Künftige Sammelunterkünfte

Flüchtlinge in Ober-Roden: Spartanisch eingerichtet

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Wie leben die Flüchtlinge? Die Besucher bekamen einen Einblick in die Ausstattung der Wohnungen.

Ober-Roden - Großes Interesse bestand am Samstag nicht nur bei Nachbarn an der Führung durch die künftigen Sammelunterkünfte für Flüchtlinge in der Odenwaldstraße 66 und 66a. Von Christine Ziesecke

Mit Vertretern der Stadt, welche die Häuser angemietet hat, öffnete Roger Frank die Türen zur ehemaligen Polizeiwache und deren Nachbarhaus, die in großer Eile wohntauglich gemacht wurden. Helle Räume, freundliche Kontrastfarben, neue Bäder, hygienische Metallbetten, abschließbare Schränke mit eingebauten Wertfächern, eine einfache, aber funktionale Küche wirken einladend. Bis auf in den nächsten Tagen gelieferte Rauchmelder, Tische und Stühle und andere Kleinigkeiten sind die ersten Räume bezugsfertig. Neun Einzel- und zwei Doppelzimmer, dazu zwei Wohnungen im einen Haus, zehn weitere Wohnungen im alten Polizeigebäude, die derzeit noch renoviert werden.

Großes Interesse bestand nicht nur bei Nachbarn an der Führung durch die künftigen Sammelunterkünfte für Flüchtlinge.

Auf dem Gelände hinter den beiden Häusern in Richtung der Bahnlinie, das derzeit von alten Rückständen frei gemacht wurde, sollen wohl in einer Halle Hausmeisterräume, dringend benötigte Gemeinschaftsräume sowie Büros für die Mitarbeiter des „Netzwerk Integration“ und die ehrenamtlichen Helfer etwa des „Freundeskreises für Flüchtlinge in Rödermark“ entstehen. Was sehr einladend klingt, ist dennoch kein Luxus – es ist die spartanische Einrichtung, die für eine im Schnitt bis zu zweijährige oder – nach der geplanten schnelleren Bearbeitung der Anträge – vielleicht auch ganz kurzzeitige Unterbringung und damit häufige Fluktuation notwendig ist. Dass das Zusammenleben möglichst reibungslos klappt, dafür sorgt Brigitte Putz-Weller.

Als langjährige Mitarbeiterin des Kreises in der Flüchtlingsarbeit hat sie mit Roger Frank die Konstellation der Zimmer zusammengestellt und versucht jetzt, die Aufteilung für die kommenden Flüchtlinge in all ihrer sprachlichen und zwischenmenschlichen Vielfalt zu arrangieren. „Wir hoffen für die beiden Wohnungen auf zwei größere Familien, aber wir haben keinerlei Einfluss“, erklärt sie. Im April wird ein seit vielen Jahren in der Flüchtlingshilfe arbeitender Sozialarbeiter aus Dietzenbach als Kollege für die Ober-Röder Unterkünfte dazu kommen; dann kann sie sich wieder mehr um die Urberacher Flüchtlinge kümmern. Von den derzeit vier in den beiden Gebäuden wohnenden Mietparteien wollen drei gerne bleiben; eine Familie sucht eine neue Heimat: „Wir haben erst vor vier Wochen erfahren, was hier mit den Häusern passiert, sonst hätten wir schon früher nach einer neuen Bleibe gesucht. Wir wissen ja nicht, was hierher kommt – womöglich sind es lauter einzelne Männer. Nein, wir wollen hier nicht wohnen bleiben“, äußerte Biolanda Possehl etwas ungehalten, zumal auch die Information vor dem Tag der offenen Tür nicht bei allen Nachbarn rechtzeitig ankam – trotz weit mehr als 100 verteilten Handzetteln.

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Illegale Flüchtlinge am Hauptbahnhof Frankfurt

Die meisten Rückfragen und Beschwerden drehten sich nicht um die Sorge vor den erwarteten Flüchtlingen, sondern vielmehr um die womöglich schleichende Umwidmung des Geländes vom Industrie- zum Wohngebiet. Sie befürchten, dass dies gerade auf dem für eine zusätzliche Halle geplanten hinteren Teil des Geländes auf dem Umweg über die Sondergenehmigung durch das Baugesetz ausgehebelt oder unterlaufen wird. Bürgermeister Roland Kern erläuterte, dass dies allein durch die zeitliche Begrenzung unmöglich ist: die Sondergenehmigung läuft mit Ende des Jahres 2019 aus; es ist also das alleinige Risiko des Bauträgers, dass er dann womöglich keine rechtliche Grundlage mehr hat. Kurzfristig machten der Bürgermeister und Erster Stadtrat Jörg Rotter den verunsicherten unzufriedenen Bürgern das Angebot, in Kürze unabhängig von den Flüchtlingsunterkünften ein Gespräch zu dieser Problematik zu führen.

Quelle: op-online.de

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