Heide kann endlich wieder durchatmen

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Nabu-Vorsitzender Dr. Rüdiger Werner erklärte den Asylbewerbern, die sich zum Helfen gemeldet hatten, teils gestenreich, worauf sie achten sollten und was aus der Heide raus muss.

Waldacker - „Das schaffen die Schafe nicht allein!“ Tierische Unzulänglichkeiten waren die Ursache für einen internationalen Freiwilligen-Arbeitstag auf der Heide in Waldacker: Die dort normalerweise grasenden vierbeinigen Naturschützer mögen keinen Ginster und keine amerikanische Traubenkirsche.

Und auch Eichenschösslinge und erst recht Brombeerranken sind nicht so ihr Ding. Also müssen ihre zweibeinigen Kollegen, die in den vergangenen Jahren ein gutes Stück der kargen einstigen Heidelandschaft wieder aufleben ließen, eingreifen. Überließe man die Landschaft zwischen der Kläranlage und den ersten Häusern von Waldacker sich selbst, wären die Erikastauden rasch wieder überwuchert und zögen sich zurück. Um dies zu vermeiden, hatte der Rödermärker Naturschutzbund (Nabu) zum Arbeitseinsatz geladen, auf den auch die Quartiersinitiative Waldacker reagiert hatte. Zudem hatte Nabu-Vorsitzender Dr. Rüdiger Werner über die Ehrenamtsbeauftragte Elke Heidelbach mit dem Netzwerk Integration Rödermark Kontakt aufgenommen. Flüchtlinge aus Somalia, Pakistan und Afghanistan packten mit an. Einige stiegen in die vom Nabu mitgebrachten Gummistiefel ein, alle suchten sich Arbeitshandschuhe aus und schwangen kräftig die Axt.

Zuvor hatte Werner anhand ausgegrabener Beispiele ganz genau erklärt, welche Pflanzen wie etwa die Traubenkirsche unbedingt mit ihren Wurzeln entfernt werden müssen. Er tat’s sehr anschaulich, damit einzelne nicht verstandene Wort bildlich wettgemacht wurden. Der gesamte Einsatz hat sich gelohnt: Nach gut zweieinhalb Stunden hatten die 18 Helfer im Gelände nach Nabu-Schätzung etwa 85 Prozent all der Arbeiten erledigt, die fürs Herbst- und Winterhalbjahr vorgesehen waren. Vier Anhängerladungen voll Material aus der Heide konnten auf die Kompostieranlage gefahren werden. Der angekündigte Regen bleib weitgehend aus, und einige Sonnenstrahlen erleichterten die körperlichen Mühen. Nach getaner Arbeit wartete eine kräftige Brotzeit aus dem Hause Werner auf die Helfer.

Auch bei Rüdiger Werner fiel ein wenig Nervosität ab. Seine Sorge, ob es ihm gelingt, die ausländischen und noch keinerlei Deutsch sprechenden Helfer mit Englisch genügend zu informieren und ihnen sinnvolle Arbeiten zuzuweisen, war völlig unberechtigt gewesen: „Die fünf Flüchtlinge haben super mit angepackt, haben nahezu den ganzen Ginster im Alleingang ausgegraben und auch sonst keine groben Fehler gemacht. Einige der Flüchtlinge haben zugesagt, dass sie bei der nächsten Nabu-Aktion gerne wieder dabei sind.“ Nicht nur die fünf beteiligten Nabu-Vertreter danken den sieben zumeist Waldackerer Bürgern und den fünf ausländischen Helfern herzlich; vor allem aber dankt es ihnen die Waldackerer Heide; die jetzt wieder frisch durchatmen kann.

(chz)

Quelle: op-online.de

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