Schnitzen im XXL-Format

Motorsäge und Stechbeitel

Fast vier Jahre brauchte Karlheinz Sturm, bis er diese Krippe im Großformat geschnitzt hatte. - Foto: Ziesecke

Urberach - Karlheinz Sturm schnitzt seit Jahrzehnten im XXL-Format und schwört nicht nur beim Stall von Bethlehem auf Lindenholz. Von Christine Ziesecke

Ziemlich groß, eindrucksvoll, aufwändig und trotzdem bescheiden in der Farbgebung: Das ist typisch für die Holzschnitzarbeiten von Karlheinz Sturm (66). Aus seiner Werkstatt stammt eine 1,80 Meter breite Krippe, die er schon im Töpfermuseum ausstellte. Karlheinz Sturm wurde wenige Häuser neben dem Museum in der Bachgasse geboren und ist heute in der Pestalozzistraße zuhause. Der Elektroingenieur hatte schon als Kind gern mit Holz gewerkelt.

Mit 25 oder 30 Jahren jedoch kam er erst zum Schnitzen. Auf einem Seminar hatte er eine kleine hölzerne Eule geschenkt bekommen, die ihn begeisterte, von der er aber fand: „Das muss ich doch auch können!“ Heute schnitzt er längst Figuren bis etwa eineinhalb Meter Höhe, der Nachfolger seiner ersten Eule misst 1,20 Meter und ist aus Eichenholz.

Karlheinz Sturm ist ein Autodidakt mit Augenmaß. „Ich brauche nur ein Foto von den Objekten!“ So ist’s auch bei seinem derzeitigen Arbeitsstück: der letzten Geis aus dem Faselstall. Die fertige Ziege will er dem Töpfermuseum überlassen, zu dem der Faselstall Mitte der achtziger Jahre umgebaut wurde.

Konzentration ist wichtig

Er packt nichts zweimal an: „Man muss einfach sehr konzentriert arbeiten“, lautet seine Devise. Und wenn mal jemand etwas fallen lässt, wird’s wieder geleimt. Früher, als es noch kein Internet gab, kaufte Karlheinz Sturm Bücher als Vorlage. „Bei Vögeln sind das Schlimmste die Federn; da arbeite ich schon mal zwei Wochen dran.“ 1998 zum Beispiel bei einem fast lebensgroßen Adler.

Zum Schnitzen verwendet er vorwiegend Lindenholz. Nur die kleinen Enzianzweige, die auf die Schnelle für Gäste schnitzt, sind aus Haselnuss-Gerten. Seinen Rohstoff kauft er meist in der Holzhandlung, ansonsten in Österreich und im Urlaub im Allgäu. Seine Werkstücke werden manchmal am Schluss intensiv gebeizt, immer jedoch am Ende mit Bienenwachs überzogen.

Für Karlheinz Sturm ist das Schnitzen ein reines Hobby. Er übernimmt generell keine Aufträge, verschenkt seine Werke höchstens. Viele stehen im Garten. „Der ist mit mehr als 15 Plastiken inzwischen fast voll,“, stellt seine Frau fest. Sturm bereitet die Stämme oft direkt im Wald mit der Motorsäge vor und schneidet schon die Konturen heraus. Später bearbeitet er sie grob im Keller oder bei gutem Wetter im Garten, ehe die Feinarbeiten mit dem Stechbeitel kommen. „Meine Frau freut sich, wenn ich ihr nicht im Weg rum laufe.“ Holz ist ohnehin sein Material, mittlerweile gibt er im Frühjahr auch Baumschnittkurse.

Ruinenkrippe: Ein ganz besonderes Stück

Fischreiher, Adler, Wurzelgesichter, aber auch drei Schweinchen, die sich seine Frau gewünscht hatte, oder die „Rödermärker Stadtmusikanten“: 54 Exponate waren kürzlich in Sturms erster Ausstellung zu sehen. „Da sieht man mal, was wir hier für Künstler in Rödermark haben, von denen niemand etwas weiß“, freute sich Eduard Dutiné vom Heimat- und Geschichtsverein über „seinen“ Künstler.

Eine Madonna mit Kind hat Karlheinz Sturm nach Tschechien gespendet, wo die Eltern seiner Frau zuhause waren. Die Marienstatue kam in eine renovierte Kapelle, wo sie im vorigen Sommer gesegnet wurde. Ein ganz besonderes Stück ist jedoch die orientalische Ruinenkrippe: 1,80 Meter breit, passt sie genau auf die Anrichte im Wohnzimmer. Ochs und Esel stehen auf echtem Allgäuer Heu, extra aus dem Urlaub in Sonthofen mitgebracht - wegen des guten Geruchs…

Quelle: op-online.de

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