„Gedankenwelten“ zum Anschauen

Künstler arbeiten seit zehn Jahren bei KiR zusammen

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„Lost, Opfer des denkenden Menschen“ heißt das umweltgefährdete Pinguinbaby, dem die Flammen bereits die Eisschollen unter den Füßen schmelzen lassen.

Ober-Roden - Einblick in ihre „Gedankenwelten“ gaben 65 Künstler aus Rödermark und der Partnergemeinde Saalfelden am Wochenende im Foyer der Kulturhalle. Der Anlass: Die Gruppe „KiR Kunst in Rödermark“ ist zehn Jahre alt. Von Christine Ziesecke

Bilder und Plastiken füllten den Raum in einer erfrischenden Melange. Die Palette der künstlerischen Mittel reichte von Malerei über Fotografie und Collagen bis zu Mischtechniken. „Gedankenwelten – über dieses vom Planungsteam ausgewählte Thema war ich nicht sofort glücklich“, gestand KiR-Vorsitzende Sylvia Baumer bei der Ausstellungseröffnung. „Wie soll ich meine wilden Gedanken unter ein solches Thema fassen? Der Bauch rumorte, der Kopf fing an zu denken; schließlich war die Überzeugung da: Natürlich ist dieser Ausstellungstitel unser Ding!“

Mit der Ausstellung feierte die Gruppe „KiR Kunst in Rödermark“ nicht nur ein neues Projekt und ihre zweite Ausstellung in der Kulturhalle, sondern auch ihren zehnten Geburtstag. Am 3. April 2005 hatten einige Künstler auf Einladung von Lou Heinrich eine kleine Ausstellung zum Aktionswoche „Ein Buch für Rödermark“ gestaltet und die Grundlage für die gemeinsame Arbeit gelegt.

„Lost, Opfer des denkenden Menschen“ heißt das umweltgefährdete Pinguinbaby, dem die Flammen bereits die Eisschollen unter den Füßen schmelzen lassen.

„Auch diesmal sind wir unserem ersten Motto treu geblieben: Rödermärker Künstler präsentieren ihre Vielfalt. Wir haben sie aber mit einigen zusätzlichen Künstlern bereichert“, freut sich Sylvia Baumer. „Wir haben in den letzten zehn Jahren der Kunst in Rödermark ein prägnantes Gesicht gegeben und so manches angestoßen, etwa die Diskussion über unsere allererste Aktion der ‚blauen Stühle’ in Rödermarks Bäumen.“ Das bestätigte auch Bürgermeister Roland Kern, der die Ausstellung mit Gedanken rund um die Kunst und ihre Verbindung zur Freiheit und zur Natur eröffnete.

Was geboten wurde, war sehr breit gefächert: von ernsthaften Wort-, Farb- und Gedankenspielen bis hin zu ungewöhnlich humorvollen Werken wie etwa der Persiflage „Der arme Student“, einer köstlichen Adaption des „armen Poeten“ auf die heutige Zeit, gestaltet von Angelika Keck. Ein absoluter Hingucker war auch die erneut präsentierte Skulptur „Gedankenwelten eines Politikers“ des Rödermärker KiR-Künstlers Manfred Minten, ebenso wie einzelne Kunstwerke, die wie Möbelstücke zwischen den Ausstellungswänden standen. Eindrucksvoll wirkte „Lost, Opfer des denkenden Menschen“, das umweltgefährdete Pinguinbaby, dem die Flammen bereits die Eisschollen unter den Füßen schmelzen lassen – ein neues Großobjekt von Sylvia Baumer und Manfred Blößer.

Unter den 65 Ausstellern waren auch sechs Gäste aus Saalfelden, die Werke von acht Künstlern aus dem „sds-Künstlerhaus“ im Gepäck hatten. Das Haus ist aus einem 90 Mitglieder starken „Verein zur Förderung bildender Kunst“ in Saalfelden entstanden. Dessen Präsident Anton Göllner, unter anderem mit einem Selbstbildnis und mit einer gemalten Hommage an die Clowndoktoren vertreten, führte die Gruppe aus Österreich an und verriet: „Ich glaube, KiR hat es auch uns zu verdanken, dass sie das Seitzhaus als Kunsthaus haben: Ihr Bürgermeister war mit einer Delegation bei uns, als wir unseres eingeweiht haben, und war doch wohl etwas neidisch. ‚Ich glaube, ich weiß da auch etwas’, meinte er – und kurz danach hatte KiR das Kunsthaus zu seiner Verfügung.“

Die KiR-Mitglieder und die Saalfeldener Gruppe haben einander schon mehrfach zu Ausstellungen besucht. So waren die befreundeten Österreicher auch bei der ersten Ausstellung in der Kulturhalle dabei.

Beide Tage am Wochenende waren viele Künstler im Foyer der Kulturhalle mitten im Publikum, fachsimpelten über Techniken und Ideen, standen den Besuchern Rede und Antwort. Rundum betreut wurden sie durch die Organisationsgruppe um Karin Kück, Annelie Schnack und Hans-Peter Schmücker sowie Elfie Köhl für die Verpflegung und Manfred Blößer für die Finanzen.

Während der Ausstellung vergab die Künstlergruppe KiR am Sonntag Nachmittag auch den KiR-Kunstpreis 2015. (chz)

Quelle: op-online.de

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