Staatsanwaltschaft kann Schwindler nicht stoppen

Falscher Spendensammler schon seit Jahren unterwegs

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Rödermark - Ein Schwindler gibt schon seit Jahren vor, Spenden für „Die MosaikSteine“, die Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose (MS), zu sammeln. Der Mann ist der Staatsanwaltschaft nach zwei Anzeigen bekannt. Doch das hält ihn nicht davon ab, immer wieder auf Mitleidstour zu gehen und Gutgläubigen ein paar Euro abzuknöpfen. Von Michael Löw 

Rödermark, Weiskirchen, Dietzenbach und zuletzt Obertshausen: Ein mutmaßlicher Betrüger zieht den Leuten immer wieder Geld aus der Tasche. „Ich sammele für die MS-Selbsthilfegruppe Die MosaikSteine“, lügt er sie an. Kurz vor Weihnachten hatte er mit dieser Masche zweimal in Obertshausen Erfolg. „Wir vermuten aber, dass die Dunkelziffer viel höher ist. Bei uns melden sich ja nur die Leute, die uns kennen“, sagt Hubert Kleinwächter vom Vorstand der Rödermärker Multiple Sklerose-Initiative. Und stellt auch gleich klar: „Wir dürfen und können nicht auf der Straße oder an der Haustür sammeln!“

Der Schwindler missbraucht den Namen der „MosaikSteine“ schon seit Jahren - und ist bekannt. „Der marschiert offenbar immer dann los, wenn er klamm ist“, hat Kleinwächter ein sich wiederholendes Muster beobachtet. Die MS-Gruppe weiß sogar, wie der Plagegeist heißt. Doch namentlich darf und will sie ihn nicht an den Pranger stellen. Als Warnung liefert Kleinwächter eine detaillierte Personenbeschreibung: 49 Jahre halt, knapp 1,80 Meter groß, schlank. Er hinkt auffällig - wahrscheinlich nehmen ihm die Geprellten deshalb ab, dass er für MS-Kranke sammelt

2008 zeigten die „MosaikSteine“ ihn zum ersten Mal an, im März 2012 folgte Anzeige Nummer zwei. Die Rodgauer Ordnungspolizei hat ihn in Weiskirchen vor Jahren einmal ertappt, doch eine Verwarnung war die einzige Konsequenz. Auf die erste Anzeige hat die Staatsanwaltschaft nicht reagiert, 2012 teilte sie der Selbsthilfegruppe mit, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. „Aber danach haben wir nichts mehr gehört“, bedauert Initiativensprecherin Silke Buchenau. Sie nimmt an, dass die Schadenshöhe zu niedrig ist.

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Doch auch wenn jeder Einzelne dem Schwindler nur zwei oder fünf Euro in die Hand drückt: Nach Ansicht von Hubert Kleinwächter werden die Leute eindeutig betrogen. Der Vorstand befürchtet zum einen, dass der falsche Spendensammler „Die MosaikSteine“ in ein schlechtes Licht rückt. Zum anderen ist er so gut wie sicher, dass die MS-Initiative nicht sein einziges Opfer ist: Wer heute vorgibt, für Menschen mit Multipler Sklerose zu sammeln, tut’s morgen für Krebspatienten und übermorgen für Behinderte.

Quelle: op-online.de

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