Jana Voigt mit ungewöhnlichen Haustieren

Das Haus voller Frettchen

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Aragon (links) und Mokey sind die beiden größten Knuddelbären im Frettchenrudel von Jana Voigt.

Ober-Roden - Was ein Praktikum beim Tierarzt alles auslösen kann: Mit 16 Jahren verliebte sich Jana Voigt in ein Frettchen, das sie nach einer Operation betreute. Neun Jahre später hatte sie ein eigenes; mittlerweile tobt ein ganzes Rudel durch ihr Haus. Von Michael Löw 

Mitte September organisiert sie in Ober-Roden ein Treffen von Frettchen-Freunden aus mehreren Ländern Europas. Jana Voigt hat ihr Herz an alles andere als unkomplizierte Haustiere verloren. Sie hält Frettchen. „Das sind Raubtiere, nämlich die domestizierte Form des Waldiltis. Sie müssen ständig Möglichkeiten zum Fressen haben“, erklärt sie. Und redet auch nicht lange drum herum, was ein Frettchen so alles verschlingt: Mäuse, Küken, Ratten - unter den süßen Knopfaugen wartet ein Maul mit scharfen Zähnen auf Nahrung. Trockenfutter ist eine Ergänzung zum Fleisch.

Frettchen brauchen zudem Platz und Gesellschaft. Zwei, besser drei Tiere sollten"s schon sein. Sie gehören allenfalls auf Reisen in Käfige. Jana Voigts Rudel tollt durchs ganze Haus - „Hunde und Katzen dürfen das ja auch!“ Wem das ein bisschen zuviel Freiheit ist, der sollte ein Zimmer freiräumen oder im Garten ein Gehege bauen. „Bei zwei Tieren braucht man zehn Quadratmeter“, macht sie die Dimensionen klar. Jana Voigt war 16, als sie ihre Liebe zu Frettchen entdeckte. Sie absolvierte ein Praktikum bei einem Tierarzt. Der hatte eine Rüden kastriert und die Praktikantin nach der Operation zum Aufpassen in den Aufwachraum geschickt. Da sprang der Funke über. Mit 27 bekam sie ihr eigenes Frettchen. Innerhalb von zehn Jahren wurde ein ansehnliches Rudel daraus.

Was aber keineswegs am ungezügelten Fortpflanzungsdrang der Tiere, sondern an Jana Voigts gutem Ruf liegt. Ihr Haus ist die offizielle Außenstelle des Tierheims in Frankfurt-Fechenheim. Jedes gefundene, geflüchtete oder ausgesetzte Frettchen wird zunächst von Jana Voigt betreut. Manchmal muss sie völlig herunter gekommene Tiere wieder aufpäppeln, die unter Mangelernährung leiden oder missgebildete Knochen haben. Leute, die Tiere kaufen, ohne deren Bedürfnisse zu kennen, machen Jana Voigt wütend. Die Haltung von Frettchen ist nun einmal aufwändig und teuer. „Bei drei von ihnen sollte man monatlich 100 Euro fürs Futter einplanen“, sagt die Fachfrau. Von diesem Geld bleibe zwar meist etwas übrige, doch das gehört ihrer Ansicht nach in die Rücklage für den Tierarzt.

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Nun aber genug der Schwierigkeiten und Probleme. „Frettchen sind kleine Kobolde, die allerlei Schabernack im Kopf haben“, schwärmt Jana Voigt vom Niedlich-Faktor. Die kleinen Räuber haben einen unheimlichen Spieltrieb und sind neugierig wie kaum ein anderes Haustier. Sie jedenfalls kann ihren Frettchen stundenlang zuschauen. Da Frettchen alles andere als ein Standard-Haustier sind, sind ihre Besitzer bundesweit eher lose organisiert. Jana Voigt zum Beispiel ist Mitglied der Frettchen-Freunde Osnabrück. Am 12. September organisiert sie in Ober-Roden ein Treffen von Mensch und Tier. Es wird ein Stammtisch im XXL-Format im Restaurant „Waldstubb“ in der Carl-Zeiss-Straße. Den Kontakt hat Jana Voigts Oma geknüpft, die im angeschlossenen Senioren- und Pflegepark Rödermark lebt.

Jana Voigt erwartet an die 100 Frettchen-Fans mit bis zu 80 Tieren. Sie kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Österreich und den Niederlanden, die weiteste Anreise hat ein Spanier. Ein Futterhersteller wirbt an diesem Samstagnachmittag für seine Produkte, und Zubehör gibt"s reichlich anzuschauen und zu kaufen - Halsbänder und Leinen zum Beispiel. Denn Frettchen kann man ausführen wie Hunde. Frettchen sind zwar von Natur aus Jäger. Dieser Jagdtrieb schlummert immer noch in ihren Genen, wird durch die Zucht aber immer stärker abtrainiert.

Quelle: op-online.de

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