Kaum Geld für Straßensanierung

Eine löcherige Angelegenheit

+
Im Eichenbühl liegen Rödermarks schlechteste Straßen. Königsberger und Görlitzer Straße sollen noch dieses Jahr in Ordnung gebracht werden, kündigt Bürgermeister Roland Kern an. Lässt die Stadt tiefe Schlaglöcher offen, verletzt sie ihre Verkehrssicherungspflicht. Dann müsste sie Schäden an Autos oder Arztkosten gestürzter Radfahrer bezahlen.

Rödermark - 15 Millionen Euro würde es kosten, das rund 100 Kilometer lange Netz städtischer Straßen wieder in einen neuwertigen Zustand zu versetzen. Von Michael Löw

Doch in diesem und im nächsten Jahr stehen nur 1,025 Millionen Euro für Unterhaltung und Erneuerung zur Verfügung - 200.000 Euro davon sind jedoch für Feld- und Wirtschaftswege verplant. Die SPD fordert deshalb ein Gesamkonzept für Straßensanierungen. Schlaglöcher, Frostaufbrüche, Risse und Dellen: In manchen Wohngebieten sind die Straßen reinste Holperpisten - so kaputt ist der Asphalt. „Die Vernachlässigung der städtischen Straßen hat bereits zu einem Sanierungsstau geführt, der langfristig zu einem wirtschaftlichen Schaden für die Stadt führen könnte“, stellt der SPD-Fraktionsvorsitzende Armin Lauer nach einem Rundgang im Urberacher Eichenbühl fest. Angeschaut hatte sich die SPD Görlitzer, Chemnitzer, Königsberger und Dresdener Straße.

Lauer will diesen Sanierungsstau jetzt angehen und baldmöglichst abbauen. Dazu sei eine klare Prioritätensetzung bei den Investitionen der Stadt notwendig. Die am stärksten beschädigten Straßen sollen unterhalb - sprich: weniger aufwändig - der klassischen grundhaften Erneuerung saniert werden: Dünnschichtverfahren sagen die Fachleute dazu. Königsberger und Görlitzer Straße machen noch im September den Anfang, erklärte Bürgermeister Roland Kern auf Anfrage unserer Zeitung. Für die SPD ist das höchstens ein Teertropfen auf dem löcherigen Asphalt. Lauer will den Magistrat in der Oktober-Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zu einem Gesamtkonzept verpflichten. Darin sollen Sanierungstechnik, Zeitplan und Kosten festgelegt werden.

Dem Bürgermeister ist durchaus bewusst, wie es um die innerstädtischen Straßen bestellt ist. 15 Millionen Euro sind nach den Berechnungen der Bauverwaltung nötig, damit der Verkehr auf dem 100 Kilometer langen Netz wieder holperfrei rollen kann. Bescheiden nehmen sich gegen diese Summe die Mittel aus, die im Doppelhaushalt 2015/2016 zur Verfügung stehen: 825.000 Euro für Unterhaltung und Investitionen, dazu 200.000 Euro für Feld und Wirtschaftswege.

So entsteht ein Schlagloch

Weil im Haushalt und im Asphalt ähnlich tiefe Löcher klaffen, muss die Stadt die Schäden Stück für Stück abarbeiten. 2011 hat sie einen Gutachter mit einem Kataster beauftragt. Der teilte die Straßen in sechs Klassen ein: Klasse eins bedeutet neuwertig, Klasse sechs total marode. Doch selbst Rödermarks übelste Holperpisten sind laut Bürgermeister „nur“ in die Klassen vier oder fünf eingestuft.

Vergleichsweise billige Abhilfe schafft das so genannte Dünnschichtverfahren. Das Stadtparlament hat der Verwaltung vier Straßen im Eichenbühl empfohlen, die mit dieser Methode in Ordnung gebracht werden können. Dabei werden ein bis zwei Zentimeter Asphalt auf die defekte Fahrbahn aufgetragen. Pro Tag können 2000 Quadratmeter Fläche erneuert werden. Mit 50.000 Euro inklusive Reparatur des Bürgersteigs kostet die Ausbesserung der Königsberger Straße nur den Bruchteil einer grundhaften Erneuerung. Das Dünnschichtverfahren ist aber nur bei mäßig belasteten Innerortsstraßen möglich.

Skurrile Aktion: Schlaglochgärten in London

Quelle: op-online.de

Kommentare