Nahverkehrsplan 2016 in der Diskussion

Grenzbahnhof wird zum Problem

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Auch die aufwändigste Leitungs- und Signaltechnik garantiert keine 100-prozentig funktionierenden Verbindungen. Dasbekommen Pendler am Bahnhof Ober-Roden - dort stoßen zwei Verkehrsverbünde zusammen - zu spüren: Das Umsteigen von S- und Dreieichbahn auf die Busse Richtung Dieburg erfordert zuweilen Sprinterqualitäten oder viel Geduld beim Warten.

Rödermark - Die schon ohne Tunnelsperrung chronisch unzuverlässige S 1, zu wenig Geld für den behindertengerechten Ausbau von Bushaltestellen und Änderungen bei Busverbindungen aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg, von denen die Stadt erst auf den letzten Drücker erfährt: Das sind nur einige der Ärgernisse, die Rödermärker Bahn- und Buskunden zu schaffen machen. Von Michael Löw 

Sie tun nichts Verbotenes und sind bei den Ober-Rödern trotzdem ziemlich unbeliebt: Bahnkunden aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg, die wegen der unsinnigen RMV-Tarife in Seitenstraßen wie der Taunus-, Rhön- oder Dörnerstraße parken.

Der Kreis Offenbach überarbeitet seit Oktober seinen Nahverkehrsplan für die Jahre ab 2016. Rödermark muss auf den ersten Blick mit keinen Einschränkungen rechnen. Im Gegenteil: Die Kürzung der Buslinie OF-95, die der Kreis am Bahnhof Ober-Roden enden lassen wollte, ist vom Tisch. Die Busse fahren weiterhin bis ins Urberacher Taubhaus. Auch bei der Schülerbeförderung gibt es zunächst keine Abstriche. Doch das war’s dann auch schon mit den guten Nachrichten in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). Stephan Brockmann, der stellvertretende Leiter des Ordnungsamtes, hat eine drei Seiten lange Mängelliste zusammengestellt, die der Magistrat als „ergänzende Hinweise“ in den Nahverkehrsplan aufnehmen lassen will. Dabei kristallisieren sich zwei Schwerpunkte heraus. Ein Sorgenkind ist der Bahnhof Ober-Roden, das zweite ist Rödermarks Lage genau auf der Grenze zwischen dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und der Darmstadt Dieburger Nahverkehrsorganisation (Dadina).

Ober-Roden ist Endpunkt der S-Bahn-Linie 1, die wegen ihrer Ausfälle und Verspätungen mittlerweile als ziemlich unzuverlässig gilt. Die Sperrung des Frankfurter S-Bahn-Tunnels während der Sommerferien verbessert die Pünktlichkeit auch nicht unbedingt. Trotzdem ist die S 1 für Pendler aus Eppertshausen, Münster und Dieburg attraktiv. Davon zeugen die vielen Autos mit DA- oder DI-Nummern, die die Straßen rund um den Bahnhof zuparken. Viele Pendler würden lieber an ihren Wohnorten in den Zug steigen. Aber solange nur jeder zweite Zug der Dreieichbahn bis Dieburg durchfährt, bleibt das Auto für die erste Etappe unumgänglich. Weder die Dreieich- noch die S-Bahn sind auf den Takt der Busse Richtung Dieburger Umland abgestimmt, klagt die Stadt weiter.

EU-Urteil: Diese Rechte haben Bahnkunden

Der 95er Bus fährt auch in Zukunft durch weite Teile Urberachs - inklusive des Taubhaus-Gebiets. Auf Druck der Stadt hat der Kreis seine Pläne, die Linie am Bahnhof Ober-Roden enden zu lassen, nicht in die Tat umgesetzt.

Schuld an der Pendlerflut ist aus Rödermärker Sicht die Preispolitik des RMV, die die Bahnfahrt aus dem Altkreis Dieburg unnötig teuer macht. Günstigere Tarife könnten relativ schnell Abhilfe schaffen. Bleibt der RMV seiner Linie treu, hält Bürgermeister Roland Kern Parkgebühren rund um den Ober-Röder Bahnhof für denkbar. Eine mittelfristige Lösung wären mehr durchgehende Züge zwischen Dieburg und Frankfurt beziehungsweise umgekehrt, langfristig müsse die S 1 bis Dieburg weiter gebaut werden. Die Grenzlage macht Rödermark auch zu einem Stiefkind der Dadina-Planer: Die haben schon mehrmals Fahrpläne der Buslinie U geändert, ohne dass die Stadt gefragt wurde. Denn auch wenn sich Rödermark von Amts wegen nach Offenbach und Frankfurt orientiert: Viele Ober-Röder und Urberacher haben wegen Schulen, Hochschule, Ärzten, Krankenhaus und Jobs noch enge Beziehungen in den früheren Kreis Dieburg. Bushaltestellen müssen bis Ende 2021 barrierefrei sein. Das schreibt die seit 2013 gültige Novelle des Personenbeförderungsgesetzes vor. „Ohne die Finanzhilfen Dritter wird die Stadt solche Maßnahmen nicht finanzieren können“, warnt der Magistrat in seinen „ergänzenden Hinweisen“ zum Nahverkehrsplan.

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Quelle: op-online.de

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