Grundschüler bemalen Trinkbrunnenstraße

Asphalt und Beton verschönert

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Jeder der rund 320 Zweit- bis Viertklässler der Trinkbornschule skizzierte eine Blume auf die Straße und malte sie aus. Beim Schulfest am Samstag, 17. September, wird das rund 150 Meter lange Kunstwerk eingeweiht.

Rödermark - Ein Blumenmeer wogt über dem Asphalt der Trinkbrunnenstraße, eine Unterwasserlandschaft belebt die betonierten Sitzbänke auf dem Häfnerplatz. Rödermark beweist wieder einmal, dass Kunst im viel beschworenen öffentlichen Raum weder abgehoben noch teuer sein muss.

Pro Kind eine Blüte: So lautet seit Montag die Arbeitsvorgabe, die mehr als 320 Zweit- bis Viertklässler der Trinkbornschule in ein buntes Kunstwerk umsetzen. Mit viel Spaß bemalen sie Straße zwischen Bücherturm und Bahnübergang auf fast 150 Metern Länge, Blume reiht sich an Blume.

Die Idee stammt aus Österreich; dort wurde 2011 der erste Wettbewerb „Blühende Straßen“ ausgetragen. 2015 machten 60 Schulen und Gemeinden mit, Ober-Rodens Partnerstadt Saalfelden wurde mit einem wahren Groß-Kunstwerk Sieger: 250 Kinder aus sieben Schulen verschönerten 200 Meter Straße. Dieses Blumenmeer hatte bei einem Besuch in der Partnerstadt auch die Fraktion von AL/Die Grünen beeindruckt. So entstand die Idee, auch Rödermärker Kinder in den Genuss einer Straßenmalaktion kommen zu lassen. Diesen Vorschlag haben die Koalitionsfraktionen CDU und AL/Die Grünen zu Beginn dieses Jahres in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht, mehrheitlich beschlossen und nun in Kooperation mit der Trinkbornschule umgesetzt. Vor dem Hintergrund des 40-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Saalfelden sollten die Kinder neben dem Malspaß auch auf die Städtepartnerschaft und den Gedanken der europäischen Einigung aufmerksam gemacht werden.

Drei der vier Betonrondelle auf dem Urberacher Häfnerplatz sind seit gestern Kunstwerke und Sitzmöbel zugleich. Mosaikkünstlerin Sigrid Lang und sieben Handwerker - psychisch kranke Klienten der „Brücke“ und Gesunde - haben etliche tausend überwiegend blaue Scherben zu einer Unterwasserlandschaft zusammengeklebt. „Acht Wochen hat das gedauert“, berichtete Sigrid Lang. Fische, Seepferdchen und Pflanzen machten deutlich mehr Arbeit als die Motive der ersten beiden Rondelle - Feuer und Erde. Kunstwerk Nummer vier soll die Luft darstellen. Eine spannende Aufgabe für das nächste Jahr, finden Sigrid Lang und ihre Helfer, von denen Armin Dilchert und Ilse Wolf schon die Flammensplitter klebten.

Bürgermeister Roland Kern lobte das Wasser-Mosaik als gelebte Inklusion: „Die psychisch kranken Menschen werden in ihren Kompetenzen wahrgenommen. Fähigkeiten wie Konzentration, Motorik und Kooperationsbereitschaft werden ebenso gestärkt wie das Selbstwertgefühl.“

Finanziert wurde das 4 000 Euro teure Projekt diesmal von der Sparkasse Dieburg und einer Reihe privater Sponsoren. „Da gibt es einige Ehepaare, die größere Summen gespendet haben, aber auch Bürger, die an den Kunstwerken vorbeigehen, das Projekt klasse finden und 20 Euro spenden“, berichtet Gudrun Pfahl von der „Brücke“.

Die Leiterin der psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle ist der Meinung, dass der Häfnerplatz dem Park Güell in Barcelona ähnelt. Dort bewundern Besucher aus aller Welt die Mosaiken des spanischen Bildhauers Antonio Gaudí. (lö)

Quelle: op-online.de

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