Warnstreik trifft acht Kitas

Erzieherinnen gehen auf die Straße

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Die streikenden Erzieherinnen und ihre Kollegen aus anderen sozialen Berufen trugen ihren Protest auch auf die Straße. Sie zogen von der Kulturhalle zum Marktplatz, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Heute verhandeln öffentliche Arbeitgeber und die Gewerkschaft Verdi über neue Tarifverträge.

Ober-Roden - Rund 250 Erzieherinnen, Erzieher und Vertreter anderer sozialer Berufe aus dem gesamten Kreis Offenbach haben gestern für bessere Arbeitsbedingungen und die Einstufung in höhere Besoldungsgruppen demonstriert. Von Michael Löw

Auch acht der zehn Rödermärker Kitas wurden bestreikt, die Stadt hatte einen Notdienst eingerichtet. Der hatte aber nur Platz für 20 Kinder. Die Kulturhalle war gestern Streiklokal und Kreativwerkstatt für etwa 250 Beschäftigte aus Sozialberufen - überwiegend Erzieherinnen und Erzieher -, die sich am Warnstreik beteiligt hatten, mit dem die Gewerkschaft Verdi den Druck auf die öffentlichen Arbeitgeber erhöhen will. In Hessen streikten 4 000 Kollegen, denn heute steht in Düsseldorf die nächste Runde der Tarifverhandlungen an. Verdi fordert, dass Erzieherinnen grundsätzlich mindestens nach der Besoldungsstufe S 10 bezahlt werden. Für andere soziale Berufe wie in der Jugendarbeit sollen die Besoldungsstufen S 13 bis S 15 gelten.

Vor der Demo hatten die Erzieherinnen Kreativität walten lassen und Transparente oder Streikwesten verziert.

Rödermark hat die 140 Erzieherinnen in den städtischen Kindergärten Anfang des Jahres von S 6 auf S 8 hoch gruppiert. Damit will der Magistrat die kommunalen Kitas zu attraktiven Arbeitsplätzen machen und die steigenden pädagogischen Anforderungen im Erziehungs- und Sozialdienst anerkennen. „Die Stadt sorgt schon für gute Arbeitsbedingungen für uns Erzieherinnen“, sagt Birgit Geyer, die Leiterin der Tagesstätte Potsdamer Straße. „Aber Erzieherinnen backen kann sie halt nicht!“ Der Personalmangel ist ihrer Ansicht nach das größte Problem. In ihrer Einrichtung muss sie den Ausfall von drei schwangeren Erzieherinnen verkraften, grundsätzlich kann die Stadt offene Stellen nicht oder nur schwer besetzen. Nach Auskunft von Sozialdezernent Jörg Rotter sind derzeit sechs Stellen frei. Problem Nummer zwei sind die langen Öffnungszeiten, die immer mehr Schichtdienste erfordern.

Wegen des Warnstreiks blieben acht der zehn städtischen Kitas geschlossen. Einen Notdienst gab es nur in den Einrichtungen Am Motzenbruch und Lessingstraße. Da war aber nur Platz für jeweils zehn Kinder. Rödermark hat rund 600 Kindergartenplätze. Die wenigen Notplätze wurden nach persönlichen Gesprächen mit den Eltern vergeben, erläuterte Personalratsvorsitzender Kurt Vollmer im Gespräch mit unserer Zeitung. Damit sollte sichergestellt werden, dass Eltern wirklich keine andere Möglichkeit hatten, ihre Kinder zu betreuen. Die Reaktionen seien überwiegend positiv gewesen. Viele Eltern, so Vollmer, hätten sich sogar in Listen eingetragen, mit denen sie die Forderungen der Streikenden unterstützen.

Bilder vom bundesweiten Warnstreik (Archiv)

Bilder vom bundesweiten Warnstreik

Sozialdezernent Rotter wollte die Gewerkschaftsforderungen nicht im Detail kommentieren. Er wies darauf hin, dass die Stadt mit der - dem Personalmangel geschuldeten - Höhergruppierung auf S 8 den Erzieherinnen weit entgegengekommen sei. Das koste die Schutzschirmkommune jährlich 200.000 Euro mehr. Um dies zu finanzieren, erhöht sie die Kita-Gebühren bis 2019 jedes Jahr um drei Prozent. Dieser „Pakt mit den Eltern“ zeigt nach Ansicht des Ersten Stadtrats, dass die Arbeit in den Kitas von allen Betroffenen gewürdigt werde. Bürgermeister Roland Kern hatte die Streikenden gestern Morgen begrüßt: Er freue sich, dass Verdi die Kulturhalle gemietet hatte. Doch angesichts täglicher Betriebs- und Leasingkosten von 5 000 Euro sei der Beitrag der Gewerkschaft verschwindend gering. Damit wolle er den Erzieherinnen kein schlechtes Gewissen einreden: „Ich möchte Ihnen nur einen kleinen Hinweis auf die Beschaffenheit der öffentlichen Kassen geben.“

Quelle: op-online.de

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