Unterkünfte sollen Notquartiere in Turnhallen überflüssig machen

Holzhäuser Herberge für Flüchtlinge

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Der Ober-Röder Unternehmer Manfred Rädlein will mit einfach zu bauenden, aber komplett ausgestatteten Holzhäusern kurzfristig verfügbaren für Flüchtlinge schaffen. Kreissozialdezernent Carsten Müller stellt das Projekt in den nächsten Tagen jenen Kommunen vor, die Turnhallen zu Notquartieren umfunktioniert haben.

Ober-Roden - Auch wenn die Balkan-Route dicht ist und derzeit weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Die Suche nach Quartieren für diese Menschen wird für Städte und Gemeinden zum immer größeren Problem.

Wohnungen sind knapp, Notlösungen wie Turnhallen oder Bürgerhäuser beschwören Ärger geradezu herauf. Der Ober-Röder Unternehmer Manfred Rädlein baut mobile Holzhäuser, die voll eingerichtet und winterfest sind. Manfred Rädlein, Geschäftsführer der Firma Global Holz und Vorsitzender des Gewerbevereins Rödermark, handelt seit Jahrzehnten mit Sperrholz, Rundhölzern und Furnieren - Holz als Arbeitsmaterial sozusagen. 2014 stieg er in Höxter in ein Unternehmen ein, das Holz zuschneidet und genormte Einzelteile an Verpackungs-, Möbel- und Bauindustrie liefert.

Auf die Idee, solche Einzelteile für Menschen in Not zusammenzubauen, brachte ihn seine Frau Erika. „Als immer mehr Flüchtlinge auch zu uns nach Rödermark kamen, sagte sie: „Guck doch mal, ob du aus deinem Holz Häuser bauen kannst.“ Dieser Gedanke ging mir nicht mehr aus dem Kopf“, schildert Rädlein die Anfänge. Schnell aufbaubare Holzhäuser gaben zum Beispiel vielen Familien ein Zuhause, die das Erdbeben 2013 in Norditalien obdachlos gemacht hatte. Sie hätten sonst den Winter in Zelten oder anderen Notunterkünften verbringen müssen. Die beiden Rädlein-Unternehmen bieten zwei Haustypen an. Das Einzelhaus hat auf einer Fläche von knapp 34 Quadratmetern Platz für acht Bewohner: zwei Schlafzimmer mit Stockbetten, Küche, Aufenthaltsraum, Waschmaschine, Dusche und Toilette. Das gleiche Konzept gibt’s als stapelbares Modul. Beide Typen sind wärmegedämmt, möbliert und mit Strom- und Wasseranschluss ausgestattet. Die Lieferzeit beträgt vier Wochen. Sobald die Holzhäuser stehen, können sie bezogen werden.

Sie kosten 27.000 beziehungsweise 39.500 Euro plus Fundament und Mehrwertsteuer. „Natürlich wollen wir Gewinn machen. Aber wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass wir in der Flüchtlingskrise die Kommunen abkassieren wollen“, erläutert Rädlein die Preispolitik. Der Umbau leer stehender Lagerhallen oder Büros komme weit teurer. 15 Kommunen, darunter auch seiner Heimatstadt Rödermark, hat Manfred Rädlein die Holzhäuser schon angeboten. Göttingen hat diese Woche 25 Doppel- und fünf Einzelhäuser gekauft. Im Rhein-Main-Gebiet hält sich das Interesse noch in Grenzen. Rädlein: „Die Städte hier wollen zunächst bestehende Immobilien nutzen. Aber da ist ein Ende abzusehen.“ Kreissozialdezernent Carsten Müller will die Holzhäuser in den nächsten Tagen allen Städten vorstellen, die Flüchtlinge in Turnhallen, Bürgerhäuser oder anderen Behelfsunterkünften einquartiert haben.

Quelle: op-online.de

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