Wenn der Lehm fehlt, brauchen Schwalben menschliche Hilfe

Kunstnester sind Kinderstube

+
17 junge Schwalben sind in den vergangenen drei Jahren schon aus den Nestern geschlüpft, die die Berglings aufgehängt haben. J Foto:

Messenhausen - Nach den Fledermäusen und den Störchen sind es nun die Schwalben im Stadtgebiet, um deren Zukunft sich der Naturschutzbund (NABU) verstärkt kümmert. Bei Dirk und Tanja Bergling hängt nun die erste Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“. Von Christine Ziesecke 

Der Naturschutzbund (NABU) hat zuerst eine Schwalbenwand am Berngrundsee gebaut. Jetzt gilt seine besondere Fürsorge auch jenen Schwalben, die sozusagen im Binnenland brüten. Rödermarks erste Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ hängt in Messenhausen. Dirk und Tanja Bergling erhielten die Auszeichnung vom NABU-Vorsitzendem Dr. Rüdiger Werner. Kein Wunder, wenn man das Haus der Familie Bergling kennt, vor allem von der Gartenseite her. Hier warten neben Insektenhotel und vielem „Tierpensionen“ acht künstliche Schwalbennester unterm Dach auf Bewohner. Zwei davon sind derzeit „belegt“; ein zartes Zwitschern lässt auch schon auf ersten Nachwuchs schließen. Kunstnester halten besser an den heutigen Fassadenmaterialien, fallen nicht herunter und werden von den Vögeln gerne angenommen, oft auch von den Schwalben noch zusätzlich etwas „naturverputzt“. Kunstnester machen allerdings nur dort Sinn, wo es auch schon Naturnester gibt oder gab. Beide Sorten können von den Vögeln durchaus 20 Jahre lang bewohnt werden.

Tanja und Dirk Bergling sind die Besitzer von Rödermarks erstem „Schwalbenfreundlichen Haus“. NABU-Vorsitzender Dr. Rüdiger Werner und Bürgermeister Roland Kern gratulierten.

Eine Lehmschale auf dem Garagendach, deren Inhalt feucht gehalten wird, liefert dringend benötigtes Nistmaterial. Dirk Bergling wollte eigentlich Mauersegler, die ihm als Hobby-Segelflieger sehr vertraut sind, unterm Dach ansiedeln, und bestellte vor drei Jahren gleich mal ein paar Schwalbennester mit. Schwalben gab’s durch den bis im vergangenen Jahr benachbarten Pferdehof „Akita“ zur Genüge in der Umgebung. Mittlerweile sind schon 17 junge Schwalben bei den Berglings geschlüpft. „Und hier bleiben sie immer bis zum 26. September“, ist sich Dirk Bergling sicher. Wie die Schwalben dieses Datum in sich verspüren, ist unklar, aber mit ganz kleinen Abweichungen ist es immer genau dieser Tag, wenn sie sich zum Abflug in den Süden aufmachen - um im nächsten Jahr wieder zu kommen, diesmal etwas früher als sonst.

„Schützen können wir nur, was wir auch kennen“, stellt Dr. Werner klar. Deshalb möchte der Naturschutzbund Rödermark langfristig den Schwalbenbestand im Gemeindegebiet erfassen. Von den drei in Deutschland vorkommenden Schwalbenarten sind Mehl- und Rauchschwalbe noch flächendeckend präsent, allerdings in deutlich abnehmender Zahl. Dies gilt besonders für die an Hauswänden brütende Mehlschwalbe, während sich die vor allem in Ställen und Scheunen brütende Rauchschwalbe besser gehalten hat. Der Rückgang liegt am schwindenden Nahrungsangebot und am fehlenden Material für den Nestbau: Fluginsekten, deren Zahl in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen ist (wie jeder Autofahrer an seiner Windschutzscheibe sehen kann), sowie feuchte, lehmige Erde sind für die Vögel immer seltener zu finden.

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Um den Schwalbenbestand in Rödermark möglichst vollständig erfassen zu können, sind die Naturschützer auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. „Wir können unmöglich in einer Brutsaison alle Straßenzüge ablaufen und alle Dachüberstände auf Schwalbennester kontrollieren“, erklärt Werner. „Daher bitten wir alle Bürger um Unterstützung: Wenn Sie Schwalbennester an Ihrem Haus haben oder Gebäude kennen, an denen Schwalben brüten, teilen Sie uns den Standort mit. Entweder per E-Mail an nabu@pswerner.de oder unter 06074/2112030.“ Zur Kartierung der Rauchschwalben wollen die Naturschützer in den nächsten Wochen Kontakt zu den örtlichen Landwirten und Pferdestallbesitzern aufnehmen.

Quelle: op-online.de

Kommentare