Feuerwehrchef spricht Klartext

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Erster Stadtrat Jörg Rotter dankte der Führung der Ober-Röder Feuerwehr für ihre Arbeit.

Ober-Roden - Die vorgeschriebene Hilfsfrist nicht einhalten können oder die eigenen Leute einem höheren Risiko aussetzen? Wenn tagsüber der Piepser Alarm schlägt, haben die Einsatzleiter der Feuerwehr oft nur die Wahl zwischen zwei unbefriedigenden Alternativen.

Von 8 bis 18 Uhr fehlen ihnen die Leute. Die Personalsituation war einer der Punkte, die Wehrführer Marcel Kuegler bei der Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Roden ohne Beschönigung ansprach. Dabei sieht die Statistik auf den ersten Blick gut aus. Von den 158 Mitgliedern gehören 88 der Einsatzabteilung, 17 der Alters- und Ehrenabteilung, 29 der Jugend- und 24 der Kinderfeuerwehr an. Die Zahlen im Nachwuchsbereich sind durch Übernahmen in die nächst „höheren“ Abteilungen leicht gesunken; die Zahl der Einsatzkräfte dadurch leicht gestiegen. Ein großes Problem der Ober-Röder Wehr ist nach Auskunft Kueglers die Tagesalarmstärke. Rund die Hälfe aller Einsätze passieren, wenn seine Leute arbeiten. Werktags stehen theoretisch 22 Männer und Frauen bereit, die im Ort beschäftigt sind. Selbst bei einer guten Alarmierungsquote können in den ersten zehn Minuten nur neun bis elf Helfer aufrücken.

„Bei kritischen Einsätzen rückt das erste Fahrzeug nicht voll besetzt aus, oder es fehlen Atemschutzträger“, schreibt Kuegler in seinem Jahresbericht. Die Fahrzeugführer gehen dieses Risiko ein, damit die Hilfsfristen eingehalten werden. Jedoch bedeutet jeder fehlende Atemschutzträger eine fehlende Sicherheit für die anderen Feuerwehrleute. Im Vergleich zum Vorjahr fehlen drei Schüler mit Atemschutzausbildung. Seit dem 28.  November sind drei von vier hauptamtlichen Kräften nur noch bedingt einsatzbereit. Aber es gibt auch einen Lichtblick. Erster Stadtrat Jörg Rotter hat drei auswärtige Feuerwehrmänner, die bei der Stadt beschäftigt sind, für den Einsatzdienst gewonnen. Die Ober-Röder Wehr hatte im vorigen Jahr 207 Einsätze, darunter 37 für überörtliche Hilfe: Sie löschte 61 Feuer, darunter fünf Großbrände, und leiste 133 Mal technische Hilfe. 13 Fehlalarme kosteten Zeit, Geld und Nerven.

Ganz unterschiedlich waren wetterbedingt die täglichen Durchschnitts-Einsatzzahlen. Ein heftiges Gewitter am 11. Juli bescherte den Helfern einen Negativrekord von 24 Einsätzen. Sie summierten sich auf 5 440 Arbeitsstunden. Zusammen mit Ausbildung, Betreuung der Atemschutzstrecke, Lehrgängen und Dienstabenden fielen 10 891 Stunden an, deutlich mehr als im Vorjahr (7285). „Da der Begriff ‚freiwillig’ im politischen Sprachgebrauch sehr beansprucht wird, sei erwähnt, dass die geleisteten 10 891 Stunden ohne finanzielle Gegenleistung erfolgten“, betonte Kuegler, und fragte, was die Feuerwehr eigentlich vom freiwilligen Polizeidienst unterscheidet, der zumindest eine Aufwandsentschädigung bekommt. „Leider muss die Feuerwehr dem Bürger jetzt erklären, dass ihr Dienst ein unbezahltes Ehrenamt ist.“

Großbrand in Ober-Roden: Häuser in Flammen

Großbrand: Häuser in Flammen

Besondere Einsätze waren ein Unfall zwischen einem Bus mit Behinderten und einem Pkw, der neun Verletzte forderte. Im Februar halfen nach Unwettern in Slowenien auch Rödermärker Wehrleute drei Wochen lang beim Aufbau einer Notstromversorgung. Im August fingen Feuerwehrleute eine Schlange und brachten sie zu einer Tierauffangstation. Ein Wintergartenbrand forderte vollen Einsatz, ebenso die Hilfe bei Großbränden in Neu-Isenburg und Dietzenbach. Marcel Kuegler beklagte auch Mängel in der Feuerwache. Defizite gebe es bei den Umkleiden der Kinderfeuerwehr und der Damen sowie bei der Schwarz-Weiß-Trennung. Seit Oktober 2010 sind diese Mängel bekannt; 2014 wurden sie der Stadtverordneten vorgetragen und erläutert. Die Parlament beschloss daraufhin Abhilfe; ein zeitlicher Rahmen zur Lösung der Probleme ist noch nicht absehbar. Die Feuerwehr erwartet hierzu eine zuverlässige Zusage von der Politik.

Bürgermeister Roland Kern sagte am Dienstagabend im Stadtparlament, dass eine neue Wache frühestens 2020 finanzierbar sei. Kleinere Dinge werde die Stadt aber schon eher angehen. Immerhin wurde der Ober-Röder Wehr ein neues Fahrzeugs genehmigt; die Auftragserteilung steht an. Kuegler und seine Kollegen fordern zudem Ersatz für einen 35 Jahre alten Gerätewagen; die Fahrer- und Beifahrer-Sicherheit entspreche dem Stand von 1980. Der Dank des Wehrführers galt allen Helfern und Unterstützern, die freiwillig ihre Freizeit in den Dienst für die Gemeinschaft stellen, ebenso seinem scheidenden Stellvertreter Franz Keck. Für ihn wurde Thomas Braun gewählt. „Zudem gilt mein Dank den Ausbildern und Betreuern bei der Kinder- und Jugendfeuerwehr. Sie garantieren den Nachwuchs in der Einsatzabteilung“, sagte Kuegler. (chz/lö)

Quelle: op-online.de

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