Mutter Natur lässt Heilpflanzen wachsen

Gegen jedes Leiden hilft ein Kraut

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Meistens schon mit brauen Spitzen, teilweise aber noch richtig kräftig goldgelb war der Goldregen, den Ingrid Killian hinter der Römerstraße schnitt.   J Fotos: Ziesecke

Rödermark - Katholische Christen feierten am Samstag Mariä Himmelfahrt. In den Kirchen werden Kräuter gesegnet, die gegen Krankheit und anderes Ungemach schützen sollen.

Kräutersuche im Supersommer 2015: Nach den heißesten Monaten, an die sie sich erinnern, haben die „Kräuterfrauen“ der Gallus-Gemeinde ihre liebe Mühe mit dem Sammeln der duftenden und heilsamen Pflanzen. Die Suche geriet aufgrund der großen Trockenheit und Hitze zu einem Glücksspiel, denn viele Kräuter sind schon vertrocknet, haben leicht gebräunte statt blütenweißer oder zart gelber Blüten. Und diese sind vor allem winzig klein. „Es war einfach viel zu heiß. Es geht so manches kaputt im Garten“, bedauert Ingrid Killian. Aber manches wächst auch besonders gut: Kürbisse oder Zucchini lieben es heiß und trocken; sie werden immer größer. Auch die Tomaten sind oft riesig, während das Obst schon auf den Bäumen buchstäblich von innen her verbrennt und ungewohnte Flecken bekommt, erzählen die Frauen.

In der Nazarius-Gemeinde Ober-Roden bringen die Gläubigen ihre gesammelten Kräutersträuße mit in die Kirche, wo sie von Pfarrer Elmar Jung gesegnet und am Gottesdienstende mit nach Hause genommen werden.

Dennoch sind sie unverdrossen auf ihrer Suche, auch wenn ihnen noch kein auch nur ähnlich heißer Sommer bekannt ist, schon gar nicht, seit sie in der Zeit von Pfarrer Rainer Rosenberger das Kräutersammeln begonnen hatten. „In Nieder-Roden haben sie die Kräutertour abgesagt, aber hier gibt’s immer noch irgend etwas. Schließlich haben wir den Bach und immer irgendwo etwas feuchte Stellen“, hofft die kleine Truppe. Sie schrumpft immer weiter; nur noch zu dritt waren die Urberacher Frauen unterwegs: Doris Mickler, Erika Gawliczek und Ingrid Killian mit ihrem ungeheuren Wissen über Heilkräuter.

Das zeigte sich auch beim Binden der gefundenen Schätze. „Was? Mutterkraut? Das gibt’s gar nicht“, waren sich die Frauen einig. Doch, das gibt’s, und Ingrid Killian hatte es auf der Wiese neben der Römerstraße gefunden. Mutterkraut, bislang eher unüblich in den duftenden Gebinden, war diesmal vertreten: Tanacetum parthenium, eine Korbblütler-Art mit ganz kleinen weißen Blüten, ist auch als falsche Kamille oder Fieberkraut bekannt. Die Blätter können Migräneanfälle vermindern und sollen beruhigend und verdauungsfördernd wirken. Äußerlich angewendet sollen sie auch Insekten abwehren.

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Die Notlösung, aus Gärten noch Ringelblumen und Dahlien in jene bis zu 100 Kräutersträuße zu binden, die am Wochenende gegen eine Spende in den Gottesdiensten verteilt wurden, war letztlich unnötig. Die Menge der gefundenen Kräuter war doch abwechslungsreich und farbenfroh, dass es auch so reichte. „Ein wenig Sorge haben wir nur vor dem nächsten Osterfest. Da wird es nach dem Raupenbefall vieler Buchsbäume in diesem Jahr wohl schlecht aussehen mit den Buchssträußen“, stellt Ingrid Killian fest.

Auch in der St. Nazarius-Gemeinde Ober-Roden haben die Gläubigen Kräuter herbeigebracht und ließen sie im Gottesdienst anlässlich des Aufstiegs der Heiligen Maria in den Himmel segnen. „Gott lässt sein Heil nicht nur an der Seele, sondern auch am Leib sichtbar werden“, erläuterte Pfarrer Elmar Jung die Wirkkraft. Geweiht sind diese Kräuter mit ihren Heilkräften Maria, der Mutter Jesu. Auch Pfarrer Jung stellte fest, „wie schwer es dieses Jahr in dieser Hitze war, Kräuter zu sammeln. In seinem „Werzwisch“ fanden sich trotzdem Baldrian, Beifuß, Johanniskraut, Majoran, Schachtelhalm, Mariendistel, Mädesüß und „gele Farne“.

Auf dem Altar dufteten die Sträuße der Gottesdienstbesucher verführerisch und dabei sicher sehr gesund. Zuhause aufgehängt, sollen sie vor mancherlei Unbill an Körper und sicher auch an Seele schützen.

chz

Quelle: op-online.de

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