Urkunden an 20 neue Ehrenamtler in Urberach

Eltern- und Sprachlotsinnen bauen Brücken zwischen den Nationen

Rödermark - Elternlotsinnen bauen Brücken zwischen den Kulturen. Die Frauen mit Migrationshintergrund vermitteln zwischen Eltern verschiedener Nationalitäten und zum Beispiel Kitas oder Ämtern. Und sie helfen beim Spracherwerb – einer Grundvoraussetzung zur Integration. Gestern wurden neue Lotsinnen nach ihrer Ausbildung zertifiziert.

Die Qualifizierung der Sprach- und Elternlotsinnen und -lotsen umfasste insgesamt 48 Stunden. Neben der reinen Theorie hatte natürlich die Praxis Priorität. Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (links) und Bürgermeister Roland Kern (Siebter von rechts) überreichten die Zertifikate.

20 neue Eltern- und Sprachlotsinnen sind im „SchillerHaus“ in Urberach gefeiert und mit Urkunden bedacht worden. Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger und Rödermarks Bürgermeister Roland Kern überreichten die Zertifikate und beglückwünschten die frischgebackenen Lotsinnen. Kern hob in seiner kurzen Ansprache hervor, dass bei der Arbeit der Frauen verschiedener Nationalitäten die direkte Ansprache sehr wichtig sei: „Der Kontakt von Mensch zu Mensch ist das Beste.“ Der Bürgermeister dankte für das große Engagement, das „dem Zusammenleben im Kreis und in unserer Stadt sehr förderlich ist“. Claudia Jäger lobte, alle Projektbeteiligten ließen einander an der Kultur des jeweils anderen teilnehmen. „So werden alle mehr und mehr heimisch.“ Die Erste Kreisbeigeordnete stellte heraus, wie wichtig der Spracherwerb auf dem Weg der Integration sei. Dazu leisteten die Lotsinnen einen wichtigen Beitrag. Aus dem seit Jahren etablierten Projekt sei ein Netzwerk entstanden, das auch in der aktuellen Flüchtlingsproblematik unschätzbar wertvolle Dienste leiste. „Deshalb haben wir hier im Landkreis zum Glück keine Vorfälle wie leider in Ostdeutschland.“

Die Qualifizierung von Elternlotsinnen hat im Landkreis Offenbach Tradition. Seit 2010 werden sie in verschiedenen Kommunen mit Unterstützung des Integrationsbüros des Kreises ausgebildet. „Die Lotsinnen tragen dazu bei, dass Erkenntnisse und Kompetenzen der Eltern rund um Erziehung und Bildung gestärkt werden und sie sich als Partner innerhalb der Kindertagesstätten und Schule sehen“, erläuterte Jäger.

Acht der Mütter unterschiedlicher nationaler Herkunft und ein Vater haben an der Qualifikation zur Elternlotsin beziehungsweise zum Elternlotsen teilgenommen, um künftig zwischen Eltern und Kindertagesstätte oder Schule zu vermitteln, zu übersetzen und eine Multiplikatorinnenfunktion zu übernehmen. Elterncafés, Angebote wie das Vorlesen in der Muttersprache oder Nähkreise organisieren die Elternlotsinnen und binden Mütter wie Väter ein. Erstmalig wurde ein Mann als Elternlotse zertifiziert, der in der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule tätig sein wird.

Über die Zertifikate freuten sich Songül Hofmann, Dikna Goffm, Christian Klein-Wolf, Dr. Elke Wolf, Suha Mousa, Nesreen Kabaha, Naciye Ates, Celia Hsin Chen und Fatima Bushra Ghulam, die Eltern auch mit ihren Sprachkenntnissen in Türkisch, Arabisch, Französisch, Englisch, Niederländisch, Mandarin-Chinesisch und Urdu unterstützen können.

Zum zweiten Mal wurden Sprachlotsinnen und erstmalig ein Sprachlotse zertifiziert. Zehn Frauen und ein Mann werden Migranten, die der deutschen Sprache noch nicht so mächtig sind, Hilfe bei Behördengängen und Arztbesuchen leisten oder auch Dokumente übersetzen. Wer Übersetzunghilfe braucht, erreicht die Lotsen unter 0176/65201702.

Qualifizierung umfasst 48 Stunden

Über das Zertifikat als Sprachlotsin beziehungsweise Sprachlotse freuten sich Saadat Ojfard, Zahra Nasrollahzade und Fatameh Tamanna, die aus dem Persischen übersetzen, Parwin Arghandiwal (Afghanisch), Horst Lubitz der als Übersetzer aus dem Englischen tätig sein wird, wie auch Rhiannan Beswick, die außerdem noch Französisch und Russisch spricht, und Hanife Kanlioglu, Nigar Bayrak, Filiz Gümüs, Sevim Gümüs und Melek Taskin, die aus dem Türkischen übersetzen können.

Die Qualifizierung der Sprach- und Elternlotsinnen und -lotsen umfasste insgesamt 48 Stunden. Neben der reinen Theorie hatte natürlich die Praxis Priorität. So haben die Elternlotsinnen und -lotsen bereits in mehreren Kitas, Familienzentren und Schulen hospitiert, die Sprachlotsinnen waren in die Café-Treffs im „SchillerHaus“ eingebunden. Unterstützt werden sie von der Integrationsbeauftragten der Stadt Rödermark, Ulrike Vierheller.

Zu den vielfältigen Qualifizierungsmaßnahmen gehörten Informationen über die kindlichen Entwicklungsphasen, über Erziehung, das Bildungssystem in Deutschland, Fragen rund um das Thema Gesundheit wurden behandelt, es gab Informationen zu Mutter-Kind-Kuren und Beratungsstellen. Auch Integration, Inklusion, Feste im Jahreskreis und Themen wie Schweigepflicht, Kommunikation und Krisenintervention standen auf dem Programm.

Die Sprachlotsinnen erhielten eine ausführliche Einführung in die zweisprachige Begleitung, umfassende Informationen über das deutsche Gesundheitssystem, Krankheitsbilder und Fachbegriffe. Sie hospitierten in unterschiedlichen Projekten der Stadt Rödermark.

„Es wäre schön, wenn sich künftig noch mehr Männer als Lotsen zur Verfügung stellen würden“, sagte Ulrike Vierheller. Eine neue Ausbildung beginnt am 17. September. Dafür wird schon eine Warteliste geführt.

bp

Quelle: op-online.de

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