Freddie Meinaß nimmt sich Andy Warhol als Vorbild

Jaguar wird knallbuntes Kunstwerk

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Den ursprünglich weinroten Jaguar XJ hat Freddie Meinaß in ein rollendes Kunstwerk verwandelt, das in allen Farben des Regenbogens schillert. Als Atelier diente ein Ober-Röder Carport. Zur Bühne wird die Ausstellung „Rodgau Art 2015“ nächstes Wochenende in Nieder-Roden.

Ober-Roden - Ebony Black, Odyssey Red oder Ingot? Klar - kaufkräftige Autofans können ihren Jaguar in unzähligen edlen Umschreibungen von Schwarz, Rot oder Silber bestellen. Von Michael Löw

In einem Ober-Röder Carport verpasst ein Rodgauer Künstler aber einem Jaguar gerade eine Lackierung, die die britische Kultmarke garantiert nicht in der Aufpreisliste stehen hat. Freddie Meinaß aus Nieder-Roden ist ein Mann, der offenbar unbegrenztes Vertrauen ausstrahlt. „Komm, such Dir einen aus“, sagte vor knapp zwei Wochen Josef Finders zu ihm und wies auf seine Sammlung von 17 Jaguar-Limousinen des Typs XJ. Meinaß’ Wahl fiel auf einen weinroten Achtzylinder mit 3,2-Liter-Motor und Rechtslenkung. Meinaß klemmte zwei rote Nummernschilder an den Jaguar und fuhr ihn aus der Nähe von Aachen nach Ober-Roden. Im Carport von Michael und Kerstin Bunzendahl rückte er dem makellosen Lack mit einem Schwingschleifer zuleibe: „Der Sammler hat mir freie Hand gelassen!“

Soviel Vertrauen hat natürlich seinen Grund. Freddie Meinaß fährt selber Jaguar und kennt sich mit britischer Autotechnik bestens aus. Und Josef Finders hat seine künstlerischen Aktivitäten im Internet verfolgt, war von den Bildern überzeugt und fragte Meinaß, ob er auch Autos bemale. Der ließ sich nicht lange bitten, gab aber auch zu: „Da muss man sich echt überwinden.“ Gemeint war das Aufrauen das alten Lacks, keineswegs die Malerei an sich.

Schlieren in allen Farben des Regenbogens ziehen sich die Motorhaube, Türen und Kotflügel des Jaguar hinunter. „Wuselig, lebendig und bunt - das ist mein Ding“, sagt Meinaß über Meinaß. Schicht um Schicht trug er im Bunzendahl’schen Carport speziell gemischte Acrylfarben auf - „zäh wie Honig“. Klarlack sichert das Kunstwerk seit voriger Woche für lange Zeit. Meinaß geht davon aus, dass der Kunst-Jaguar entweder im Showroom eines Händlers oder bei Oldtimer-Ausstellungen zum Hingucker wird. Er persönlich empfiehlt ihn als Wertanlage: „Dieses Auto wird in zehn Jahren 100.000 Euro kosten.“

Zeig mir dein Auto und ich sag dir wer du bist

Ohne allzu viel falsche Bescheidenheit bemüht Freddie Meinaß den Popart-Guru Andy Warhol: Ein von ihm bemaltes Auto fand für 5,5 Millionen Dollar einen neuen Besitzer. Der Nieder-Röder Künstler hat mit dem Aachener Sammler jedenfalls ein Extrahonorar in Höhe von zehn Prozent des Verkaufserlöses vereinbart. Was immer auch herauskommt: Einen Teil des Geldes will Meinaß spenden.

Bleibt noch die Frage, warum ein Hof im Breidert zum Atelier wird. Kerstin und Michael Bunzendahl haben Freddie Meinaß 2013 bei der Ausstellung „Rodgau Art“ kennengelernt. Sie mögen „Bilder, die knallen“. Als sie von seinem Projekt hörten, haben die beiden spontan ihren Carport frei geräumt. Bei der „Rodgau Art 2015“ am 31. Oktober und 1. November in Nieder-Roden stellt Meinaß den Kunst-Jaguar erstmals in voller Pracht aus. Eigentlich hätte er das seinen Ober-Röder Gastgebern zuliebe schon am vergangenen Wochenende bei der KiR-Ausstellung „Gedankenwelten“ getan. Aber da war das neue Fell der britischen Raubkatze noch nicht trocken.

Quelle: op-online.de

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