Kerbverein will Geburtstag zelebrieren

Abschiedsgala für Festplatz

+
Über die Gründung des Kerbvereins Ober-Roden berichtete nicht nur unsere Zeitung: Auch der Vorstand gab ein Bekanntmachungsorgan heraus.  

Ober-Roden - Kurz bevor die Bagger anrollen, will der Kerbverein Ober-Roden ein letztes Mal Leben auf den Festplatz bringen. Er feiert seinen 25. Geburtstag mit einem klassischen Zeltfest, dessen Höhepunkt ein Konzert der Rodgau Monotones ist. Von Michael Löw

Und wenn das letzte Bier getrunken ist, entsteht dort ein kleines Wohngebiet. Der nur 105 Mitglieder kleine Kerbverein hat Großes vor. Zum 25. Geburtstag plant er nach alter Väter Sitte ein Zeltfest auf dem verwaisten Festplatz an der Alfred-Delp-Straße. „Wir haben uns gedacht: Das hauen wir raus!“, lässt Dominik Raquet, der Chef des Organisationsteams, keinen Zweifel am Gelingen aufkommen. Er ist sich sicher: Die Gründergeneration des Kerbvereins - also die Mittvierziger und Frühfünfziger - leistet gemeinsam mit der heutigen Vorstandsgeneration, deren Mitglieder um die 25 Jahre jung sind, ganze Arbeit.

Gefeiert wird vom 8. bis zum 10. Juli 2016. Freitagsabends sollen die Rodgau Monotones den Asphalt zum Kochen bringen. Samstags stehen Kinderspiele und ein Wettbewerb für Kerbvereine und Kerbborschen auf dem Programm. Für den Festsonntag hat Raquet schon eine 25 Quadratmeter große Leinwand samt Beamer bestellt: Denn am Abend läuft das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft. Mit der deutschen Mannschaft - das verspricht der Kerbverein. Der Festplatz war Jahrzehnte lang der Partykeller Ober-Roden. Doch nach und nach kam er aus der Mode: Die Kerb wanderte ins Ortszentrum, die Vereine feierten auf ihren Plätzen. 2008 versuchten die Turngemeinde und der FC Germania zu ihrem 100. Geburtstag eine Wiederbelebung der klassischen Zeltfeste.

Der Kerbvereins-Geburtstag wird zur Abschiedsvorstellung. Denn schon wenige Tage, nachdem das Zelt abgebaut wird, beginnt die Umgestaltung des Platzes zu einem kleinen Wohngebiet. Die Kerb hatte den Festplatz 1982 verlassen, da dachte in Ober-Roden noch niemand an einen Förderverein. Doch zum Kirchweihfest 1991 gab es nur drei Kebborsche - Thorsten Hunkel, Claus Eurich und Rudi Schrei. Da schrillten bei Veteranen wie Norbert Köhler oder Norbert Körner die Alarmglocken: „Wir müssen was tun. Es geht darum, ein Stück Kultur zu erhalten.“ Am 30. Oktober tagte die Gründungsversammlung im Saal des „Löwen“.

Kerb in Ober-Roden

„Überraschend bürokratisch ging es bei den langwierigen Diskussionen und Ein- und Austrittsmodalitäten oder ähnliche Formalien zu“, wunderte sich unsere Zeitung. Das passte nicht zum Image der Kerbborsche, die damals als „trinkfeste, lautstark grölende und groben Streichen nicht abgeneigte Halbstarke“ verschrieen waren. Der Kerbverein rückte die Brauchtumspflege wieder in den Mittelpunkt - ohne den Kerbborsche die Freude am Feiern zu nehmen. Seine Mitglieder sprangen immer dann ein, wenn der jeweilige Kerbborsche-Jahrgang zu dünn besetzt war. Seit langem schon schreiben die Vorstandsmitglieder Norbert Köhler und Daniel Fenner den Kerbspruch, bei dem traditionell nicht nur die Nachbarn im Süden, sondern auch die Ober-Röder selbst ihr Fett wegbekommen.

Quelle: op-online.de

Kommentare