Parallel wird gleich neu gebaut

Früheres Gallusheim in Urberach wird abgerissen

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Der eigentliche Abriss des früheren Gallusheims ist noch die wenigste Arbeit. Die Vorbereitungen dazu dauerten viel länger, als es der Abbruch dauern wird: zehn Tage. das Sortieren und Trennen ging weit hinaus über das bloße Separieren der verschiedenen Baustoffe. Heute fällt der Rest des Gebäudes.

Urberach - An der Schömbsstraße ist der Abriss des früheren Gallusheims zugleich ein Aufbruch in die Zukunft. Und das im wahrsten Wortsinn. Von Bernhard Pelka 

Denn das Abbruchmaterial des ehemaligen Gemeindehauses dient den Neubauten nebenan als 70 Zentimeter starker Unterbau für deren Bodenplatten. Baggerfahrer André Müller ist ein Virtuose am Steuerknüppel. Sein monströses Arbeitsgerät wird unter seinen Händen zum wendigen Alleskönner. Treffsicher pflückt Müller mit dem wuchtigen Sortiergreifer die Dachrinne vom Gallusheim ab – fast wie mit einer Pinzette. Genauso vorsichtig packt er die von Bitumen bedeckten Holzbohlen der Dachkonstruktion. Langsam setzt der Baggerfahrer die großen Bruchstücke, die sich zuvor mit lautem Knirschen und Ächzen vom Dachstuhl gelöst haben, auf die Erde ab. Bloß nicht zuviel Staub aufwirbeln! Deshalb spritzt ein Kollege während der Abbrucharbeiten fortwährend Wasser in die Bauruine. Das Gebäude ist ein schwieriger Fall für das Urberacher Abbruchunternehmen Rügemer. Viele Renovierungen und Umbauten haben in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Lagen Bausubstanz übereinandergeschichtet. Beim Abriss geht es fast zu, wie beim Spiel mit einer russischen Matroschka-Steckpuppe. Ein Beispiel: Das Flachdach eines Anbaus muss mit den Jahren derart undicht geworden sein, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Also wurden aufs alte Dach eine neue Unterkonstruktion aus Holz gesetzt, die Zwischenräume mit Mineralwolle gedämmt und ein neues Dach draufgesetzt. Oder das Dach des Hauptbaus über dem großen Saal. Anfangs dichteten Bitumenbahnen die Holzbohlenkonstruktion ab, später kamen Asbestschindeln oben drauf.

3000 Kubikmeter umbauter Raum kommen derzeit unter die Baggerschaufel. Macht 1000 Tonnen Abraum, getrennt nach verschiedenen Bauschuttklassen. Der Schutt wird abgefahren und auf dem Recyclingplatz von Rügemer zerkleinert. Danach bildet das Material den Unterbau der 13 neuen Reihenhäuser, die auf dem früheren Kirchengemeindegelände derzeit entstehen.

„Wir hätten auch direkt auf der Baustelle eine Brecheranlage aufstellen können. Das tun wir aber mit Rücksicht auf die Nachbarn nicht, sondern recyceln alles auf unserem Platz außerhalb“, erläutert Jörg Rügemer. Trennen, sortieren, wiederverwerten: dies ist Rügemers Credo. Diese Arbeiten gehen weit hinaus über das schlichte Trennen von Stein, Glas und Metall. Es muss zwar alles raus, nicht aber ohne Rücksicht. Alle Fußbodenbeläge werden separiert, die Deckenverschalungen sowieso. Selbst Rollladenkästen werden ausgeräumt. Auch Rigipsplatten dürfen nicht mit herkömmlichem Bauschutt abgefahren werden. Von Hand reißen Arbeiter Bitumenfetzen von Dachbalken. Das ist eine personalintensive Sisyphusarbeit – und eine Wissenschaft für sich. Zehn Tage dauerten diese vorbereitenden Arbeiten. Erst dann konnte der Abbruch beginnen. „Abriss und Wegfahren nehmen etwa nur ein Drittel der Gesamtzeit in Anspruch,“ rechnet Rügemer vor.

Bilder: Abriss des Gallusheims in Urberach

Auf dem 2940 Quadratmeter großen Grundstück entsteht eine kleine Siedlung mit 13 Häusern. Die katholische Kirchengemeinde St. Gallus und ihr Partner, die LBS-Immobilien GmbH, haben mit der Vermarktung begonnen. Nachdem ein Erbpachtmodell nicht funktionierte, gab das Bischöfliche Ordinariat in Mainz den Segen zum Verkauf der einzelnen Grundstücke.

Verwaltungsrat Bardo Suderleith erwartet Einnahmen von 980.000 Euro. Damit will er die letzten 520.000 Euro Darlehen für das neue Gemeindezentrum neben der Kirche tilgen und ein finanzielles Polster schaffen. Der Kindergarten braucht zusätzliche Räume für die Ganztagsbetreuung, die Kirche in absehbarer Zeit ein neues Dach. Auch die Innenrenovierung des Gotteshauses steht auf der Wunschliste. Das 1926 erbaute und dann immer wieder sanierte Gallusheim war Anfang 2009 geschlossen und durch den Neubau an der Kirche ersetzt worden. Pfarrer Klaus Gaebler und der Verwaltungsrat begründeten den 1,7 Millionen Euro teuren Neubau mit Sicherheitsrisiken im alten Gallusheim und zu hohen Kosten für eine zeitgemäße Modernisierung.

Quelle: op-online.de

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