Michael Gotta verlässt mit seinem Geschäft den Ortskern

Fahrrad-Institution in Ober-Roden schließt

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Das alteingesessene Fahrradgeschäft der Familie Gotta gibt’s in wenigen Wochen nicht mehr.

Ober-Roden - Wieder verlässt ein alteingesessenes Fachgeschäft den Ortskern. Das Fahrrad-Geschäft von Michael Gotta in der Heitkämerstraße schließt zum 31. März. Der Onlinehandel und die Konkurrenz großer Anbieter hatten es Gotta zuletzt immer schwerer gemacht.

Mit Fahrrad-Gotta geht ein Stück Alt Ober-Roden verloren. Allerdings nicht ganz. Denn der Radexperte zieht um und konzentriert sich dann ganz aufs Reparieren. „Wir ziehen von der großen katholischen zur kleinen evangelischen Kirche“, sagt Gotta schmunzelnd und verweist auf das Elternhaus seiner Frau Liane, geborene Jäger, in der Rathenaustraße 6. Dort wird er, sobald er die Zeit zum Renovieren und Vorbereiten gefunden hat, seine Reparaturwerkstatt aufrecht erhalten – samstags und in den frühen Abendstunden voraussichtlich.

Tagsüber arbeitet er mittlerweile „außer Haus“ als Servicemitarbeiter der Bad Camberger Firma Speed Liner, einem Hersteller für Transport- und Lastenräder. „Ich habe die Ausschreibung der Stelle gelesen, mich gemeldet, und am nächsten Tag hatte ich den Job, und der macht richtig Spaß.“

Spaß hatte er in letzter Zeit in seinem Laden nicht mehr gehabt, obwohl alles rund ums Fahrrad ja sein Leben ist: „Da kamen zwar immer ein paar Kunden vorbei, haben sich informiert, versprochen darüber nachzudenken – und dann sah man sie nie wieder. Höchstens mit einem ähnlichen Rad später vorbeifahren.“ Der Online-Handel und die großen Fachgeschäfte machten es dem Fahrradfachmann schwer. Der Verkauf mitten im Ort lohnt nicht mehr, das ständige Herumstehen und Warten auf Kunden ist Zeitverschwendung und bringt Verdruss.

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Mittlerweile ist auch Liane Gotta tagsüber in der Schulkinder-Betreuung beschäftigt. Als Übergang ist der Laden mit seinen vielen Schnäppchen und preisreduzierten Fahrrad-Bedarfsartikeln in diesem Monat noch im Räumungsverkauf geöffnet. Aber ab 1. April – und das ist kein schlechter Aprilscherz – ist das Fahrradhaus Gotta Geschichte.

Dabei hat der Laden im Herzens Ober-Rodens eine lange Tradition. Der Großvater von Michael (57) war einer von drei Brüdern: Adam, Gerhard und Willi Gotta. Einer ging nach Eppertshausen, einer eröffnete einen Installationsbetrieb und der dritte gründete das Autohaus Gotta. Willi Gotta hatte einen Sohn Wilhelm, der den Fahrradladen ins Leben rief – der Vater von Michael. Das Haus, das nun zum Verkauf steht, stammt noch aus der Zeit um 1720, die Anbauten im Hof aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

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„Wir selbst haben den Laden vor 27 Jahren von meinem Vater übernommen“, rechnet der „Fahrradfachmann aus Leidenschaft“ zurück. Doch nun ist für ihn der Zeitpunkt gekommen das aufzugeben. „Vor allem immer nach den großen Messen haben wir uns überlegt, was wir alles ändern oder neu dazu nehmen können, um up to date zu bleiben, aber es lohnt sich einfach nicht mehr“, bedauert auch Liane Gotta und rechnet vor: „Wir müssten im Prinzip dauernd rund 30 bis 40 verschiedene, teure E-Bikes als Grundstock im Programm haben – das ist nicht zu finanzieren bei diesen Umsätzen hier.“

Und ihr Mann erinnert sich: „Letztes Jahr, als ich durch meinen Gipsarm körperlich so eingeschränkt war, habe ich angefangen zu überlegen, und nach der Messe stand es dann für uns fest: wir schließen.“ Ein Verlust für viele Rödermärker, denn ganze Generationen von ihnen sind schon als Kinder nach der Schule noch „schnell beim Gotta vorbei“ und haben sich ihren Achter aus dem Rad biegen lassen.

chz

Quelle: op-online.de

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