Rotes Kreuz plant Lebensmittelausgabe in Ober-Roden

Hilferuf aus dem „Brotkorb“: Helfer an Belastungsgrenze

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Der Andrang der Kunden im „Rödermärker Brotkorb“ jeden Donnerstag wird immer größer. Deshalb nehmen die ehrenamtlichen Helfer keine neuen mehr an.

Rödermark - Der „Brotkorb“, die Lebensmittelverteilstelle in Urberach, wird dem Ansturm kaum noch Herr und kann keine neuen Bedürftigen aus Ober-Roden mehr bedienen. Die sollen künftig vom Deutschen Roten Kreuz in der Dockendorffstraße versorgt werden. Von Christine Ziesecke und Michael Löw

Hunderte von Menschen brauchen auch im wohlhabenden Rödermark gespendete Lebensmittel, um sich und ihre Familien einigermaßen ordentlich versorgen zu können. Arbeitslosen, Geringverdienern, alten Menschen mit Minirenten, Alleinerziehenden und Migranten fehlt schlicht und einfach das Geld zum Einkaufen. Eine Gruppe beherzter Christen eröffnete deshalb vor zehn Jahren im evangelischen Gemeindehaus Urberach den „Rödermärker Brotkorb“. Bedürftige können zum symbolischen Preis von einem Euro eine Tüte Lebensmittel kaufen. Doch die Eröffnung des Flüchtlingsheimes in der Odenwaldstraße hat die ehrenamtlichen Helfer an ihre Grenzen gebracht. Derzeit kaufen rund 130 Inhaber des Rödermark-Passes für sich und ihre Angehörigen ein. Dazu kommen seit Mai noch schrittweise bis zu 80 Flüchtlinge aus der Odenwaldstraße - das ist aus räumlichen Gründen für das „Brotkorb“-Team nicht zu schaffen. „Da steigen sie uns hier im Petrus-Keller, wo wir inzwischen im Flur mitverkaufen, allein schon feuerpolizeilich aufs Dach“, gibt Ingeborg Strasser zu bedenken.

Das Rot-Kreuz-Heim in Ober-Roden wird zur zweiten Lebensmittelausgabe für Bedürftige.

Auch das Team ist überfordert; die meisten Helferinnen und Helfer sind seit der Gründung dabei; sie sind wie eine Familie. Von dem vertrauten Umgang untereinander profitieren auch die Kunden. Sie werden respektvoll betreut und gewinnen das Gefühl, nicht nur geduldet zu sein. Doch mehr geht nicht im Petrus-Keller. Die Anfrage von Brigitte Putz-Weller vom Netzwerk Integration Rödermark (NIR), ob sie als Alternative einen zweiten Laden in Ober-Roden eröffnen könnten, haben die „Brotkorb“-Leute ohne großes Zögern abgelehnt. Sie können weder noch mehr Kunden übernehmen noch eine Filiale betreuen - das haben sie in Gesprächen mit NIR, mit Monika Hainz vom städtischen Sozialdienst und Wolfgang Müller vom Roten Kreuz Ober-Roden deutlich gemacht. „Gerne würden wir auch die Neuankömmlinge in Ober-Roden mit betreuen, aber es geht einfach nicht. Wir haben keine Kapazität mehr, weder an Platz noch an Mitarbeitern“, sagt Ingeborg Strasser klipp und klar. Sie und ihre Mitstreiter hoffen auf Entlastung, zumal vieles ihrer Kräfte und ihres Potenzials für das wöchentliche Auf- und Abbauen des Verkaufsraumes draufgeht. „Wir sehen die Zukunft aber entspannt. Wir werden einen zweiten Laden - mit welchem Konzept auch immer - auf alle Fälle nicht als Konkurrenz, sondern als Entlastung ansehen“, bestätigt Marita Weber.

Selbstgemachtes für die Mittagspause

Der Hilferuf des „Brotkorbs“ erreichte die Stadt vor rund einem Vierteljahr, sagte Sozialdezernent Jörg Rotter gegenüber unserer Zeitung. Er habe drei Sozialvereine gefragt, doch nur das Rote Kreuz signalisierte Bereitschaft. In seinem Vereinsheim in der Dockendorffstraße ist Platz für eine Lebensmittelausgabe. Rotter: „Der Vorstand klärt mit dem Kreis ab, wie die hygienischen Bedingungen erfüllt werden können.“ Ober-Rodens Rot-Kreuz-Vorsitzender Wolfgang Müller bestätigte diese Fakten, gibt sich ansonsten aber bedeckt. Einzelheiten wie Öffnungszeiten oder die Modalitäten der Kundenbetreuung werde er erst nach Gesprächen mit dem „Brotkorb“ Anfang nächster Woche und mit allen Sozialvereinen Anfang übernächster Woche mitteilen. Das Konzept der Lebensmittelausgabe orientiere sich an dem des Sozialkaufhauses in der Dieburger Straße. Dessen Team besteht aus hauptamtlichen Mitarbeitern und Freiwilligen.

Quelle: op-online.de

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