Wegen Drogenhandels vor Gericht

Ober-Röder Junkie angeklagt: 44 Kilo Amphetamine verkauft

+
Symbolbild

Ober-Roden/Darmstadt - Ein 33-Jähriger aus Ober-Roden soll in großem Stil synthetische Drogen verkauft haben. Er muss sich vor dem Landgericht Darmstadt wegen des Handels mit Betäubungsmitteln verantworten. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Mit 14 Jahren fängt er an, gelegentlich zu kiffen. Mit 16 nimmt er Ecstasy und Amphetamine. Mit 17 ist er abhängig und braucht täglich sechs Gramm synthetische Drogen, raucht 15 bis 20 Gramm Haschisch am Tag. Unterbrochen wird die Sucht nur durch Therapieversuche oder Gefängnis. Beschaffungskriminalität ist vorprogrammiert, wenn man als Junkie nicht vermögend ist - elf Einträge ins Bundeszentralregister sprechen ihre eigene Sprache. Jetzt droht das Dutzend in der Liste voll zu werden. Diesmal sitzt der 33-Jährige vor der 12. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt. Der Vorwurf: Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Beamtenbeleidigung. Womöglich hätte der Angeklagte noch lange unbemerkt weiter dealen können, wenn nicht die Nachbarin durch Radau in seiner Wohnung alarmiert worden wäre. Sie ruft am 30. Mai die Polizei, weil sie einen gewalttätigen Streit mit der Freundin vermutet. Die Beamten rücken an, finden ein Loch im Scheibengitter der Eingangstür vor und eine unordentliche Wohnung. Die Freundin ist unversehrt, trotzdem nehmen sie den justizbekannten Ober-Röder mit auf die Dienststelle - und fordern zur Verstärkung einen Drogenspürhund an.

Auf dem Wohnzimmertisch finden sich nämlich die typischen Dealer- und Junkie-Utensilien: Feinwaage, ein Notizbuch mit Gewichtseintragungen, Tütchen mit weißer Masse, Rasierklingen, abgebrochene Strohhalme als Schnupfröhrchen und Teelöffel mit Pulverspuren. Wie erwartet wird der vierbeinige Schnüffler fündig. Einer der Polizisten im Zeugenstand: „Wir fanden insgesamt 1 748 Gramm Amphetamin in Gefrierschränken im Schlafzimmer und Wohnzimmer.“

Das ist mit einem Straßenverkaufswert von - je nach Streckungsverhältnis - mehr als 10.000 Euro schon ein gewaltiger Batzen, aber richtig reingeritten hat sich der Arbeitslose dann auch noch selbst im Polizeifahrzeug. Er ist wütend, beschimpft und beleidigt die Beamten aufs Übelste, er muss auf dem Boden des Einsatzwagens gefesselt werden. Nachdem er sich einigermaßen beruhigt hat, plaudert er mit den Beamten ganz offen über seine Geschäfte der vergangenen zwei Jahre: Er habe einem gewissen G. rund 44 Kilogramm Amphetamin auf Kommission abgenommen und weiterverkauft, beziehungsweise selbst konsumiert. In seiner Hosentasche findet die Polizei noch 30 Gramm Haschisch und Marihuana sowie 231 Euro. Vor Gericht wiederholt der Angeklagte dieses Geständnis nicht, sondern bestätigt nur die Rauschgiftmengen, die gefunden wurden.

Keine Coffeshops in Kreuzberg: Cannabisverkauf verboten

Und selbst die wären kurz drauf ja gar nicht mehr da gewesen. „Wäre die Polizei nur ein paar Stunden später gekommen, wären die 1,7 Kilo weg gewesen und ich hätte die Geschäfte beendet“, behauptet der Angeklagte überzeugt. Für Richter Christoph Trapp ist dies eine Schutzbehauptung. „Sie haben Jahre nicht geschafft, davon loszukommen, und dann soll es auf einmal so einfach sein?“ Der Angeklagte: „Ja, wegen meiner Verlobten. Und ich möchte dieses Leben nicht mehr führen. Wissen Sie, wie das ist, wenn man sich beim Rewe die weg geworfenen Lebensmittel aus dem Müll holen muss, weil Hartz IV nicht reicht?“

Quelle: op-online.de

Kommentare