NABU und „Brücke“ arbeiten zusammen

Vögel bekommen Kinderstube auf dem Friedhof

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Michael Kessler von der „Brücke“ (links) brachte zwölf Nistkästen zum Friedhof. Dr. Rüdiger Werner vom NABU hängte den ersten an die große Eiche vorm Eingang.

Ober-Roden - Bäume mitten in der Stadt - oder zumindest an deren Rändern - sollen Vögeln zu den Brutmöglichkeiten verhelfen, die im Feld immer weniger werden. Der Naturschutzbund (NABU) hat schon 70 Nistkästen an Kindergärten und Schulen aufgehängt, jetzt war der Friedhof dran. Von Michael Löw 

Die Nistkästen wurden von psychisch Kranken gebaut. Auf dem Ober-Röder Friedhof sollen ab dem Frühjahr Trauerschnäpper brüten. Der Vogel mit dem passenden Namen könnte in einen der zwölf Nistkästen einziehen, die Dr. Rüdiger Werner, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (NABU) Rödermark, an Bäume hängte. Der Friedhof ist nach Ansicht des NABU ein nahezu idealer Ort für künstliche Nisthilfen. Werner hat rund 60 große Bäume gezählt, die sich als Kinderstube für Vögel dienen könnten. Außer für den Trauerschnäpper eignen sich die Nistkästen für Blau- und Kohlmeise, Feldsperling und eventuell auch den Kleiber. „Denen fehlen die Brutmöglichkeiten, weil immer mehr Altgehölze verschwinden“, erläuterte Werner. Früher - und das ist noch nicht so lange her - bauten Vögel ihre Nester in natürlichen Höhlen. Die entstanden, sobald an einem Obstbaum ein Ast abbrach. Jetzt muss der Mensch auf Friedhöfen nachhelfen, weil es im Feld kaum noch Streuobstwiesen gibt.

Die zwölf Nistkästen entstanden in der Werkstatt der „Brücke“, der Beratungsstelle des Diakoninischen Werkes für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder in seelischen Krisen. „Uns war wichtig, dass wir keinen Zeitdruck hatten und dass unsere Leute flexibel arbeiten konnten“, machte Projektleiter Michael Kessler die Besonderheit seiner Handwerker deutlich. Die „Brücke“ hat dem NABU die Nistkästen zum Materialpreis verkauft, die Arbeitszeit war sozusagen die Spende. Der Folgeauftrag wartet schon: Werner will auf beiden Friedhöfen innerhalb von zwei Jahren etwa 40 Bruthöhlen aufhängen. 70 davon gibt es bereits - in vielen Kindergärten und in der Breidert-Grundschule. Der NABU-Vorsitzende hat bei den jährlichen Kontrollen festgestellt, dass zwei Drittel bewohnt waren. Deshalb appelliert Werner auch an Gartenbesitzer, hölzerne Höhlen ins Geäst ihrer Bäume zu hängen. Und zwar möglichst bald. Weil der Winter hier immer wärmer wird, fangen viele Vögel schon im März mit dem Brüten an.

Quelle: op-online.de

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