Interview mit CDU-Fraktionsvorsitzendem

Gensert: „Gemeinsamen Weg gefunden“

Urberach - Michael Gensert, der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtparlament, hat von sich gesagt, gelegentlich sei er ein „Krischer“ - also jemand, der auch mal laut schreit.

In vier Jahren schwarz-grüner Koalition hat er noch nie „gekrische“, so gut ist das Verhältnis zwischen den Partnern. Zum Auftakt unserer Sommer-Interview-Reihe mit den Fraktionsvorsitzenden sprach Rödermark-Redakteur Michael Löw mit Gensert über die Zahl 18, Stadtentwicklung und die nächsten Wahlen.

Sie flachsten vor ein paar Tagen im Bauausschuss mit den Kollegen von der FDP, dass Sie 18 Kilo abnehmen wollen. War das eine Stichelei gegen den 18-Prozent-Wahlkampf des früheren FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle oder ist das Ihr Ernst? 

Westerwelle hatte sich 18 Prozent vorgenommen. Ich habe mir 18 Kilo vorgenommen. Mittlerweile habe ich 19 Kilogramm abgenommen. Was sich die CDU mal vorgenommen hat, wird auch erreicht.

Verraten Sie Ihr Diätrezept?

Keine Süßigkeiten. Der Kühlschrank wird nachts nicht mehr geplündert. Gekauft wird, was wenig Fett und wenig Kalorien hat. Mehr Handkäse, keine Hausmacher Wurst. Im Restaurant gibt es Steak ohne Butter und Nudeln oder Pommes, aber mit Gemüse. Die Gaststätten in Rödermark gehen auf solche Wünsche ein.

Apropos politische Schwergewichte: Die CDU und ihr Koalitionspartner AL haben seit nunmehr vier Jahren fast eine Dreiviertel-Mehrheit im Stadtparlament. Was sind aus Sicht Ihrer Fraktion die größten Pfunde, mit denen die CDU nach dieser Zeit wuchern kann? 

Ein wichtiges Ziel ist die Haushaltskonsolidierung. Es ist als großer Erfolg zu werten, dass wir den Schutzschirmvertrag abgeschlossen und die Sanierung des Haushalts plangemäß durchführen. Trotz angespannter Kassenlage haben wir im Bereich der Kinderbetreuung neue Einrichtungen geschaffen und ein vorbildliches Betreuungsniveau hergestellt. Diese Herkulesaufgabe setzt sich jetzt bei der Schulkindbetreuung fort. Das Badehaus wurde auf Kosten der Baufirma saniert. Durch die Verpachtung der an einen Verein wird der Saunabereich aufgewertet, was der Stadt Geld spart.

Das war doch nicht alles, oder? 

In der Stadtentwicklungspolitik gibt es mittlerweile einen breiten Konsens. Im Innenbereich werden Brachen reaktiviert und soweit sinnvoll eine Nachverdichtung vorgenommen. Die Entwicklungspotenziale bei Gewerbeflächen, die im Flächennutzungsplan dargestellt sind, werden aktiviert. Bei der Neuausweisung von Baugebieten findet eine Sicherung der Entwicklung durch Ankauf der Flächen statt. 

...und wo hätte es für die CDU ein bisschen mehr sein dürfen?

Wir wollen die Ortskerne beleben. Wir wollen Flair in die Ortskerne bringen. Dies ist ein schwieriges Unterfangen. Hier würden wir uns ein bisschen „mehr“ wünschen. Die Realisierung solcher Ziele scheitert jedoch nicht an den Grünen, sondern an den schwierigen Umständen. Seligenstadt hat eine Altstadtkulisse und den Main. So einfach wie in Seligenstadt geht das bei uns nicht. Es muss ein schlüssiges Konzept entwickelt werden. Auch hier ist es wichtig, einen Konsens herbeizuführen.

Hat sich das Verhältnis zwischen Koalition und Opposition mittlerweile entspannt oder wirkt der Boykott des Haushaltes 2015/16 noch nach?

Wir haben zu keinem Zeitpunkt den Kontakt zur Opposition abgebrochen oder gar die Opposition im Stich gelassen. Hilfreich ist hierbei, dass der CDU-Fraktionsvorsitzende die Opposition gut kennt. Sämtliche FDP-Parlamentarier sind ehemalige Mitglieder der CDU. Ich kenne viele SPD-Mitglieder besser als der Vorstand der SPD. Die Arbeiterbewegung in Urberach ist mir bestens bekannt. Auch das Verhältnis zu den Freien Wählern ist gut. Der Boykott spielt atmosphärisch keine Rolle mehr.

Wer hat den ersten Schritt auf den Gegner zu gemacht? 

Wir wissen, wie wichtig eine funktionierende Opposition ist. Jede Macht und jede Mehrheit muss kontrolliert werden. Ohne Pressefreiheit und ohne Opposition gibt es keine Demokratie. Das Herstellen eines normalen Verhältnisses zur Opposition ist ein wichtiges Anliegen und haben wir auch sofort in Angriff genommen.

Die kuriosesten Wahlplakate aller Zeiten

Schwarz-Grün nach der Kommunalwahl im März 2016 ist doch wohl beschlossene Sache? Oder gibt es noch andere Farbenspiele? 

Eine Koalitionsaussage ist bei Kommunalwahlen nicht üblich. Wichtig sind zwei Dinge: Eine Koalition funktioniert immer dann gut, wenn fair miteinander umgegangen wird und sich die Beteiligten persönlich verstehen. Das ist bei der Koalitionsbildung die entscheidende Frage. Die Zusammenarbeit mit der AL war diesbezüglich sehr gewinnbringend. Trotz zum Teil erheblicher Meinungsunterschiede wird ein gemeinsamer Weg gefunden. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass das in Zukunft nicht möglich sein sollte. Gerade weil die Chemie stimmt, kann diese Koalition auch starke inhaltliche Differenzen aushalten. Es gibt außerdem Projekte von Schwarz-Grün, die noch nicht beendet sind. Dazu gehören die Haushaltskonsolidierung, der Ausbau der Kinderbetreuung und die behutsame Stadtentwicklung. Es ist wichtig und muss gewährleistet sein, dass diese Projekte erfolgreich fortgesetzt werden.

Und ein gutes Jahr später steht die nächste Wahl an. Wie heißt der Bürgermeisterkandidat der CDU? 

Die CDU Rödermark ist personell gut aufgestellt. Wir sind in der Lage, jederzeit entsprechende Vorschläge zu machen. Vor der Bürgermeisterwahl findet jedoch die Kommunalwahl statt. Die Nominierung des Bürgermeisterkandidaten steht deshalb noch nicht an. Wir werden jetzt für die Kommunalwahl eine attraktive Liste zusammenstellen und uns dem Votum der Wähler stellen. 

Zum Schluss mal weg von der Politik: Bayern ohne Schweinsteiger ist wie...

...Urberach ohne Apfelwein und Ober-Roden ohne Rodgau-Dom.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare