Nur noch eine leere Hülle

Gallusheim: Abrissbagger kann kommen

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Gerd Mickler, Georg Koler, Werner Stanchly, Freddy Theis und Eric Werkmann haben das Gallusheim ausgeräumt: Drei große Container voller Müll kamen zusammen.

Urberach - „Jetzt wird noch einmal kurz geweint. Und dann ist Schluss!“ So brachte einer der Helfer, die zwei Tage lang das Gallusheim ausräumten, die Gemütslage vieler Urberacher Katholiken auf den Punkt.

Der Abrissbagger beginnt sein zerstörerisches Werk in der zweiten März-Woche. Dann macht das im Februar 2009 aufgegebene Gemeindezentrum einer kleinen Siedlung mit 13 Häusern Platz. Drei Container füllten „Vorarbeiter“ Werner Stanchly, Freddy Theis, Gerd Mickler, Eric Werkmann und Georg Koler mit den Resten, die nun wirklich niemand mehr brauchen kann. Die verschiedenen Gruppen der Pfarrei hatten in den vergangenen Jahren nach und nach alles, was sie für ihre Arbeit benötigten, mit in ihre provisorischen Räume genommen oder bis zur Einweihung des neuen Gemeindezentrums neben der Kirche im Sommer 2014 zwischengelagert. Nur ein Servierwagen voller Biergläser fand beim großen Ausräumen noch eine neue Besitzerin.

Werner Stanchly und seine Mannschaft haben gespart, wo sie nur konnten. Ehrensache war"s zum einen, dass sie für ein „Vergelt"s Gott“ in die Hände gespuckt haben. Zum anderen haben sie die Entsorgungskosten gedrückt, indem sie etliche Autos voller Papier und Kartons sowie einen Uralt-Computer zum städtischen Bauhof fuhren und einen Schrottler organisierten, der Heizkörper und andere Metallteile abschraubte und auf eigene Rechnung verkaufte.

Im leeren Saal harren jetzt nur noch zwei große Holzkreuze ihrer Bestimmung.

Am Gallusheim hängt aber noch immer viel Herzblut. Freddy Theis zum Beispiel erzählte, dass er dort seine Frau kennengelernt hat. Die vom Kreis angeordnete Schließung wegen Bau- und Brandschutzmängeln hat die katholische Kirchengemeinde seinerzeit in eine Renovierungs- und eine Neubau-Fraktion gespalten. Aber jetzt richten sich die meisten Blicke nach vorne. Der Verkauf des fast 3 000 Quadratmeter großen Grundstücks soll knapp eine Million in die Kirchenkasse bringen. Mit dem Geld will die Gallus-Gemeinde die letzten 520.000 Euro Darlehen des Neubaus tilgen und Rücklagen für Kindergarten und Kirchenrenovierung anlegen. Verwaltungsrat Bardo Suderleith ist mit der Vermarktung der 13 Einzel- und Reihenhäuser durch einen Bauträger zufrieden. „Mehr als die Hälfte ist verkauft“, zog er gestern Zwischenbilanz.

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Quelle: op-online.de

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