Karlheinz Gotta aus Ober-Roden

Große Zirkuswelt im Miniaturformat

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Viel Liebe zum Detail hat Karlheinz Gotta den Zirkus „Sarrasani“ im Maßstab 1:87 nachgebaut. Rund 1 000 Figuren tummeln sich vor dem Zelt oder zwischen den Wagen.

Ober-Roden - Hunderte von Neugierigen stehen vor der Kasse Schlange, sehen Messerwerfern beim Üben zu oder warten im Zelt, bis der Direktor „Manege frei!“ ruft. Der Zirkus „Sarrasani“ hat in Ober-Roden sein Lager aufgeschlagen. Von Michael Löw 

Leider nur im Keller von Karlheinz Gotta. Denn der hat die Welt der Artisten, Clowns und wilden Tiere im Kleinformat nachgebaut. Natürlich - die Frau ist Schuld am ganzen Zirkus: „Mach doch mal was Gescheites daraus“, forderte Elke Gotta ihren Mann Karlheinz auf, als dessen Modellauto-Sammlung immer mehr Platz beanspruchte. Den braucht sie heute immer noch, doch den mahnenden Worten folgten Taten. Karlheinz Gotta schuf Parkplätze für rund 50 weitere Lastwagen, Zugmaschinen und Anhänger. Auf einer Platte von gut einem Quadratmeter ließ er einen Zirkus entstehen. Der Maßstab: HO. Übersetzt für alle Nichtfachleute: Das ist das Größenverhältnis 1:87, das klassische Modelleisenbahnformat.

Zuerst hat Karlheinz Gotta grüne Wiesen, braune Wege und graue Straßen auf das Zirkusgelände gestreut. Dann kam das Herzstück dazu: ein grün-weißes Vier-Masten-Zelt. Dessen Dach hat Gotta an zwei Stellen aufgeschnitten, dass man das Orchester auf der Empore, die Artistin am Trapez und die ersten Zuschauer sehen kann. Im Café-Zelt daneben stehen millimetergroße Gläser und Tassen auf den Tischen durstiger Gäste.

An die 1 000 Figuren -Menschen und Tiere - bevölkern das Gelände. Einige konnte Karlheinz Gotta nehmen wie er sie gekauft hat. Etliche hat er unter der Lupe selbst bemalt. Natürlich sind auch die wenigsten Auto-Bausätze von der Stange. Im einfachsten Fall brauchten sie nur neue Farbe und den „Sarrasani“-Aufkleber. Doch komplizierte Aufbauten wie Löwenkäfige entstanden in Handarbeit.

Fünf bis sechs Jahre - genauer wissen’s weder Karlheinz noch Elke Gotta - hat der Zirkusbau gedauert. Karlheinz Gotta hat meist im Winter gebastelt. „Nach Lust und Laune, in manchen Monaten fast täglich“, schildert er seine Arbeitsweise. Von Berufs wegen hat Karlheinz Gotta mit Modellen nichts am Hut. Er verdient seine Brötchen als Maschinenbautechniker und ist in halb Europa unterwegs.

Dass er zunächst Autos und schließlich einen Zirkus nachbaute, hat Karlheinz Gotta sozusagen einem Defizit seiner Kindheit zu verdanken: „Ich habe nie eine Eisenbahn gehabt und bin deshalb auf anderen Modellbau umgestiegen.“ Den hat er mit dem Zirkus „Sarrasani“ eigentlich perfektioniert. Doch damit will er’s nicht bewenden lassen.

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Gottas nächste Miniaturwelt nimmt schon Gestalt an, erste Modelle stehen in seinem Bastelzimmer. Details bleiben geheim. Wir dürfen nur soviel verraten: Die Technik geht weit über die einfache Beleuchtung einiger Nebenzelte hinaus: Elektromotoren bringen Räder in Bewegung, Wasser wird plätschern.

Karlheinz Gotta wird seinen Zirkus demnächst im „Dinjerhof“ ausstellen. Dessen Besitzer Wilhelm Schönebeger ist ein weitläufiger Verwandter der Gottas. „Bei einem Geburtstag habe ich ihn in den Keller geschleift“, erzählt der Bastler, der jetzt vor einer neuen kniffeligen Aufgabe steht: Wie bekommt er die bunte „Sarrasani“-Welt, die auf einer Platte von 100 auf 120 Zentimetern steht, durch ein normales Treppenhaus zum „Dinjerhof“? Karlheinz Gotta wird das Problem lösen. Denn seine Devise lautet: „Wenn mal was nicht funktioniert, bastele ich so lange. bis es funktioniert.“

Quelle: op-online.de

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