit Multani, in diesen Tagen manchmal zu spüren bekommt, könnte auch dem Weihnachtsmann entgegenschlagen. Aber in Zeiten des Onlinehandels bringt der Paketbote die Geschenke. Wir haben einen Zusteller kurz vorm Fest auf seiner Tour begleitet.

Gurjit Multani ist einer von drei Post-, pardon DHL-Fahrern, die täglich allein in Urberach unterwegs sind. Sieben weitere Kollegen sorgen dafür, dass auch in den anderen Stadtteilen die Gabentische gut bestückt sind. „Die Arbeit macht mir um diese Zeit besonders viel Spaß“, widerspricht Multani der weit verbreiteten Auffassung, Weihnachten sei für Paketzusteller Ausbeutung pur. Drei Gründe führt der 31-Jährige dafür ins Feld: Sein Arbeitgeber verkleinert im Dezember die Bezirke, an einer Adresse wird er oft mehrere Pakete los, und manche Leute warten offenbar hinterm Fenster, dass der gelbe Iveco vorfährt. Sie geben großzügig Trinkgeld, in Gurjit Multanis Hosentasche klingeln schon nach wenigen Häusern die ersten Euro-Münzen.

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Da hat er schon ein hartes Stück Arbeit hinter sich. Sein Dienst beginnt um 8 Uhr im Postfrachtzentrum Nieder-Roden. Dort „verwerfen“ die drei Urberacher Zusteller mehrere hundert Sendungen. Vom DHL-Deutsch ins normale Deutsch übersetzt: Aus neun Gittercontainern verteilen sie Weihnachtsgeschenke und Routinepost auf ihre Autos. Wobei das „Werfen“ im „Verwerfen“ durchaus ernst gemeint ist. Doch Profiversender wie Amazon und die meisten Privatkunden packen ausreichend Styroporkügelchen um den Inhalt. Da geht normalerweise nichts zu Bruch.

Gurjit Multani sortiert vor Weihnachten bis zu 230 Kartons in seinen Transporter. Die Regel sind 160 bis 180. Er weiß, wer gesund lebt und Bio-Orangen aus Spanien bestellt, wer von welchem Winzer liefern lässt und wer Kunde bei „Best Secret Fashion“ ist. Ein zartes Spitzenmuster auf dem Etikett lässt ahnen, was die geheimnisvolle Mode ist. Gegen 10 Uhr dieselt Multani Richtung Urberach, schon vorm Kino bringt er die ersten Päckchen zu seinen Kunden. Das Seewald-Gebiet ist sein persönliches Zustellparadies - wenig Verkehr und fast immer legale Parkplätze direkt vor der Haustür. Bevor er seiner Frau zuliebe nach Offenbach zog, arbeitete er in München: rund um den Marienplatz.

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Rund um die Messenhäuser Straße kennt der 31-Jährige jeden Winkel, jede Abkürzung und jeden Schleichweg. Wer außer ihm weiß schon, dass es eine durchgehende Parallelverbindung zwischen Sudeten- und Rudolf-Diesel-Straße gibt? Eingangstüren auf der Gebäuderückseite oder gar in der Seitenstraße? Alles gespeichert im Navi namens Gehirn. 20 Pakete pro Stunde gibt DHL den Fahrern in solchen Bezirken vor. „Ich schaffe 30!“, sagt Gurjit Multani und lässt dabei keine Hektik erkennen. Zügigen Schrittes geht er von seinem Auto zur Klingel, im Sauseschritt sieht man ihn auch vor Weihnachten nur ausnahmsweise. Neun von zehn Paketen wird er beim Empfänger oder in der Nachbarschaft los. Den übrigen Kunden steckt er die gelbe Karte mit dem Hinweis, dass ihre Sendung sieben Werktage in der Postfiliale am Festplatz lagert, in den Briefkasten. Wenn seine Zeit reicht, steuert er manche Adresse bei seiner Tour sogar ein zweites Mal an - ein Service, den die Leute besonders schätzen.

Fragt man Gurjit Multani nach besonderen Erlebnissen, muss er trotz vier Jahren Zustelldienst lange überlegen. Ein einziges Mal kam ein Hund wild kläffend auf ihn zugerannt: „Da bin ich wie eine Salzsäule stehen geblieben!“ Und weiter? Nichts weiter. Frauchen war auch gleich da und nahm den Hund am Halsband und das Paket in Empfang. Weder kleine noch große Hunde haben ihm wirklich einen Schreck eingejagt. Das schafften nur allzu modegierige Frauen. „Als ich die ersten Zalando-Päckchen auslieferte, schrieen die Frauen wirklich fast so hysterisch wie in der Reklame. Da bin ich erschrocken!“

Quelle: op-online.de

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