Urberacher Eltern fordern mehr Schulkindbetreuung

Den Hortplatzklau stoppen

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Die Übergabe der 227 Unterschriften, die die Initiative „Hortplatzklau in Urberach“ gesammelt hatte, war fast schon eine Demonstration der Einigkeit. Landrat Oliver Quilling und Erster Stadtrat Jörg Rotter versicherten den Eltern mehrfach ihre Unterstützung, betonten aber auch diverse Unwägbarkeiten.

Urberach - Eltern sorgen sich um die Betreuung an der Schule an den Linden. Sie befürchten, dass nach den Sommerferien mindestens 50 Erst- und Zweitklässler keinen Platz finden. Gestern übergaben sie 227 Unterschriften an Landrat Oliver Quilling. Von Michael Löw 

Als langfristige Lösung hat die Stadtverordnetenversammlung den Bau eines 1,3 Millionen Euro teuren Betreuungsgebäudes beschlossen. Ein Bericht unserer Zeitung hatte Urberacher Eltern Mitte Februar aufgeschreckt: Der Förderverein der Schule an den Linden gibt die Betreuung auf, weil diese Aufgabe von ehrenamtlichen Vorständen nicht mehr zu bewältigen ist. Außerdem hat der ständige Streit um Räume den Verein zermürbt. Die Folge: Die Zahl der Betreuungsplätze sinkt von 130 auf 90, Schulanfänger können nicht mehr aufgenommen werden.

Zwischen 50 und 60 Kinder stehen nach den Sommerferien quasi auf der Straße, schätzt Ramona Rippert. Mit Peter Zelinger und Andreas Einbock rief sie die Initiative „Hortplatzklau in Urberach“ ins Leben und legte Unterschriftenlisten aus. 227 Eltern stehen mit ihrem Namen zum Erhalt beziehungsweise zum Ausbau der Betreuung an der Urberacher Grundschule. Gestern Mittag übergab die Initiative die Listen an Landrat Oliver Quilling und den Ersten Stadtrat Jörg Rotter.

Die Eltern wollen Taten sehen

Politiker würden ständig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie propagieren, jetzt wollen Eltern Taten sehen, nahm Zelinger die beiden in die Pflicht. Nur weil an der Schule an den Linden zwei Räume fehlen, würden Erstklässler keine Betreuungsplätze mehr bekommen. Das sei pädagogisch ein falsches Signal und verbaue Eltern den Weg zurück in den Beruf. „Hortplatzklau“ fordert vom Kreis, dem Schulträger, ein langfristiges Raumkonzept als Steuerungsinstrument. Schnelle Abhilfe soll ein Provisorium schaffen: „Das kann doch kein Hexenwerk sein!“

Landrat Quilling machte deutlich, dass der Kreis grundsätzlich alle Schulräume für die Betreuung zur Verfügung stellt, betonte aber: „Der Schulbetrieb geht vor, und Hausherr ist der Schulleiter. Der muss mitspielen.“ Quilling machte keinen Hehl daraus, „dass das in Urberach nicht so gut funktioniert“. Aber auch solchen Rektoren gegenüber habe der Kreis keine Weisungsbefugnis. Der Landrat will die Betreuung an den Grundschulen professionalisieren und schlägt dem Kreistag die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft für diese Aufgabe vor. Der Kreistag soll möglichst am 13. Mai darüber entscheiden. Doch die Koalition aus CDU und SPD diskutiert noch über viele Details, vermutlich wird erst im Juli abgestimmt.

„Die Organisationsform muss Ihre geringste Sorge sein“, beruhigte Stadtrat Rotter - für sein Engagement in Sachen Betreuung gestern mehrfach gelobt - und versprach: „Wir wollen allen, die einen Platz brauchen, auch einen anbieten.“ 10 bis 15 Plätze will er bei Tageseltern schaffen, den Rest in städtischen Räumen. Welche das sind, wollte er nicht sagen. Er schloss aber sowohl den benachbarten Hort in der Pestalozzistraße als auch Container auf dem Schulhof aus.

Letztere würden den Bau einer Mensa, den CDU und AL am Dienstagabend im Stadtparlament beschlossen hatten, behindern. 1,2 Millionen Euro frisch bewilligtes Geld plus 160.000 Euro an Resten sollen die Betreuung zukunftsfähig machen. Im Klartext: Es soll mehr als die 130 Plätze geben, die der Förderverein derzeit anbieten kann. Um Zeit zu sparen, greift Rotter auf die Raumkonzepte anderer Mensen im Kreis zurück. Geht es nach ihm, könnte der Neubau zum Beginn des Schuljahres 2016/17 fertig sein.

Quelle: op-online.de

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