Großputz zwischen Badehaus-Wiese und Gallus-Kirche

Geocacher sammeln Müll

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Sie waren sich für nichts zu schade und bückten sich auch nach der allerletzten hirnlos weggeworfenen Zigarettenkippe: die knapp 300 Geocacher, die in Urberach aufräumten.

Urberach - Mehrere hundert Geocacher - also Freunde der elektronischen Schnitzeljagd - haben in Urberach Müll gesammelt. Die Saubermänner und -frauen hatten sich übers Internet bei Sabiha Eder angemeldet, die von dem Andrang völlig überrascht war. Von Christine Ziesecke 

So sauber war es in Urberach wohl noch nie. Eine Müllaktion der besonderen Art, ins Leben gerufen von einer Geocacher-Gemeinschaft, hat Straßen und Ecken zwischen Skaterpark, Entenweiher und Gallus-Kirche überrollt. 305 Helfer hatten sich auf einen Aufruf von Sabiha Edler, eines Urberacher Community-Mitglieds, via Internet gemeldet und auf ihrem Weg zu einem Treffen in Mainz einen Müllsammel-Zwischenstopp eingelegt.

Schweizer, österreichische, schwedische, belgische, französische, holländische und deutsche Autos aus allen Ecken der Republik rollten zum Erstaunen jenes Teils der Bevölkerung, der schon wach war, am Samstag gegen 7 Uhr auf den Festplatz. Die Geocacher, oft mit Kind und Kegel, stiegen aus, begrüßten sich lebhaft und eilten zum provisorischen Orga-Tisch an der Wagnerstraße. Dort wurden sie in ihre Sammelgebiete eingewiesen und mit Material - Müllsäcke und kleine Zettel voller Koordinaten - ausgerüstet. Diese Kombination aus Buchstaben und Zahlen reichte den Teilnehmern ohne jede weitere Ortsangabe. Schließlich hatte fast jeder Geocacher eine Müllzange in der einen und ein Handy oder ein spezielles GPS-Gerät in der anderen Hand, das ihn punktgenau zu der angegebenen Position leitete. Müll bei N 49˚58.550 E 8˚ 48.415 hieß, dass rund um die Skaterbahn knapp unter dem 50. nördlichen Breitengrad und etwa acht Längengrade östlich von Greenwich Unrat liegt.

Sabiha Eder aus der Wagnerstraße und Angela Prinzen aus Rodgau hatten die Idee gehabt. „Wir machen im Rahmen der 13 verschiedenen Aufgabenstellungen und Eventarten, die es zu erfüllen gilt, öfters auch solche Müllaktionen unter dem Stichwort ‚Cito’, ‚Cash in – trash out’ (‚Cache/Dose oder Schatzdose rein, Müll raus’, Anm. der Red.). Als wir von dem auf Herbst verschobenen städtischen Gemarkungsputz erfahren haben, sind wir aktiv geworden“, berichtet Sabiha Eder. Sie hatte mit 40 bis 50 Anmeldungen gerechnet, daraus waren schon über 100 geworden, als sie mit Matthias Kroneisen von den Kommunalen Betrieben Kontakt aufnahm. Die Stadt stellte die neuen roten Müllbeutel und einiges an Material zur Verfügung. Aber das war natürlich viel zu wenig, denn bis zum Aktionstag waren 305 Anmeldungen eingegangen.

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Angesichts dieser Helferflut reichte der Urberacher Müll nicht aus, zumal 14 Tage zuvor schon eine private Initiative rund um den Entenweiher aufgeräumt hatte. Die Geocacher trugen einen geradezu verschwindend kleinen Müllberg zusammen, der zu guter Letzt am Feuerwehrhaus gestapelt lag. Nach rund einer Stunde trafen sich alle Teilnehmer dennoch gut gelaunt zum Gruppenfoto, ehe sie in einer großen Karawane nach Mainz weiter zogen, wo an diesem Vormittag das „Gutenberg Giga-Event - Cachen auf dem 50. Breitengrad“ mit rund 5 000 Teilnehmern stattfand. Geocaching, die Schnitzeljagd mit GPS-Unterstützung und vorgegebenen Koordinaten, fasziniert große wie kleine Teilnehmer. Und wenn dabei auch noch so sinnvolle Dinge wie die Suche nach Urberacher Müll herauskommen, kann den Organisatoren nur Dank gesagt werden - eine tolle Idee, die Lob verdient.

Quelle: op-online.de

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