Streuobstwiesen brauchen schon mal die Motorsense

Hier wächst der 2016er Äppler

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Zwischen den westlichen Ortsrand von Urberach, der Straße nach Messel und dem Umspannwerk braucht die Natur gelegentlich menschliche Unterstützung: Ohne die Pflege - auch mit Kettensäge und Motorsense - überwuchert Wildwuchs die alten Obstbäume.

Urberach - 22 Hektar Streuobstwiesen bilden am „Kallemannsberg“ ein „Kulturbiotop, an das man regelmäßig ran muss“. Geld für die Pflege ist da - sogar reichlich. Doch letztlich fehlt’s an Helfern, die Wildwuchs unter alten Apfelbäumen beseitigen. Von Michael Löw

Imkerin Tanja Behre hat am „Kallemannsberg“ Bienenstöcke stehen; ihr knapp ein Dutzend Völker sichert die Bestäubung der Obstbäume und damit den Nachschub für die letzten Kelterer.

Immerhin: Drei dieser 22 Hektar sind wieder die menschgemachten Biotope, die sie vor Jahrzehnten waren. Die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, unter anderem für den behördlichen Umweltschutz verantwortlich, nennt den Urberacher Westen ein „im positiven Sinne amtsbekanntes Gebiet“. 2007 hatte Rödermarks früherer NABU-Vorsitzender Werner Weber angefangen, die Streuobstwiesen mit Hilfe von Zivildienstleistenden und Freiwilligen von unerwünschtem Grün zu befreien. Brombeeren und japanische Traubenkirschen überwucherten dort jene alten (Apfel-)Bäume, deren Früchte kaum noch jemand erntete. Der Naturschutzbund ließ das 22 Hektar große Gebiet kartieren und machte Fördermittel unter anderem vom Kreis locker. Auf drei Hektar wurden seither Büsche und Sträucher gerodet und Bäume fachgerecht geschnitten. 2009 verteilte der Kreis 76 Obstbäume meist alter Sorten an Urberacher, die ihre Grundstücke wieder „aufforsten“ wollten. Das Gras unter den Bäumen wird einmal pro Jahr gemäht; die Pferde des Offenthaler Bauern Köppen weiden einige Wiesen ab. Der Nabu hat rund 5 000 Quadratmeter gepachtet und nicht nur entbuscht: Imkerin Tanja Behre hat dort Bienenstöcke aufgestellt, die Bestäubung der Obstblüten ist gesichert.

In den Streuobstwiesen brüten Steinkauz, Grün- und Grauspecht, Nachtigal, Zilpzalp und Mönchsgrasmücke. Die Rekultivierung war und ist allerdings eine komplizierte Sache. 140 Eigentümer, darunter auch Erbengemeinschaften, teilen sich die oft nur handtuchschmalen Grundstücke, an denen sie eigentlich kein Interesse mehr haben. „Ich weiß von einer Frau, die 20 Jahre nicht mehr auf ihrem Grundstück war“, berichtete NABU-Vorsitzender Dr. Rüdiger Werner.

Viel Streit gab’s auch um die Gärten in den Streuobstwiesen. Zäune, Fliederhecken und Hütten hatten nach Ansicht der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises dort nichts zu suchen und mussten beseitigt werden. Auf lange Sicht hat das der Landschaft gut getan. Doch die verprellten Gärtner ließen ihre Grundstücke erst einmal verwildern. Und da viele zwischen amtlichem und verbandlichem Naturschutz nicht unterschieden, wurden Werner und seine NABU-Kollegen oft des Feldes verwiesen, wenn sie Büsche schneiden oder Gras mähen wollten.

Die Pflege der Streuobstwiesen ist mittlerweile keine Frage des Zutritts oder des Geldes mehr, sondern eine Frage der Helfer. Der NABU hat ab September wieder zwei Stellen des Bundesfreiwilligendienstes frei. Doch bisher, so Werner, gab’s noch „keine sinnvolle Bewerbung“. Landschaftspfleger könnten aus dem Vollen schöpfen. Denn kreisweit stehen, so Umweltdezernentin Jäger, 1,7 Millionen Euro zur Verfügung - unter anderem aus der Öko-Ausgleichsabgabe.

  • Potenzielle Partner - in der Regel Vereine oder Verbände, ausnahmsweise auch Privatleute - können sich bei der Unteren Naturschutzbehörde im Kreishaus nach Fördermitteln erkundigen. Ulrike Schmittner, Tel.: 06074/8180-4122, erläutert die Formalien. Der NABU Rödermark sucht außer Bundesfreiwilligendienstlern auch ehrenamtliche Helfer für die Landschaftspflege. Leute, die keine Scheu vor körperlicher Arbeit haben und auch mal einen Regenschauer vertragen, können sich bei Rüdiger Werner (Tel.: 069/305-80014, abends 06074/95488) oder Verena Henschler (Tel.: 06074/914199) melden.

Quelle: op-online.de

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