Von Kraftwerken zu Verbrauchern

Umspannwerk in Urberach: Knisternde Hochspannung

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Masten, Leitungen und Isolatoren soweit das Auge reicht: Das Amprion-Umspannwerk zwischen Urberach und Offenthal wird auf leistungsstarke 380-Kilovolt-Technik umgerüstet und soll so seinen Beitrag zur Energiewende leisten.  

Urberach - „Wir sind die Spediteure der Kraftwerke.“ So beschreibt Tim Schornsheim die Aufgabe des Stromnetzbetreibers Amprion. Einer der größten Speditionshöfe des Unternehmens liegt im Norden von Urberach. Hier wird der Strom „umgeladen“ - sprich: von 380 oder 220 Kilovolt auf 110 Kilovolt herunter transformiert. Von Michael Löw 

Tim Schornsheim ist Betriebsleiter des Amprion-Umspannwerks an der Straße zwischen Urberach und Offenthal. An diesem Knotenpunkt laufen Freileitungen und Erdkabel zusammen, die Hochspannungsstrom mit 380 oder 220 Kilovolt (KV) anliefern. Die Luft knistert nur so vor Elektrizität. Gigantische Transformatoren senken die Spannung auf jene 110 KV, die die regionalen Netzbetreiber benötigen. Sechs dieser Riesen stehen auf dem Gelände. Die schwersten wiegen 340 Tonnen - das entspricht dem Gewicht von fast fünf voll besetzten und getankten Mittelstreckenflugzeugen vom Typ Airbus A 320. Einige dieser Transformatoren werden ausgetauscht, wenn Amprion das Umspannwerk im Zuge der Stromnetz-Verstärkung umbaut. Um sie reisefertig zu machen, lassen Monteure rund 78 Tonnen Öl ab, erläutert Schornsheim. Nochmal 70 Tonnen sparen seine Kollegen ein, wenn sie die Lüfter an beiden Seiten des Transformators entfernen. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat Amprion im Herbst den Gleisanschluss, der von der Dreieichbahn aufs Werksgelände führt, verstärken lassen.

Man muss schon genau hinsehen, um Amprion-Sprecherin Joëlle Bouillon und Betriebsleiter Tim Schornsheim vor dem riesigen 380-Kilovolt-Transformator zu sehen. Diese Geräte sind fürs „Umspannen“ zuständig - das heißt sie heben und senken elektrische Spannung.  

Urberach ist nach Auskunft von Unternehmenssprecherin Joëlle Bouillon eine der größten Anlagen im Amprion-Netz. Sie beliefert auch Maximalverbraucher wie Opel, BASF oder den Industriepark Höchst. Trotzdem ist im Umspannwerk nur selten ein Mensch zu sehen. Schornsheim und seine zehn Kollegen sind in Pfungstadt stationiert und kommen in der Regel nur zu Kontrollen oder Wartungsarbeiten nach Urberach. Die Männer sind für acht Umspannewerke in der Region zuständig, die von zentralen Leitstellen in Rommerskirchen und Hoheneck gesteuert und überwacht werden. Fällt eines dieser Umspannwerke aus, übernimmt das nächste seine Aufgaben. „N-minus-1-Sicherheit“ heißt das im Technikerdeutsch der Ingenieure, das Joëlle Bouillon ins Normaldeutsch übersetzt: „Deshalb haben wir in Deutschland so wenig Stromausfälle.“

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Quelle: op-online.de

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