CDU geht nach Auszählen aller Stimmen mit breiter Brust in Koalitionsgespräche

„Gutes Ergebnis in schwieriger Zeit“

Rödermark - Die CDU ist der Gewinner des Kumulierens und Panaschierens. Nachdem alle Stimmzettel, bei denen die Wähler bis zu drei Stimmen auf einen Kandidaten konzentrieren oder Kandidaten mehrerer Listen ankreuzen konnten, gestern Nachmittag ausgezählt waren, stand die CDU um 6,4 Prozentpunkte besser da als nach dem Trendergebnis vom Sonntagabend. Von Michael Löw

Drei der fünf Rödermärker Spitzenkandidaten lagen auch nach dem Kumulieren und Panaschieren vorne: Jörg Rotter (CDU)...

FDP und Freie Wähler schrumpften im Vergleich zum Trend, bleiben aber stark und oberhalb der Zehn-Prozent-Marke. In der neuen Stadtverordnetenversammlung, die am 19. April zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammentritt, verschieben sich die Gewichte in Richtung der beiden kleinen Parteien. FDP und FWR haben statt jeweils zwei künftig vier Sitze. Die CDU verliert einen Sitz, ihr Koalitionspartner AL büßt drei Sitze ein. Die SPD-Fraktion bleibt mit sechs Stadtverordneten so groß - oder so klein - wie in der vergangenen Legislaturperiode. Theoretisch könnte Schwarz-Grün mit einer 25:14-Mehrheit komfortabel weiter regieren. Vieles spricht dafür, sagen wollte das gestern noch niemand. Die CDU-Vorsitzende Patricia Lips freute, dass ihre Partei „wieder eine schöne Aufholjagd hingelegt hat“. Aus den 33,1 Prozent des Sonntags-Trends haben die Christdemokraten 39,5 Prozent gemacht und ihre Verluste im Vergleich zur Kommunalwahl 2011 auf 1,5 Prozentpunkte begrenzt. Patricia Lips: „Das ist in schwierigen Zeiten ein gutes Ergebnis!“

...Stefan Gerl (AL)...

Jetzt hätten die Parteigremien das Wort, hielt sich die Vorsitzende bei allen Fragen zu Koalitionsverhandlungen und zur Bürgermeisterwahl 2017 bedeckt. Einen Satz ließ sich die Bundestagsabgeordnete doch entlocken: „Jörg Rotter hat ein tolles Ergebnis, da gibt"s nichts zu rütteln.“ Der Erste Stadtrat und CDU-Spitzenkandidat erhielt die mit Abstand meisten Einzelstimmen aller 136 Bewerber, obwohl von vornherein klar war, dass er sein Mandat nicht annimmt. „Ich sehe das als Bestätigung der Arbeit, die ich in den vergangenen zweieinhalb Jahren machen durfte“, sagte Rotter gegenüber unserer Zeitung. Es gebe in Rödermark „keinen Automatismus mehr, dass der Erste Stadtrat Kandidat für die Bürgermeisterwahl ist“. Die Partei solle denjenigen nominieren, von dem sie glaubt, dass er die größten Erfolgschancen hat. Das lässt so viele Interpretationen nicht zu...

...Peter Schröder (Freie Wähler)

„Das ist herb. Wir haben mehr verloren als uns der Fukushima-Effekt 2011 gebracht hat“, kommentierte AL-Vize Eckhard von der Lühe das Minus von mehr als neun Prozent. Wenige Wochen nach dem Reaktorunglück in Japan hatte die AL ihren Stimmenanteil um 5,4 auf 33,5 Prozent gesteigert. Jetzt folgte der Absturz auf 24,2 Prozent. „Wir würden die Koalition mit der CDU gern fortsetzen“, hatte die AL-Vorsitzende Perihan Demirdöven am Wahlabend gesagt, als beide Parteien nur gut sechs Prozentpunkte auseinander lagen. Auch für von der Lühe war es gestern „überhaupt keine Frage, dass wir zuerst mit unserem bisherigen Partner reden“. Seiner Ansicht nach haben die 15 Prozent der Rödermärker, die bei der Kreistagswahl für die AfD gestimmt haben, bei der Kommunalwahl ihre Kreuzchen bei FDP und FWR gemacht.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Rödermark

Werner Popp rückte vom SPD-Listenplatz fünf nach vorne.  

„Viele Wähler sind mit den großen Parteien unzufrieden. Und Protestparteien wie die AfD oder die Piraten waren in Rödermark nicht angetreten“, nimmt FWR-Vorsitzender Peter Schröder mögliche Stimmen rechtspopulistischer Wähler gelassen hin und will sich in keine Ecke drängen lassen. Er führt den Erfolg auf die gute Oppositionspolitik zurück, die die kleinen Parteien gegen die schwarz-grüne Dreiviertel-Mehrheit geleistet hätten. Seiner Ansicht nach bleiben die FWR auch in den kommenden fünf Jahren in der Opposition: „Wir streben nicht unbedingt einen Sitz in der Regierung an.“

Bei der FDP lieferten sich Dr. Rüdiger Werner (Bild) und Tobias Kruger bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

So sieht"s auch der zweite Wahlgewinner aus der Opposition. Natürlich werde jeder gehört, der anruft, sagt FDP-Vorsitzender Tobias Kruger. Für ihn stehen Inhalte an erster Stelle: „Wir verkaufen uns nicht um jeden Preis.“ Die SPD hat ihren Negativtrend der vergangenen Wahlen gestoppt, Parteivorsitzender Hidir Karademir ist dennoch „tief enttäuscht“, dass die Arbeit von Armin Lauer und seiner Fraktion vom Wähler nicht gewürdigt wurde. Seiner Ansicht nach blieb die Rödermärker SPD unter 16 Prozent, weil sie in Berlin der kleinere Partner der großen Koalition ist.

Quelle: op-online.de

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