Tapferer Herbert in der Höhe

Orwischer Kerb: Viel Brauchtum, aber auch Neuerungen

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Magenbrot und Zuckerwatte, gebrannte Mandeln und ein zuckriges Lebkuchenherz: Da kommen auch bei vielen Erwachsenen längst vergessene Kindheitserinnerungen zurück.

Urberach - Die Orwischer Kerb ist da, und mit ihr viel Brauchtum, aber diesmal auch so manches Neue. Das Neueste ist wohl die Kerbpuppe im Baum hoch über der Kerbmeile. Von Christine Ziesecke

Im edlen Zwirn, mit weißem Hemd und dezent gestreifter Krawatte, deutlich abgespeckt und sogar mit einer Stütze im Rücken, um hoch droben stets Haltung zu bewahren, gestalteten die Kerbpuppe Guido Cremer und Thomas Herrmann von der Kerbkommission. „Der Bursch ist frisch und ausgeruht“, bescheinigte ihm Erster Stadtrat Jörg Rotter, und einen lange geheim gehaltenen Namen hat er auch: Herbert heißt er, „der Mutige, der Tapfere“ - einigen Mutes bedurfte es sicher, sich von der Feuerwehr in luftige Höhen ziehen zu lassen.

Passend zur dezenten neuen Kerbpuppe erscheinen auch die Kerbburschen mit Schärpen in edlem Blau mit silberner Schrift „Einmal Kerbborsch – immer Kerbborsch“ – in humorvoller Anspielung darauf, dass sie mangels frischen Nachschubs wieder einmal reaktiviert wurden. Die Jugend des Musikvereins 06 Urberach gab ihnen zur Vorstellung den rechten Schwung.

Nicht von schlechten Eltern war auch der eine Schlag, mit dem Erster Stadtrat Jörg Rotter das erste Fass anstach – selbst das Bier hielt sich dezent zurück und strömte nur ins Glas statt auf den Platz. Nicht ganz zurück hielt sich wieder einmal der Regen: Die kurzen und kräftigen Schauer am Samstag verführten die Besucher, in die Zelte oder auch ins Töpfermuseum auszuweichen, und zwangen die Kerbwirte zu sehr viel Putzen und Trocknen. Neben den Zelten und kleinen Biergärten der örtlichen Vereine und Wirtschaften lockten vor allem Riesenrad, Autoscooter und Kinderkarussell; beim neu angemieteten Raumfahrt-Schüttel-Erlebnis war es zumeist eher ruhig – Kerb ist wohl mehr der Ort fürs Traditionelle.

Bilder zur Orwischer Kerb

Sechs Security-Mitarbeiter sowie vier Polizisten am ersten und sogar acht am zweiten Abend wanderten regelmäßig sicherheitshalber durch die bekannten Problemzonen der Kerb: Doch es gab keine Vorfälle. Wie erwartet schossen pünktlich um 22 Uhr die ersten Feuerwerkskörper in den Nachthimmel – anders als erwartet allerdings hinter der tiefer liegenden Halle Urberach, weshalb es trotz einer höheren Reichweite als üblich leider dennoch vom Dalles aus kaum zu sehen war und viel Gemurmel und eine kleine Völkerwanderung unter den unzähligen Zuschauern auslöste.

Schon am Freitag Abend war bei angenehmen Temperaturen und trockenem Wetter überraschend viel Trubel auf der Kerbmeile gewesen – wozu neben dem Mundartabend beim Herschwert vor allem die „Party Cräääckers“ im Zelt des Musikvereins 06 Urberach beitrugen. Nicht erst beim Entzünden der Wunderkerzen herrschte bei ganz Jungen wie auch bei gesetzteren Jahrgängen eine Stimmung, wie sie sonst für Festzelte eher unüblich ist. Viel gute und laute Musik für ganz umsonst gibts auch wieder bei der offenen Arbeit hinter dem Riesenrad – aber das ist nichts Neues, sondern eine gute Tradition.

Quelle: op-online.de

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