Krebs-Diagnose für Synchronschwimmerin

Härter als jeder Wettkampf

+
Die jüngsten „Synchros“ - korrekt: die Synchronschwimmerinnen des MTV Urberach - tummeln sich im Badehaus wie die sprichwörtlichen Fische im Wasser.

Urberach - Synchronschwimmerin Manuela Eder hat bei Welt- und Europameisterschaften um Medaillen gekämpft. Seit Dezember führt sie ihren härtesten Kampf - da diagnostizierten die Ärzte Krebs. Von Christine Ziesecke

Hochbetrieb im Badehaus: Viele Mädchen und junge Frauen schwimmen kunstvolle Figuren. Die Älteren machen all die Sachen im Wasser, die von den Zuschauern entweder milde belächelt oder grenzenlos bewundert werden. Am Beckenrand steht eine zierliche Frau mit einem bunten Tuch um den Kopf: Manuela Eder, seit 1976 Synchronschwimmerin beim MTV Urberach und in ihrem Sport die Vorzeige-Frau des vergangenen Jahrzehnts. Ihre Meisterschaftsliste will fast nicht enden: Die Trainerin und Wertungsrichterin war 2004 Rödermarks Sportlerin des Jahres. 2010 bis 2014 wurde sie Deutsche Meisterin in der Solo-Show, 2015 Deutsche Vizemeisterin im Solo. In Europa wurde sie 2007 Zweite im Solo-Auftritt, 2009 Sechste und 2013 Fünfte; zusätzlich Siebente im Duett mit Miriam Ecke. 2004 wurde Manuela Eder Weltmeisterin im Duett mit Cathy Kleindienst; 2012 belegte sie bei den Solo-Weltmeisterschaften Platz sieben.

Seit Dezember 2015 weiß die 44-Jährige, dass sie Brustkrebs hat. Seither kämpft sie ebenso heftig gegen ihre Krankheit wie sie zuvor um sportliche Ehren gekämpft hat. Manuela Eder ist dabei ein Vorbild an guter Laune und natürlicher Fröhlichkeit, vor allem im Umgang mit ihren Schülerinnen. Auch wenn sie im Badehaus mal zu einem Stuhl wankt, weil ihr zwischen zwei Chemotherapien schwindelig wird in der feucht-warmen Schwimmbadluft. Aber Manuela Eder ist voller Hoffnung; ihre medizinischen Prognosen sind gut, und ihre Trainingsarbeit hat sie zwischenzeitlich an Anna Fantur und Christiane Hahn abgegeben. Die ganz Kleinen werden von Tanja Hermann trainiert.

Doch die erfahrenste Kunst- und Synchronschwimmerin weit und breit ist fast immer da. Und sie ist ohne viele Worte immer die oberste Instanz, das spürt jeder im Badehaus. Sie ist Motivation pur, für die ganz Jungen wie auch für ihre derzeitigen Trainerinnen. „Diese Sportart zeichnet sich durch eine Vielseitigkeit aus, die kein anderer Sport bietet, von koordinativer Leistung über Beweglichkeit und Ballettelemente bis zu Sprung und Wurfelementen aus der Sportakrobatik – und natürlich alles neben dem ‚normalen’ Schwimmen“, begeistert sie sich und schafft es, diese Begeisterung weiterzugeben.

Das zeigt sich nicht zuletzt an den Zahlen, auf die sie stolz sein kann: „Wir haben derzeit rund 30 Aktive ab sechs Jahren, Alter nach oben offen, die regelmäßig ins Training kommen!“ Vor gut einem Jahr waren es noch ganze acht gewesen. Mangels weiterer Vereine kommen die Schwimmerinnen aus etwa 30 Kilometer Umkreis zum Training nach Urberach. Wegen der wenigen Vereine und Aktiven in dieser technisch anspruchsvollen und sehr anstrengenden Sportart gibt’s kaum Wettkämpfe, in den sich die Schwimmerinnen messen können: die eigenen Vereinsmeisterschaften (in diesem Jahr am 21. und 22. Mai), die Hessischen Meisterschaften (am 11. und 12. Juni) und die German Masters vom 24. bis 26. Juni.

Manuela Eder hat Bescheidenheit lernen müssen: „Wir Synchros müssen mit minimalen Wasserzeiten auskommen. Wir haben nur einmal wöchentlich zu später Stunde das ganze Becken für 90 Minuten. Zudem ist das Wasser hier im Badehaus für unseren Sport viel zu warm und das Becken für offizielle Wettkämpfe zu klein. Daher sind die erzielten Leistungen und Erfolge besonders hoch einzuschätzen.“

Und dann sind da die Trainingszeiten: Sonntag morgens von 8 bis 9 Uhr und montags von 19 Uhr bis 20.30 Uhr – das ist nicht nur für die ganz Jungen eine echte Herausforderung. Unter diesen Bedingungen Weltmeisterin zu werden schafft nur eine Manuela Eder, die sich inzwischen auch noch intensiv für die Finanzierung der MTV-Mannschaft einsetzt und sich bei preis-würdigen Projekten bewirbt. So hat sie beim Ehrenamtspreis der Drogeriekette DM 1000 Euro erwirkt und bewirbt sich um den Lou-Röder-Preis des Landessportbundes für die Belange des Sports und den Einsatz für frauenfreundliche Vereinsangebote. Manuela Eder ist eben die erfolgreiche Kämpferin, nicht nur für sich selbst und gegen den Krebs.

Feuerwehr-Fotoaktion für krebskranken Jungen

Quelle: op-online.de

Kommentare