Bebauungsplan soll alte Strukturen schützen

Investoren die Grenzen zeigen

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Fachwerk-Flair entspricht dem Idealbild eines Ortskerns.

Urberach - Ein Bebauungsplan soll den nordöstlichen Teil des Urberacher Ortskerns vor Wildwuchs schützen. Damit wollen Magistrat und Parlament überdimensionierte Wohnhäuser verhindern. Solche Überlegungen gebe es für den leeren Schlecker-Markt in der Bahnhofstraße.

Mehrheit und Opposition sind sich einig. „Wir müssen weg vom höher, breiter und voluminöser der siebziger Jahre“, forderte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert und bekam Schützenhilfe von Peter Schröder (Freie Wähler): „Wir dürfen nicht zulassen, dass Investoren uns überrennen!“ Daher benötige der Altort zwischen Bahnhofstraße, Konrad-Adenauer-Straße und Bachgasse einen Bebauungsplan.

Doch die Urberacher Realität sieht anders aus - wie nicht nur der seit Jahren verwaiste Schlecker-Markt an der Einmündung der Bachgasse in die Bahnhofstraße zeigt.

Bürgermeister Roland Kern hatte vor einer „möglichen Ortsbild-Gefährdung“ durch ein größeres Wohnhaus gewarnt: „Bausünden haben wir genug!“. Stefan Gerl, Fraktionsvorsitzender der AL, sprach von einem viergeschossigen Projekt auf dem Grundstück des früheren Schlecker-Marktes. Ein Bebauungsplan, der Gebäude- und Traufhöhe oder Dachneigung regelt, soll alte Strukturen erhalten und Neubauten in den Ortskern integrieren. Gerl will das Eingreifen der Politik aber nicht als Investitionsbremse verstanden wissen: „Der Bebauungsplan soll eine Feinsteuerung für Investoren sein.“ Und er soll auch das Ladensterben in den Altorten berücksichtigen. In Urberach, so Gerl, seien schon mehrere Geschäfte zu Wohnungen umgebaut worden - zum Beispiel die Apotheke in der Bahnhofstraße.

Armin Lauer (SPD) will mit einem Bebauungsplan nicht einfach den Status Quo erhalten, sondern Urberach weiter entwickeln. Mehr bezahlbarer Wohnraum für Familien und Alleinstehende mit mittleren oder geringen Einkommen - das ist eine zentrale Forderung der Genossen. Der könne auch durch eine Sanierung der vielen - und bisweilen maroden - Altbauten entstehen. Doch diesen Aspekt vermisst Lauer in der bisherigen Diskussion. Manfred Rädlein (Freie Wähler) warnt indes davor, die Ortskerne immer mehr zu reinen Wohngebieten zu machen: „Damit kann keine Stadt überleben.“

Baudenkmäler in Rodgau

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Bis zu einem neuen Bebauungsplan - er trägt den Arbeitstitel „B1.2 Ortskern Urberach - ist"s ein weiter und komplizierter Weg. Kern: „Die Gefechtslage ist nicht ganz einfach“, sagt Bürgermeister Kern. Für den Urberacher Altort gibt es vier Bebauungspläne, und das Stadtbild ist alles andere als einheitlich. Nur ein paar Meter von aufwändig renovierten Fachwerkhäusern entfernt stehen nüchterne Zweckbauten aus den sechziger, siebziger und achtziger Jahren. CDU-Mann Gensert kritisierte sogar ein Vorzeigeprojekt aus den frühen Neunzigern: Den seinerzeit gefeierten Kittelmann-Bau am Häfnerplatz würde es heute nicht mehr geben.

Quelle: op-online.de

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