Heimat aus der Sicht eines Vogels

Andere Liste zeigt Rödermark aus ungewohnter Perspektive

+
Ober-Rodens Ortsmitte von oben: Constantin Pfeifers Drohne ist natürlich auch über Kirche - damals noch mit Uhr -, Marktplatz, Rathaus und Kulturhalle geflogen.

Rödermark - Die Andere Liste (AL) ist unter die Heimatfilmer und in die Luft gegangen. Sie hat drei Rödermark-Kurzporträts gedreht, am Montagabend war in den Neuen Lichtspielen Uraufführung und letzte Kino-Vorstellung zugleich. Von Michael Löw 

220 Zuschauer kamen ins Kino - mehr als im November zur Premiere von James Bond. Natürlich transportiert die Andere Liste in einem ihrer drei Filme diverse grüne Botschaften. Sie will schließlich am 6. März ihre Position als zweitstärkste Kraft im Rödermärker Parlament verteidigen. Doch auch aus jedem anderen politischen Blickwinkel sind die Filme sehenswert. Zumal einer ein Stummfilm ist. „Die Idee schwirrte schon vor Jahren in meinem Kopf herum“, erläutert AL-Vize Eckhard von der Lühe die Entstehungsgeschichte. Bis dann eine Drohne durch die Luft schwirrte, ging jedoch eine Menge Zeit ins Land. Der Stadtverordnete Gerhard Schickel, dessen Brötchengeber den neuen Firmensitz in den Urberacher „Rennwiesen“ hatte aus der Vogelperspektive filmen lassen, brachte einen Arbeitskollegen mit fliegender Kamera ins Spiel. Von der Lühe: „Von da an wurden wir alle ganz heiß!“

Schickel und Drohnenbesitzer Constantin Pfeifer sammelten an klaren Spätsommertagen dreieinhalb Stunden Material. Die Drohne flog über Kirchen und Rathäuser, Badehaus und Berufsakademie, Kleingärten und Rodau-Auen und andere Klassiker. Der Blick von oben offenbart aber auch ganz überraschende Einsichten: In der Ruine des abgebrannten „Paramount Park“ wächst zwischen den Resten von Bühne und Bars ein kleiner Wald. Ums Organisatorische kümmerte sich AL-Stadträtin Karin von der Lühe. Sie holte zum Beispiel bei der Deutschen Flugsicherung in Langen die Genehmigungen, die Pfeifer und Schickel für jeden einzelnen Drohnenflug brauchten. Sie googelte sich auch lange durchs Internet, bis sie für bescheidene 25 Euro Musik fand, mit denen die AL ihre Filme bei Veröffentlichung untermalen konnte. Das klingt einfach, ist angesichts des komplizierten Urheberrechts und findiger Abmahn-Anwälte eine eher komplizierten Sache.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Rödermark

Karin von der Lühe steuerte aus dem gut 900 Motive umfassenden AL-Fotoarchiv auch jene Standbilder bei, die aus dem reinen Luftfilm eine wahlkampftaugliche Multimediaschau machten. Der Urberacher Biologe, Regisseur und Theatermann Volker Heymann hat diesen zweiten Film kommentiert - mal mit Heimatfilm-Pathos („In Rödermark fließen Milch und Honig.“ nach Bildern des Kuhstalls von Werner Gaubatz und eines Bienenstocks), mal durchaus launig: „Hier werden künftige Führungskräfte herangezogen, die vielleicht das Badehaus übernehmen“, sagt Heymann beim Überflug der Berufsakademie. Die Zuschauer kommentierten die Rödermark-Triologie mit viel Lob: „Wir haben ganz neue Einblicke bekommen.“ Die Filme bekamen sie auf einem USB-Stick „Made in China“ voller Grün mit auf den Heimweg.

Quelle: op-online.de

Kommentare