Stadtbrandinspektor legt Jahresbericht vor

Feuerwehr hart an der Belastungsgrenze

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Rödermark - Schwere (Verkehrs-)Unfälle, die auch hart gesottenen Einsatzkräften an die Nieren gehen, ein teilweise arg in die Jahre gekommener Fuhrpark, nach wie vor wenig schnell verfügbare Helfer bei Einsätzen tagsüber. Von Michael Löw 

Das ist die Negativliste, die Stadtbrandinspektor Herbert Weber bei der Hauptversammlung der Rödermark-Feuerwehren vortrug. Aber er hatte auch Positives zu berichten. Wie lassen sich schnelle Hilfe im Ernstfall und vorbeugender Brandschutz trotz leerer Kassen bewerkstelligen? Die Freiwillige Feuerwehr Rödermark hat diesen Spagat auch 2014/2015 geschafft. Stadtbrandinspektor Herbert Weber zählte bei der Hauptversammlung die Probleme auf, gegen die seine Leute kämpfen müssen. Doch er beließ es nicht beim Klagen: Die Stadt habe „alles unternommen“, dringend notwendige Maßnahmen möglichst ohne Kürzung in die Tat umzusetzen: neue Helme und persönliche Schutzausrüstung, die Umstellung der Atemschutzgeräte auf Überdruck, Ersatz für ein Löschfahrzeug im März 2016.

Weber mahnte weitere Neuanschaffungen an: Der Gerätewagen Gefahrgut hat 35 Jahre auf dem Buckel, ein Löschfahrzeug 28 Jahre. Nachdrücklich forderte er in Anwesenheit von Bürgermeister Roland Kern und Erstem Stadtrat Jörg Rotter die schon lange versprochene Modernisierung der Feuerwehrhäuser. Dort fehlen zum einen Lager- und Verwaltungsflächen. Gravierender ist allerdings die fehlende Trennung von Schwarz und Weiß: Einsatzkräfte mit verschmutzter Ausrüstung treffen auf „saubere“ Kollegen. Immerhin: Erste Notmaßnahmen hat die Stadt umgesetzt. Und aus den 2,5 Millionen Euro des kommunalen Investitionsförderprogramms von Bund und Land sind 415.000 Euro für die Feuerwehr bestimmt.

Bilder: Großbrand im Industriegebiet von Ober-Roden

In der Einsatzabteilung tun 126 Männer und 14 Frauen Dienst. Das sind acht weniger als ein Jahr zuvor. Webers Einschätzung der Personalsituation: „grundsätzlich befriedigend“. Tagsüber - und da fallen laut Weber 70 Prozent der Einsätze an - sieht"s schlechter aus. Theoretisch hat der Stadtbrandinspektor 33 Leute zur Verfügung. Doch nicht alle können von ihrer Arbeitsstelle weg, wenn der Piepser geht. Ein weiteres Problem sind die langen Schließzeiten der Schranken in der Dieburger Straße. Wartezeiten von fünf bis acht Minuten kosten bei einer Hilfsfrist von zehn Minuten viel wertvolle Zeit.

Rödermärker Feuerwehrleute bargen im vorigen Jahr drei Leichen und retteten 34 Verletzte, von denen einer in der Klinik starb. Diesen Mann hatten sie an der B 45 aus dem Trümmern seines Autos geschnitten und ihm Erste Hilfe geleistet. Bei solchen Einsätzen gehen die Helfer an ihre Belastungsgrenzen.

Quelle: op-online.de

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