4000 Legenden im Kleinformat

Horst Denner besitzt Europas größte Porsche-Sammlung

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Ein Zimmer hat Horst Denner für seine Porsche-Sammlung leer geräumt, doch das reicht schon lange nicht mehr. Vitrinen im Büro und auf dem Flur dienen als Garagen für mehr als 4 000 Modellautos nahezu jeglicher Größe. 200 stellt er am 2. und 9. Oktober im Töpfermuseum aus.

Urberach - Selbst der Sultan des Ölscheichtums Brunei oder Fußballstar Christiano Ronaldo dürften neidisch auf Horst Denner sein. Denn der ist stolzer Besitzer von 4 000 Porsches - allerdings nur im Kleinformat. Was den Neid der Reichen wiederum in Grenzen halten dürfte. Von Michael Löw

Rund 200 seiner Modelle stellt der Unternehmer an den nächsten beiden Sonntagen im Urberacher Töpfermuseum aus. Europas größte Porsche-Flotte parkt im Westen von Urberach. Mehr als 4 000 Modelle in Maßstäben zwischen 1:5 und 1:43 nennt Horst Denner sein eigen. Ein komplettes Zimmer seines Hauses steht voller Vitrinen mit den legendären Sportwagen aus Zuffenhausen, doch dieser Platz reicht längst nicht mehr. Schränke im Büro oder Regale auf dem Flur dienen als Behelfsgaragen. Hunderte von Porsche-Büchern und Sammelbänden zeugen ebenso von Horst Denners Lieblingsmarke wie große Gemälde von allen bedeutenden Rennstrecken der Welt. Seine Porsche-Leidenschaft entdeckte er als 17-Jähriger 1955. „Das rote Auto im Hof eines Apothekers im Frankfurter Sandweg habe ich noch heute ganz klar vor Augen“, erzählt er. Es war ein 356er Speedster.

Porsche-Modelle fielen Horst Denner in den siebziger Jahren erstmals so richtig auf - ausgerechnet in Italien, der Heimat von Ferrari und Lamborghini. Doch diese Modelle ließen ihn kalt. Zug und Zug - oder sollte man besser Auto um Auto sagen? - baute er seine Sammlung auf. Wobei das Bauen wörtlich zu nehmen ist, denn fertige Modelle kamen anfangs nicht in die Denner’schen Schränke. Der Maßstab 1:43 war seine bevorzugte Größe, doch das änderte sich im Lauf der Jahre. Inzwischen baut Horst Denner auch nicht mehr selbst, sondern hat einen Experten ausfindig gemacht, der ihm diese Arbeit abnimmt.

Rennwagen sind das Herzstück der Sammlung. Horst Denner hat sich auf jene Modelle spezialisiert, die in Le Mans, Daytona oder auf dem Nürburgring einen Sieg nach dem anderen einfuhren. Der Porsche 956/962 war der erfolgreichste Sportwagen aller Zeiten. Bei den legendären 24 Stunden von Le Mans fuhren seit 1952 840 Porsches mit. 770 davon gibt es als Modell, und die hat Denner alle daheim. „Das dürfte sogar weltweit einmalig sein“, rückt er diesen Teil seiner Sammlung ins rechte Licht. Horst Denner besitzt natürlich auch sämtliche Modelle der nur für die Straßen gebauten Porsche-Typen, darunter auch den 550er Spyder, in dem sich Hollywood-Legende James Dean zu Tode raste. Die Straßenfahrzeuge will Denner aber nach und nach zugunsten der Rennwagen reduzieren.

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In den vergangenen vier Jahrzehnten hat sich der Wahl-Urberacher zu einem Porsche-Lexikon auf zwei Beinen gemausert. Er kennt alle Panzertypen, für die die Familie Porsche während des Zweiten Weltkriegs die Türme lieferte, und zeigt augenzwinkernd auf Traktoren mit dem Porsche-Emblem auf der Motorhaube. Nach dem Krieg hat Porsche Karosserien für die Firma Allgaier gebaut. Nach deren Pleite stieg der Sportwagenhersteller einige Jahre komplett ins Geschäft mit Landwirtschaftsmaschinen ein.

Über seinen Freund Gerd Mickler, rühriges Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein Rödermark, lernte Horst Denner das Töpfermuseum in der Bachgasse kennen. Dort stellt er morgen und am 9. Oktober, jeweils von 15 bis 18 Uhr, 200 Porsche-Nachbauten aus. Er zeigt sogar belächelte Exoten aus Swarovski-Kristall. Und was fährt Horst Denner im richtigen Leben? Natürlich einen Porsche. Genauer gesagt: einen knallgelben 911er, Baujahr 1975.

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Quelle: op-online.de

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