Inspector Systems in Ober-Roden:

Roboter für gefährliche Rohre

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Mehr als drei Meter misst dieser Roboter der Firma Inspector Systems, den Martin Schallmayer für den nächsten Einsatz mit einer Kamera ausrüstet.  

Ober-Roden - Sie winden sich durch Leitungen, in denen normalerweise zähes Rohöl, ätzende Chemikalien oder verstrahltes Kühlwasser von Atomkraftwerken fließen: die Roboter von Inspector Systems. Von Michael Löw

Das Unternehmen aus Ober-Roden bringt „das Unsichtbare ans Licht“, sagt Geschäftsführer Marcus Hitzel. Mit dem Unsichtbaren meint er meist Schäden, Schweißnähte oder Ablagerungen. Der kleinste Roboter ist knapp einen Meter kurz und hat einen Durchmesser von 75 Millimetern. Am oberen Ende der Produktpalette steht ein Vier-Meter-Kollege mit 1,20 Metern Durchmesser. Ein paar Dinge sind allen Typen gemein: Sie können Bögen fahren, 50 Meter senkrecht nach oben klettern und werden in Ober-Roden entwickelt und gebaut. Inspector Systems fertigt sogar die meisten Einzelteile selbst.

An die Spitze montieren Hitzels Leute je nach Einsatzzweck Kameras, Ultraschall-Prüfinstrumente oder Schleifgeräte. So bestückte Roboter schicken Ölfirmen durch ihre Offshore-Leitungen im Meer, um Schweißnähte zu beseitigen. „Wenn die weg sind, halten Rohrleitungen bis zu dreimal länger“, erläutert Marcus Hitzel. Mit Ultraschall wiederum prüfen seine Roboter von Innern einer Leitung, ob Rostfraß ihr von außen zusetzt - unverzichtbar bei Rohren, die unter der Erde oder im Wasser verlegt wurden.

Rund 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Inspector Systems in Europa. Das Unternehmen hat aber auch Kunden im Kongo, auf den Osterinseln, in Indonesien und Malaysia: Spezialisten aus Ober-Roden checkten die Leitungen auf einer Ölförder-Plattform vor der Insel Borneo. Manche der Rohre, durch die sich die Roboter winden, sind funkelnagelneu. Andere haben schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. 1913 wurden beispielsweise die Leitungen eines französischen Wasserkraftwerks verlegt, die Inspector Systems kontrollierte. Auch Fernwärmenetze sind oft schon 70 oder 80 Jahre im Dienst.

Acht bis zehn Roboter bauen die 14 Mitarbeiter des Unternehmens pro Jahr. Immer größere Bedeutung gewinnt das Dienstleistungspaket aus Roboter und Fachleuten. Die reisen mit bis zu einer Tonne Ausrüstung nach Südostasien oder Afrika. Marcus Hitzel beschreibt die Anforderungen an seine Außendienstler so: „Die sind hoch spezialisiert und müssen die Roboter 100 Prozent genau kennen.“ Außerdem ist Organisationstalent unabdingbar. Ein Spezialwerkzeug im Kongo zu kaufen, ist unmöglich.

Rainer Hitzel, der Vater des Geschäftsführers, hat Inspector Systems 1983 in einer Garage in der Odenwaldstraße gegründet, mit nur einem Techniker entwickelte und baute er Roboter. Seither wuchs Inspector Systems kontinuierlich. Das bewährte Grundprinzip ist seit 33 Jahren das gleiche geblieben. Immens weiterentwickelt haben sich Elektronik, Kameras und Prüfinstrumente. Anfang 2016 stellte das Unternehmen seinen ersten Roboter vor, dessen Gehäuse, Leitungen und Prüfsysteme keinen Funken nach außen dringen lassen. Der darf auch durch Leitungen fahren, die explosive Stoffe transportieren.

2011 hat Inspector Systems in der Johann-Friedrich-Böttger-Straße eine Roboter-Teststrecke gebaut. In vier Leitungen mit Durchmessern zwischen 6 und 24 Zoll (ein Zoll entspricht etwas mehr als zweieinhalb Zentimetern) müssen die Geräte zeigen, was sie draufhaben - sorgfältig beobachtet von den Kunden, die das Unsichtbare ihrer Leitungen ans Licht bringen wollen.

Quelle: op-online.de

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