Wald ist die schönste Kinderstube

Kita muss wegen Bauarbeiten in die Natur ausweichen

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Faszination pur für die Kinder: die große Feuerstelle samt Grill auf dem weitläufigen Freizeitgelände.

Urberach - Was machen Kinder, während ihre Kita renoviert wird? Die Kita der katholischen Pfarrgemeinde St. Gallus macht aus dieser Not eine Tugend. Die Kleinen tummeln sich während der Bauarbeiten einfach im Freien.

Aus der Kita ist vorübergehend ein Waldkindergarten geworden. Das Anschlagen der Triangel lädt die Kinder der Kita Gallus jeden Morgen um halb zehn Uhr zur kurzen Großversammlung mitten auf dem Gelände ein – wie immer, nur derzeit mit einem großen Unterschied. Denn die Kita hat zurzeit keine Wände und Decken, keine große Ansammlung von Spielsachen und keine Fächer für Hausschuhe & Co. Das Kitaleben spielt sich stattdessen im Freien auf dem Freizeitgelände Bulau ab. Die eigentliche Kita in der Schömbsstraße wird umgebaut. Die ersten drei Wochen war die Kita ganz geschlossen, jetzt leben Betreuer und Kinder drei Wochen lang zum Vergnügen aller mitten auf der Bulau.

Zur Großversammlung liegt eine Decke mit einem Sonnenblumenstrauß und mit Karten in der Mitte, daneben liegen die zwischenzeitlich abzulegenden Stöcke. Alles Mitbringsel aus dem umgebenden Wald. Es folgt auch hier alles den immergleichen Ritualen mit Gesang und kurzem Dankgebet am Anfang und Ende. Regeln werden besprochen, dann zeigen die Kinder, die Urlaubskarten geschickt hatten, ihre Grüße aus aller Welt herum. Zu den Regeln etwa gehört, dass Beeren immer erst gewaschen werden müssen, ehe sie gegessen werden können – eine Vorschrift, die es neu aufzunehmen galt.

Ihr Frühstück holen sich die Kinder aus ihren Taschen oder von den vorbereiteten Gemüse- und Obsttellern. An einer Pinnwand hängen Fotos vom Fortgang des Umbaus. Die Kinder begutachten ihr altes und neues Zuhause. Deutliches Zeichen des ständigen Wandels in einer solchen Einrichtung: Erzieherin Liane verabschiedet sich nach einem Jahr, ihr Vertrag läuft aus; der kleine Leon wird begrüßt. Er ist mit seiner Mama ganz neu in der Eingewöhnungsphase in der Kita und schaut sich das Treiben im Wald noch weitgehend von ihrem Arm aus an.

Rödermarks „Offene Gärten“: Bilder von Johannes Knapp

In der Urlaubszeit sind – wie erwartet – nur rund 40 Kinder da. Dazu kommen neun bis zehn Erzieherinnen und Betreuer. Die Eltern bringen die Kinder wie sonst auch. Zwischen 7.30 und 15.30 Uhr ist geöffnet. „Wir haben letzte Woche, als die Kita noch geschlossen hatte, schon unseren Umzug hier herauf absolviert. Dank helfender Eltern und Kinder und einem Transporter ging das viel schneller als erwartet“, freut sich Kitaleiterin Annemarie Kern-Richter.

Essen wird mittags wie sonst auch von einem Dietzenbacher Caterer gebracht; gespült wird in der Küchenzeile der Bulau. „Wir haben nur ganz wenige Spiele, Bastelmaterial eine Hängematte und Seile und ähnliches mitgenommen. Mehr brauchen wir hier nicht, die Kinder entdecken hier viele andere Möglichkeiten“, berichtet Erzieherin Alexandra Degen. Die ersten Tage waren das vor allem Stöcke und Material aus dem Wald. Schon am zweiten Tag brachten Kinder vorbereiteten Stockbrotteig und Marshmallows, danach auch Paprika und Kartoffeln mit. Das in der großen Feuerschale am Grill von den Erzieherinnen entfachte Feuer hatte sie dazu angeregt.

Rödermarks „Offene Gärten“: Bilder von Mario Weindorf

„Nur an den ersten Tagen, danach ist Schluss mit Feuer“, bekamen die Kinder zu hören. Sie waren auch nur auf die Idee gekommen, weil Montagfrüh von einem nächtlichen Grillvergnügen (neben Scherben und Unrat) noch glimmende Aschereste in der Grillhütte waren. Manche haben mit ihren Schnitzmessern auch gleich Stöcke angespitzt – zum Aufspießen der Marshmallows. Natur macht erfinderisch.

Bis zum 4. September gibt’s diese Freiheit, danach wird wieder in die Kita umgezogen, wo dann drei Räume, die Halle, die Küche und ein Bad schon fertig sein werden, während andere noch umgebaut werden. Es wird also spannend in den nächsten Wochen auf der Baustelle Kita. Besonders stolz hier sind auf der Bulau all jene Kinder, die schon Geschwister bei der Bulaufreizeit dabei hatten und freudig die kleinen Lager zeigen. Annemarie Kern-Richter: „Es ist toll hier für die Kinder, wir überlegen schon, ob wir das nicht alle Jahre anbieten sollen.“ (chz)

Rödermarks „Offene Gärten“: Bilder von Nico Weindorf

Quelle: op-online.de

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