Ein Polo steht im Walde...

Illegale Abfallentsorgung nach Rallye-Manier

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Nur mit dem Unimog konnte Jürgen Franz den Schrott-Polo aus dem Wald ziehen. Mit seinem normalen Abschleppwagen hätte er das nicht riskiert.

Ober-Roden - Einen einsamen letzten Parkplatz hat ein Mann für seinen schrottreifen Polo ausgesucht. Er fuhr ihn gut 200 Meter tief in den Wald im Breidert hinein. Das Ordnungsamt musste einen Unimog zu Hilfe holen, damit das Auto abgeschleppt werden konnte. Von Michael Löw 

Regelrecht in den Wald hineingeprügelt hat ein Unbekannter diesen VW Polo. Würde das Ordnungsamt ihn ermitteln, kann das Bußgeld mehrere tausend Euro betragen.

Sechs Autos, die ohne Nummerschild und Versicherungsschutz am Straßenrand vor sich rosteten, hat die Stadt dieses Jahr schon an den Abschlepphaken genommen. Doch Wrack Nummer sieben verblüffte selbst einen altgedienten Ordnungspolizisten wie Steffen Remus: Der blaue Polo stand fast 200 Meter weit im Wald im Breidert. „Der muss richtig Anlauf genommen haben“, zollt Remus dem Fahrer widerwillig Respekt. Vom „wumboR“-Radweg hat er das Auto über Stock, Stein Wurzeln und Baumstümpfe gegen eine junge Fichte gesetzt. Vom Weg war der Polo so gut wie unsichtbar. Ein Pilzsammler hatte Polizei und Stadt diesen sonderbaren Fund gemeldet. Das Ordnungsamt startete eine so genannte Halterabfrage beim Kraftfahrbundesamt und wurde fündig.

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Letzte Adresse der Schrottkarre war ein Frankfurter Gebrauchtwagenhändler. Dem hätte die Stadt Abschleppkosten und Bußgeld aufs Auge drücken können - hätte er nicht einen ordnungsgemäßen Kaufvertrag vorweisen können. Ein Mann mit bulgarisch oder rumänisch klingendem Namen hatte den Polo wenige Tage vorher für 250 Euro erworben. Was er vor seiner letzten Fahrt damit gemacht hat, kann Ordnungspolizist Remus nicht mehr fragen: Der einstige Polo-Besitzer hat sich nach Südosteuropa abgesetzt. Damit entgeht er einem Bußgeldbescheid über mehrere tausend Euro. Denn juristisch gesehen handelt es sich um illegale Abfallentsorgung in einem Naturschutzgebiet. Zum Glück war weder Motoröl noch Benzin in den Waldboden gesickert.

Jürgen Franz, der das Schrottauto im Auftrag der Stadt abschleppte, kam am Donnerstagmittag mit einem 42 Jahre alten Unimog-Oldtimer in den Wald. Seinem normalen Abschlepp-Lkw wollte Franz die Holpertour nicht zumuten. Mitte Januar hatte die Stadt schon einmal ein Auto unter spektakulären Umständen abschleppen lassen. Im Baugebiet „Rennwiesen“ stand ein Laster ohne Zulassung fast ein Jahr am Straßenrand. Auf ihm und um ihn türmten sich zehn Kubikmeter Müll.

Quelle: op-online.de

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