Waldkauz und Eule flattern im Saal statt im Freien

Eulen zu Besuch im Seniorenpark

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„Charlie Brown“ heißt die geduldige Eule, mit der Gisela Becker im Seniorenpark viel Freude ausgelöst hat.

Ober-Roden - Das gab’s im Seniorenpark Odenweller im Ober-Röder Industriegebiet noch nie: Ein Falkner besuchte die Bewohner mit zwei Greifvögel. Leider mussten alle wegen schlechten Wetters dazu ins Café des Hauses ausweichen.

Eulenplakate vor der Tür, Eulenservietten auf den Tischen, selbst auf dem T-Shirt von Rita Gotthold, Leiterin Soziale Dienste im Seniorenpark, prangte ein Foto von den beliebten Vögeln. Im Mittelpunkt des geselligen Familiennachmittags für die 41 Bewohner und ihre Angehörigen aber standen ein Wanderfalke und ein Waldkauz und ihre „Familie“, Werner und Gisela Becker. Werner Becker ist Falkner in Amorbach, wo seine Greifvögel zum freien Flug abgerichtet sind. Sein Interesse an Greifvögeln besteht schon seit 45 Jahren, als alles mit einem Bussard anfing. Inzwischen sind Wanderfalken, Uhus, Waldkäuze und Habichte seine Freunde.

Nachdem ihm schon immer kranke oder verletzte Vögel gebracht wurden, die er gesund gepflegt und dann wieder in die Freiheit geschickt hatte, wurde auf seine Anregung hin vom Landesbund für Vogelschutz eine Greifvogelauffang- und Pflegestation in Erlenbach am Main gegründet. Jetzt waren er und seine gefiederten Freunde allerdings zu Gast in Ober-Roden. Frei fliegen durften die Vögel dort nicht. Was so schön im großen waldnahen Garten des Seniorenparks geplant war, musste witterungsbedingt ins Café verlegt werden, wo sich die Bewohner reckten und streckten, um alles sehen zu können, die gespielten Eulenlieder lebhaft mitsangen, sich in ihren Rollstühlen und auf ihren Plätzen wie gleitende Greifvögel bewegten und eifrig mitklatschten. Werner Becker erzählte dazwischen von der Eule „Charlie Brown“ und von seinem Waldkauz. Die Gäste erfuhren, dass ein Falkenauge alles achtfach vergrößert. Der Vogel müsse auf der Beiz, der Jagd, deshalb vor zu vielen Einflüssen geschützt werden. Informationen gab es auch zur Nahrungsaufnahme, der Atzung, von der Jagd und der „Bell“, dem Glöckchen am Fuß des Falken.

Die beiden Vögel verhielten sich derweil angemessen würde- und respektvoll vor so viele Lebensjahren um sich herum. Nur ab und zu spannten sie ihre Flügel einmal aus und hinterließen dabei meist etwas erschreckte Zuschauer. Doch die Vorstellung des Falkners war eine willkommene Abwechslung im Seniorenalltag. Die Parkbewohner sind das Leben mit Tieren gewöhnt. So nah am Wald beheimatet, haben sie ständig Besuch, zudem leben sie im Haus mit Kater Hemingway und Katze Minky und haben vier Gänse im Garten. Alle Greifvögel von Werner Becker lassen sich buchen – für Events, Seniorentreffen, Kindergeburtstage, Familienfeiern oder andere Veranstaltungen. Aber das Paar reist auch in Kindergärten oder Schulen, um den Kindern die Greifvögel näher zu bringen – preiswert und weitgehend auf Spendenbasis.

Quelle: op-online.de

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