KBR will Pacht

Sauna im Badehaus: Schwitzend in die roten Zahlen

Urberach - Die Kommunalen Betriebe wollen die Sauna im Badehaus verpachten, um das jährliche Millionen-Defizit zu senken. Das sagte der Erste Stadtrat Jörg Rotter gestern Abend in der Stadtverordnetenversammlung. Von Michael Löw 

Grund des Sinneswandels: Entgegen früherer Berechnungen macht die Sauna kräftig Miese. Wie kann die Schutzschirmkommune Rödermark die Kosten des Badehauses in Griff bekommen? Die Stadt und die Kommunalen Betriebe (KBR) subventionieren es jedes Jahr mit rund 1,1 Millionen Euro. Das Parlament hatte den städtischen Zuschuss Anfang des Jahres um 100.000 auf 350.000 Euro gesenkt, den weit größeren Rest müssen die KBR zubuttern. Gutachten einer Unternehmensberatung oder des Bundesverbandes deutscher Bäder bestätigten dem Badehaus mehrmals, trotz dieser Millionenlücke wirtschaftlich zu arbeiten und im Vergleich von kommunalen und privaten Bädern gut da zu stehen. „Das Defizit entsteht im Schwimmbad! Die Sauna trägt sich selbst.“ So lautete die offizielle Sprachregelung seit der Eröffnung des Badehauses Ende Mai 2006.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Michael Löw.

„Man muss nüchtern feststellen, dass uns das nicht gelungen ist“, räumt Erster Stadtrat Jörg Rotter ein. Er hatte vor der Stadtverordnetensitzung gestern Abend neu rechnen lassen. Zwischen 2009 und 2011 machte die Sauna pro Jahr rund 200.000 Euro Verlust. Der sank 2012 auf 169.000 und 2013 auf 140.000 Euro. Voriges Jahr stieg der Verlust auf die Rekordsumme von 212.000 Euro. Wegen der langen Renovierungspause - Der Generalunternehmer beseitigte Baumängel, die die KBR von Anfang an reklamiert hatten. - kam nur gut die Hälfte der üblichen 24.000 Besucher, die Fixkosten wie Abschreibung blieben.

Kürzere Öffnungszeiten oder städtisches Personal anstelle von Fremdfirmen sparten den KBR nur kleine Beträge, gingen aber auf Kosten der Qualität. Gleichzeitig verbietet der Schutzschirmvertrag mit dem Land, dass Rödermark in die Sauna investiert und so besser gegen „Monte Mare“ & Co. bestehen kann. Rotter will die Sauna deshalb spätestens ab Herbst an einen privaten Betreiber verpachten. „Wir führen seit drei bis vier Monaten Gespräche“, sagte Rotter, will aber keine Namen nennen. Es handele sich jedoch nicht um ein konkurrierendes Bad. Den Pachtvertrag will Rotter so gestalten, dass die Stadt ab einer bestimmten Besucherzahl mitverdient.

Die KBR wollen dann nur noch das Schwimmbad betreiben. Das ist laut Rotter „kommunale Daseinsfürsorge“, die auch weiterhin mit jährlich mehreren hunderttausend Euro bezuschusst wird. Einen neuen Badehausleiter soll es nach der Sauna-Verpachtung nicht mehr geben. Das erspart den KBR nicht nur 60.000 Euro an Personalkosten, sondern auch so manche Enttäuschung: Die Marketing- und Wellnessexperten von außerhalb konnten die Besucherzahlen nicht wirklich steigern.

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Quelle: op-online.de

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