Ex-Eintrachtstürmer Oskar Lotz fiebert mit

Schicksalsderby treibt den Blutdruck

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Oskar Lotz

Urberach - Das Schicksalsderby zwischen Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 lässt Fußballfans auch in Rödermark nicht kalt. Ganz besonders fiebert Oskar Lotz mit, sobald die Profis heute auflaufen. Der 76-Jährige ist der Urberacher mit den meisten Erstligaeinsätzen.

Seine 97 Bundesligaspiele bestritt der Stürmer (19 Tore) von 1965 bis 1969 alle für die Eintracht. Den stark abstiegsgefährdeten Frankfurtern drückt Oskar Lotz, der von allen nur „Ossi“ gerufen wird, heute im Derby die Daumen. Selbst wenn er durch seine zehnjährige Tätigkeit als Trainer bei der TG 75 Darmstadt auch im „Lilien“-Lager viele Freunde hat und das Darmstädter Aufstiegsmärchen bewundert. Trotzdem will er die Eintracht weiter in der Ersten Liga sehen: „Ich hoffe, dass Frankfurt gewinnt. Die Darmstädter hätten auch noch eine Chance auf den Klassenerhalt, wenn sie verlieren sollten. Bei der Eintracht würde es dann aber schlecht aussehen. Mein Tipp: 2:1 für die Eintracht.“

Mit Abstiegsängsten musste sich Oskar Lotz in seiner Bundesligakarriere nie auseinander setzen. Während seiner Zeit in Frankfurt belegte die Eintracht die Plätze 7, 4, 6 und 8. Lotz spielte mit der Eintracht im Messepokal, der heutigen Europa-League. Besonders gut sind ihm zahlreiche Auslandsreisen in der Saisonvorbereitung und im Winter in Erinnerung, etwa nach Argentinien, Mexiko, Ägypten oder Japan. Hört sich alles etwas entspannter an, als der Abstiegskampf der heutigen Profigeneration. Die mit dem Derby am Wochenende einhergehende Sicherheitsdiskussion verfolgt Lotz mit Schrecken: „Wir sind früher bei den Fans gestanden und haben noch einen Schoppen getrunken. Alles vorbei!“

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Obwohl er sportlich seine erfolgreichste Zeit bei der Eintracht hatte und auch heute noch von Vorstandsboss Heribert Bruchhagen regelmäßig zum Geburtstag gratuliert bekommt, war Oskar Lotz bei der SGE nie Vereinsmitglied. Mitgliedsausweise hat er dagegen von seinem Heimatverein Viktoria Urberach und von den Offenbacher Kickers.

Bis 1961 spielte er bei der Viktoria in der 1. Amateurliga. In diese Zeit fällt auch der größte Erfolg des Vereins, der Hessenpokalsieg 1958. 1961 ging es weiter zum OFC, für den er vier Jahre spielte und in dieser Zeit von Sepp Herberger für die U23-Auswahl des DFB nominiert wurde. Auch wenn es bei seinem Wechsel vom OFC zur Eintracht zwischen beiden Vereinen wegen der Ablösesumme von 50.000 Mark zum Streit kam und in den Zeitungen vom „Fußball-Krieg am Main“ die Rede war, betont Lotz auch heute noch sein gutes Verhältnis zur Eintracht und zum OFC.

Bundesligaspiele in der Commerzbank-Arena schaut er sich zwar nicht an. Lotz war aber schon bei Veranstaltungen im Eintracht-Museum und besuchte unter anderem die große Feier zum 70. Geburtstag seines früheren Mitspielers Jürgen Grabowski.  Zu Spielen der Kickers geht Lotz dagegen manchmal, etwa wenn OFC-Idol Hermann Nuber ruft. Auch bei Feiern der Traditionsmannschaft „Die Waldis“ ist er dabei. Am regelmäßigsten schaut Lotz Spiele der Viktoria.

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Nach vier Bundesligajahren, wie sie Oskar Lotz in den sechziger Jahren absolvierte, hätten die heutigen Profispieler gleich für mehrere Leben ausgesorgt. „Zu mir sagen sie immer: ‘Ossi, heute könntest Du Millionen verdienen!‘“, erzählt Lotz. Neid auf die heutige Spielergeneration ist ihm aber völlig fremd: „Wir hatten doch die viel schönere Zeit. Wir hatten alle nebenbei noch unsere Berufe, das hat uns unabhängig gemacht.“

Das war für Lotz 1969 von Vorteil, als er trotz eines noch zwei Jahre laufenden Vertrages seinen Abschied bei der Eintracht nahm. Mit dem damaligen Jung- und späteren Bundestrainer Erich Ribbeck („Der ist zum Lachen in den Keller gegangen und wollte nur junge Spieler.“) kam der immer fröhliche Stürmer nicht wirklich klar. Daher ließ er seine Karriere lieber beim damals wie heute zweitklassigen FSV Frankfurt ausklingen und kümmerte sich verstärkt um seine berufliche Laufbahn.

Bei der Firma Herdt, die viele Jahre in Offenbach die Konzession hatte, Coca-Cola abzufüllen und zu vertreiben, arbeitete Lotz bereits während seiner aktiven Zeit. Insgesamt war der Mechaniker dort über 40 Jahre beschäftigt, unter anderem im Außendienst und als Werkstattleiter. Nebenbei arbeitete er auch viele Jahre als Sportlehrer und Trainer von Amateurmannschaften.

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Auch wenn nicht das ganz große Geld bezahlt wurde, lohnte sich ein Engagement im bezahlten Fußball natürlich auch vor 50 Jahren. Mit einem Schmunzeln erinnert sich Lotz an den Bau des Hauses der Familie in der Urberacher Friedhofstraße: „Der OFC hat den Keller bezahlt, den Rest vom Haus die Eintracht.“

Dem Fußball jagt Lotz mittlerweile nicht mehr hinterher, dafür spielt er mit Freunden sehr gerne und Tennis und Golf. Außerdem ist er zweimal täglich mit seinem Hund unterwegs. Auch vier Enkelkinder halten Lotz, der mit seiner Frau Elfriede zwei Töchter hat, in Schwung. Ohnehin gilt ein großes Lob seiner Ehefrau Elfriede, die ihn in all den Jahren immer stark unterstützt habe.

Bei seiner Viktoria schaut sich Lotz jedes Heimspiel der ersten Mannschaft an und weiß derzeit nur Positives über die Leistungen des Tabellenvierten zu berichten. „Die machen gute Arbeit. Nur schade, dass Trainer Max Martin am Saisonende den Verein verlässt. Es ist aber gar nicht so entscheidend, ob die erste Mannschaft eine Klasse höher oder tiefer spielt. Die Aufgabe der Viktoria ist es, dass sie der Jugend eine Plattform bietet, Sport zu treiben.“ Schade findet Lotz, dass zu Amateurspielen immer weniger Zuschauer kommen. „So viele hatten wir früher beim Training“, erinnert sich der ehemalige Stürmer. (ey)

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Quelle: op-online.de

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